ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Diverse Experten sagen, dass wir zwar 600 haben, davon aber nur 200 einsatzbereit sind. 400 sind eingelagert und müssten erst gewartet werden.
Die Wartung sollte bei so einem F&F-System übersichtlich sein. Ist ja, im Gegensatz zu Großgerät, nicht so, dass die Dinger einem Verschleiß unterliegen und man erst 3000 Euro und (ewig-und-)300 Tage in die Bundeswehrbeschaffung investieren müsste, um ein (im zivilen Bereich) 30-Euro-Teil nachzubestellen, weil man das zum flottmachen eines anderen Exemplars aus der Lagerreserve ausgebaut hat. Die Taurus sind einfach nur eingemottet und müssen vermutlich einmal halb auseinandergenommen, gereinigt, geschmiert und wieder zusammengesetzt werden. (Batterien sind hoffentlich auch nicht eingebaut gelagert worden.)
Das macht man nicht mal eben so, aber da die Bundeswehr eigenes Personal für die Handhabung der Teile hat, sollte eine Instandsetzung gut planbar und in überschaubarer Zeit abgeschlossen sein.
Schwieriger ist halt: Die 600 Stück stellen fünf Jahresproduktionen mit vorheriger Ankündigung dar. Ohne letztere wird man selbst mit saftigem Preisaufschlag nicht vor 2030 wieder den Sollstand erreicht haben und dieser ist aus aktueller Sicht schon nicht gerade hoch. Zudem verliert dieses Waffensystem massiv an taktischem Wert, sobald der Gegner seine Stärken und Schwächen genau kennt und seine Verteidigungssysteme dagegen testen konnte. Nur das hätte man sich halt drei Jahre früher überlegen müssen, dass man einen in Richtung Berlin vorrückenden Imperialisten auf anderem Wege stoppen muss, wenn man Taurus als Last Line zurückhalten will.
Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und erwarte, dass sich sehr bald beide Seiten gegenseitig beschuldigen werden, dass sich die jeweils andere Seite nicht daran gehalten hat (sofern es offiziell überhaupt tatsächlich dazu kommt). Kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass Putin/Russland das ernst meint.
Strenggenommen kann ein einseitiger Waffenstillstand nur von einer Seite gebrochen werden...
Aber ja: Es ist damit zu rechnen, dass Putins Propaganda selbst keinen gefallen Schuss so ausschlachten würde.
Die Ernsthaftigkeit hätte ich, auf hoher Ebene überigens gar nicht mal komplett abgesprochen. (Auf unterer Ebene halte ich die russische Armee schlicht für unfähig, sowas umzusetzen => Verletzungen unvermeidbar):
Putin hat Ende letzter Woche aus vollen Rohren gefeuert und irgendwann braucht die Truppe einfach eine kurze Pause, um zu regenerieren und reorganisieren. Diese Phase, in der sowieso kaum Angriffe geplant waren, kann man auch demonstrativ auf 0 Angriffe senken und an die Große Glocke hängen. Umgekehrt hat(te) die Gegenseite militärisch absolut rein gar nichts davon, wenn eine komplett unglaubwürdige Quelle eine Waffenruhe mit quasi 0 Vorlaufzeit ankündigt. Weder können die Soldaten im Einsatz sich über einen sicheren Tag freuen, noch kann man den Moment relativer Ruhe für größere Reparaturen, Truppenrotation und ähnliche Planungen nutzen.

