@Tekkla
Der
Einflussbereich der USA ist durch Militärbasen markiert. In Osteuropa betrifft das von Norden nach Süden Polen, Rumänien und Bulgarien. Die Karte des United States European Command (USEUCOM) - das ist quasi der militärische Funktionsbereich der USA für Europa - zeigt diese Linie ähnlich. Beachtlich ist die gemeinsame Farbgebung für das Batikum, Belarus, Ukraine, Moldau und Russland mit Kaliningrad ("Eastern Europe"). Die USA zeigen deutlich, welcher Stallgeruch hier markiert wird. Diese Linie sollte man
nicht unterschätzen.
https://www.eucom.mil/about/the-region
Anzunehmen ist, dass die USA ihre Militärbasen halten wollen. Man gibt nicht einfach so Territorium auf; dafür bräuchte es extrem starke Gründe. Der Einflussbereich umfasst weder die Ukraine noch das Baltikum. Für Interventionen im Falle eines militärischen Konflikts lassen sich für unterschiedliche Zielgruppen ethische, wirtschaftliche und allgemein politische Gründe finden, aber wenn es sich für die USA nicht lohnt - und das gilt besonders mit Trump -, werden sie sich nicht direkt gegen Russland stellen.
Das Baltikum genießt fragilen Schutz vor Russland. Man muss Trump zutrauen, dort militärische Einheiten abzuziehen - an dem Tag weiß man, dass Europa vor einer sehr schweren Frage stehen wird: entweder die NATO gibt das Baltikum auf oder kämpft ohne die USA gegen Russland.
Trump konnte es sich leisten auf die Ukraine zu schei*en. Nichts anderes hat er getan. Die Ukraine versucht über Selenskyj und Melnyk zu reparieren, aber das sind nur die konsequenten Nachwehen. Die Ukraine und die übrigen europäischen Staaten wissen jetzt, dass sie auf die USA nicht vertrauen dürfen, sondern eher zur Unterordnung gezwungen werden - aber sie wenden sich auch nicht ab. Starmer selber hat heute ein "strong US backing" hervorgehoben. Niemand hat ein Ende des atomaren Schutzschildes der USA in Europa oder einen Abzug der US-Truppen aus Europa gefordert, weil alle wissen, wie stark dieser Hebel ist.
Militärisch ändert sich für die USA rein gar nichts. Russland ist verglichen mit den USA offensichtlich nur zweitklassig. China hat mehr Personal (ca. 2 Millionen vs. 1,4 Millionen) und kann viel Material vorhalten, aber die Erfahrung der USA wiegt deutlich schwerer. Diese Armee hat über Jahrzehnte Kriege geführt und ist weltweit ziemlich präsent. Personal, Material, Industrie und Logistik sind erprobt und eingespielt - diese Skillung kann niemand sonst vorweisen. Die USA sind weiterhin die Weltmacht, aber nicht mehr in unserem Team.
Das von dir verlinkte Unterview mit Thomas Zimmer nailed it,
@Tekkla. Ich mag auch das Pathos. Die schwerwiegende Erkenntnis der Sachlage ist nicht zu überhören.
Klar, wir / die Ukraine können einfach aufhören und nachgeben. Das kannste so lange machen bis Europa russisch ist.
Was glaubst du denn, wie das
Kriegsende aussehen wird? Material allein wird nicht reichen und Putin wird den Krieg nicht beenden müssen, weil er zukünftig noch weniger Gegenwehr erhält. Der abartige Rest verläuft nun in Zeitlupe. Danach stehen garantiert noch Moldau und das Baltikum auf der Speisekarte.
Welches Druckmittel könnte Europa etablieren wollen, um Kiew zu retten? Die direkte Konfrontation europäischer und russischer Armeen in der Ukraine sowie französische und britische Nuklearwaffen als Backstop hätten den nötigen Impact, geringeres jedoch ist untauglich. Einige europäische Staatsoberhäupter haben eine direkte Kriegsteilnahme wiederholt ausgeschlossen, teilweise als No-Go eingestuft. Aber vielleicht geschieht sowas tatsächlich, weil andere Optionen fehlen.