Was wir daraus lernen und machen sollten?
Das ist für mich recht einfach zu beantworten.
Wir, der demokratische Westen, müssen die Ukraine bedingungslos und konsequent unterstützen - bis zur Aufgabe Russlands.
Die Ukraine benötigt u.a. die Freigabe, mit weitreichenden westlichen Waffen tief in Russland wirken zu können, um Logistik, Nachschub und militärische Objekte nachhaltig zu (zer)stören.
Russland wird nicht durch "die eine" Schlacht geschlagen, sondern durch die großflächige, fortwährende Zerstörung von infrastrukturellen und militärischen Assets, sowie durch die Notwendigkeit immer mehr und mehr Personal, Gerät und Finanzmittel in den Krieg zu investieren.
Russland wird die aktuellen Verluste an Mensch und Material ganz sicher nicht unbegrenzt lange verkraften können - Russland weiß aber, dass es letztlich nur länger als die Ukraine durchhalten muss und hat angesichts der personellen und materiellen Überlegenheit, zuzüglich seiner Skrupellosigkeit, leider aktuell die besseren Karten.
Das muss der Westen ausgleichen.
Warum?
Weil wir ganz konkret befürchten müssen, dass der Aggressor im Falle eines Sieges mit der dann erhaltenen Beute nicht saturiert sein wird.
Er wird daraus ableiten, dass man sich mit Gewalt noch mehr holen kann, weil der Westen irgendwann mürbe wird. Man muss als Aggressor also nur brutal und ausdauernd genug vorgehen.
Darüber hinaus gibt es global sehr viele weitere warme oder kalte Territorialkonflikte, die das russische Vorgehen als Blaupause nutzen werden.
Für eine friedvolle Welt muss es Grundbedingung sein, sich des anderen Hab und Gut (oder Territorium) nicht mit Gewalt zu beschaffen - wenn man es doch macht, darf es sich nicht lohnen bzw. muss es derart teuer erkauft sein, dass man es sich sehr gründlich überlegt.
Der Westen braucht hier zunächst den Konsens, dass dies so ist und muss im Ergebnis dieser Erkenntnis konsequent handeln.
Das bedeutet, im Sprech unseres Verteidigungsministers: kriegstüchtig werden.
Und das wird uns etwas kosten: Bequemlichkeit und auch Wohlstand.
Die Alternative, nämlich sich hier weiterhin überwiegend passiv zu verhalten und nur das allernötigste zu machen, wird allerdings langfristig teurer!