@ Beam
Ich beziehe mich jetzt auf den letzten Beitrag von dir, der an mich gerichtet war. Sorry für die leichte Verspätung.
Ich sehe keine Panikmache. Daran ändert ein Interview nichts. Man vergisst schnell, dass unsere sogenannten Volksvertreter jedes Ereignis nutzen, um immer wieder zu betonen, dass der Islam friedlich sei und damit nichts zu tun habe. Würde das auch nur ein Politiker in der Türkei oder der arabischen Welt machen, wenn ich mit einem Kreuz um den Hals und einer Bibel in der Hand einen Imam umbringe? Meinst du diese dt. Politiker haben sich selbst auf irgendeine Weise mit dem Islam beschäftigt? Vermutlich nicht mehr als Erdogan mit dem Christentum. Wenn ich etwas nicht kenne, soll ich darüber nicht urteilen. Wieso muss man nie betonen, dass der Buddhismus friedlich ist? Wieso begeht keiner in dessen Namen Selbstmordattentate?
Am verstörendsten finde ich dann immer, wenn im Fernsehen Muslime zu Pegida befragt werden und oft sagen, dass sie Angst hätten.
Hat sich mal irgendjemand gefragt, wie sich die Juden in Europa fühlen? Nicht erst seit Paris müssen die allein wegen dem, was sie sind, um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten. Angriffe haben sich in letzter Zeit gehäuft, auch in Deutschland. Entgegen häufiger Darstellungen sind es nicht mehr größtenteils "weiße" Rechtsextreme, die für diese Übergriffe verantwortlich sind. Gegenüber Muslimen wird Kritik geäußert, sie müssen sich jedoch keine Sorgen über ihre körperliche Unversehrtheit machen. Das finde ich gut. Das gleiche Recht sollte aber auch jeder Jude auf der Welt und vor allem in Europa haben, wie auch jeder Muslim, jeder Christ und jeder andere Mensch. Abgesehen davon, dass manche davon ganz gut mit Kritik umgehen können...
Deine Aussage zur Toleranz (wo zieht man den Strich zwischen überzogener Toleranz und Ignoranz?) Deutschlands könnte ich nicht mehr zustimmen. Aber eben das, was du hierzu schreibst, traut sich doch kaum ein Deutscher auszusprechen. Eben weil die Presse aus ihm dann direkt einen Nazi macht. Die Aussagen weiter unten sehe ich ebenso wie du.
Auf diese 1,4 Millionen Zivilisten habe ich nicht reagiert, weil es ein extrem komplexes Thema ist. Es wird generell schwierig, wenn man anfängt irgendwo die Schuld zu suchen und Tote aufrechnet. Wenn man den Irakkrieg zum Religionskrieg machen möchte, steht man noch vor ganz anderen Problemen.
Unabhängig davon:
Vor 1500 Jahren waren die dort (arabisches Gebiet) lebenden Menschen auch keine Muslime. In den folgenden Jahrhunderten wurden alle zwangsislamisiert, versklavt oder getötet. Der Islam wurde gerade im arabischen Raum, Nordafrika und bis nach Spanien und wesentlich später bis vor die Tore Wiens transportiert, und zwar mit dem Schwert. Demnach hätten auch alle, die Opfer dieser Eroberungszüge geworden sind, dass gute Recht, ihre islamischen Verbreiter zu hassen. Gut, die Osmanen wurden auch wieder bis in die heutige Türkei zurückgetrieben. Die Kreuzzüge kamen erst 500 Jahre später als Reaktion auf die bisherigen Eroberungen. Gerechtfertigt?
Kurze Randbemerkung, wenn man den Kolonialismus (auch nicht zu unrecht) für bestimmte heutige Zustände verantwortlich machen möchte, darf man auch nicht vergessen, dass die Blüte der arabischen Welt nicht unwesentlich auf Sklaverei und Sklavenhandel basierte. Die Sklaverei wurde erst wegen und auf Druck der Kolonialmächte abgeschafft. Ja, diese Kolonialmächte hatten zuvor ihren Teil an der Sklaverei in Afrika. Aber das ist ein anderes Thema.
Im Rahmen der oben genannten Ereignisse sind übrigens weitaus mehr als das 10-fache von 1,4 Millionen Menschen getötet worden.
Ein Grund für Hass? Ich denke nicht.
Auf dein Beispiel, mich persönlich betreffend, antworte ich dir nun einmal so persönlich und privat wie ich kann:
Ich bin bekennender Christ. Ich bin nicht orthodox, ich bin nicht katholisch (auf dem Papier schon), ich bin kein Protestant. Vom Vatikan und sämtlichen "religiösen", weltlichen Instrumentalisierungen distanziere ich mich.
Ja, ich würde diese Gruppe XYZ anfangs verachten. Und das, obwohl ich weiß, dass es falsch ist. Ich würde niemals jemanden zu XYZ machen, der nicht persönlich daran beteiligt ist. Schlimm genug, wenn ich auch nur auf einen Menschen mit dem Finger zeige.

Am wichtigsten: Ich würde diesen Menschen verzeihen. Wie kann ich erwarten, dass JHWH mir - einem Menschen - vergibt, wenn ich selbst nicht einem Menschen vergeben kann? Ich bin überzeugt davon, dass ich keine Vergeltung suchen muss, denn sie werden alle ihrem Richter gegenüber stehen, wie auch ich.
Wie unterscheide ich mich von ihnen, wenn ich mit Hass auf Hass reagiere?
Wenn du auch mit anderen hier aus dem Forum bei einem Treffen diskutieren möchtest, muss du diese mobilisieren. Ich stehe zu deiner Verfügung.
Das wird mein letzter Beitrag in diesem Bereich sein. Für Anmerkungen stehe ich per PN zur Verfügung.