Ich möchte nicht frech erscheinen, vielleicht bin ich da auch schief gewickelt, aber ich verstehe es wirklich nicht.
Aktuelle "idealistische" Beispiele mit Bezug zum Christentum wären z.B. die Gleichberechtigung von nicht dem klassischen christlichen Bild entsprechenden Lebensgemeinschaften (Homoehe, multiple Partner, etc. - was man davon im einzeln halten soll, wäre natürlich noch kritisch zu diskutieren, aber genau das findet nicht statt, sondern es wird pauschal mit "das ist falsch"/"gegen "unsere" Werte", etc. abgeblockt), die Integration von Menschen und Organisationen anderer Glaubensrichtungen als die vorherrschende (weil irgendwie alle organisierten Glaubensrichtungen "ihr Territorium" verteidigen) oder auch, außerhalb Deutschlands, die Verbreitung von Verhütungsmitteln oder eben auch die Kreationisten.
Prinzipiell ist das aber nur die Schnittmenge von zwei Problemkreisen. Verschiedenste Religionen und Traditionen sind weltweit die Grundlage für Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung, etc. und die Kirche als solche ist auch außerhalb religiöser Fragen z.B. bei so Dingen wie Arbeitsrecht, Lärmschutz, Kirchensteueraustrittgebühren, etc. eine Belastung für Menschen in Deutschland. Dazu kommen noch "weiche" Faktoren, z.B. der Religionsunterricht ist nicht nur ein staatlich finanziertes Rekrutierungsprogramm für die Kirchen, zusätzlich ist er auch (wenn er nicht wirklich gut gemacht wird - und das ist im Schnitt eben nicht der Fall) vergeudete Zeit oder, im Worst Case, etwas wo jungen Menschen Hörigkeit und Glaube antrainiert wird, während kritisches Hinterfragen in unserer heutigen Gesellschaft wohl das wichtigste Verhaltensmuster für einen mündigen Bürger überhaupt ist.
Es gibt also mehr als genug Gründe, Glauben&Vergangenheit nicht als pauschal positive Argumente und etwaige Vertreter pauschal als bessere Entscheidungsträger, etwaige organisierte Vertretungen pauschal als Förderung verdienende Organisationen zu behandeln. Genau das geschieht aber in Deutschland.
Hehe, spielst du da auf die Nazizeit an (Godwin)? Der Nationalsozialismus konnte sich ja gerade mal 12 Jahre am leben erhalten. Selbst ne Katze lebt länger. Der Nationalsozialismus war ein kurzer, zerstörerischer Tornado deutscher Geschichte, der mit Kultur und Religion wenig bis gar nichts zu tun hatte. Man munkelt ja sogar, dass Nationalsozialismus und auch Kommunismus atheistisch geprägt waren.
Ich habe lediglich darauf verzichtet dass billigste, krasseste Beispiel für "das war schon früher so, also ist es gut" auszuformulieren.
War es jetzt die Religion oder die Kirche, die Leid über die MEnschen gebracht hat?
Wechselnd. Das abstrakte Konstrukt "Religion" kann natürlich nicht aktiv werden, aber "Religiöse" haben zu allen Zeiten aus ihrer Religion heraus Leid über andere gebracht. (meist wäre dies bei näherer Betrachtung der Religion nicht gerechtfertigt gewesen, fast immer sogar genau das Gegenteil, aber genau das meinte ich weiter oben: Genau hingucken und kritisch drüber nachdenken ist das genaue Gegenteil von "Glauben" und wird und wurde von Glaubensgemeinschaften mit sehr unschöner Regelmäßigkeit unterdrückt)
Ich sag mal so, ich bin kein wirklich gläubiger Mensch, denoch hat Religion nicht alles schlecht gemacht. Religionen sind nichts schlechtes und bringen viel gutes mit sich. Die Institutionen hinter den Religionen sind es doch eigentlich, welche Religion als Vorwand benutzen, schlechtes zu tun.
Religionen bringen demjenigen etwas Positives, der sie als positiv empfindet - das wars. Vor einigen Jahrhunderten spielten sie noch eine Rolle bei der Definition/Verbreitung grundlegender humaner Werte gehabt, aber in dieser Funktion wurden sie schon lange durch einen unreligiösen Wertekanonen der Gesellschaft abgelöst, reflektiert z.B. auch im Grundgesetz, Menschenrechten, etc.
Da ein Nutzen von Religion als solcher heute also nur noch rein privat beobachtet werden kann, sollte Glauben imho auch reine Privatsache sein - und bei keinerlei staatlichen,... Entscheidungen, Grämien,... irgend eine Rolle spielen.
(die Institutionen sind dann getrennt zu betrachten. Da gibts auch einige, deren Handeln unterm Strich positiv zu bewerten ist - aber man sollte sehr genau gucken, ob dass auch z.B. eine staatliche Finanzierung rechtfertigt, denn letztlich ist es keine große Leistung, mit fremdem Geld Gutes zu tun. Aber sehr bequem, sich auf diese Art ein besseres Image und zusätzliche Anhänger zu verschaffen...)