Hat jemand eine Vision wie wir aus diesem Regierungsschlamasel raus kommen zu können ohne wieder 1933 zu haben?
*************************************************************************
Wenn das jemand ansatzweise beantworten kann der hat wirklich Ahnung.
Rest ist um den heissen brei reden.
Was machen wir jetzt in den Neuwahlen?
**************************************************************************
Das Problem ist, die Neuwahlen sind gar nicht das Problem, sondern dass die aktuelle Gesellschaft und ihre Zusammensetzung nicht zukunftsfähig ist. Es gibt bestimmte Parameter für eine stabile Gesellschaft (stabile oder wachsende Demografie, weitgehend ethnische Einheit und/
oder einheitliches Wertesystem - bspw. USA der letzten Jahrhunderte, bröckelt nur gerade auch -, eine theistische Religion als übergesellschaftliche moralische Instanz, welcher die Masse der Bevölkerung folgt, mehrere herrschende Klassen, idealerweise in einem halbwegs vorhandenen Gleichgewicht, empfundene Gerechtigkeit, persönliche, alltägliche Freiheiten,...) und umso weniger davon zutreffen, umso instabiler wird die Gesellschaft und kann langfristig keinen Erfolg haben.
Die Probleme, die 1933 zum Aufstieg Hitlers geführt haben, wurden durch 2. Faktoren kuriert:
1. Die Zerstörung Deutschlands (und des restlichen Kontinents, aber das ist für das Land selbst in dem Kontext irrelevant) hat Luxusprobleme behoben und die Bevölkerung geerdet.
2. Die Rückbesinnung auf einheitliche, konservative christliche Werte hat das Volk wieder geeint. Schaut man sich die Zeit zwischen den Weltkriegen an - insbesondere die vermeintlich "goldenen" 20er - sieht man schnell einen Anstieg destruktiver Faktoren.
Im Grunde steht die Lösung für die Probleme Deutschlands auf dem Reichtagsgebäude und im Text der Nationalhymne. "Dem Deutschen Volke" und "Einigkeit und Recht und Freiheit". Beides zusammen ist die Blaupause für einen erfolgreichen Staat.
Wovon man zuallererst weg muss, ist der Fokus zu sehr auf aktuelle Fakten. Probleme zu zerreden funktioniert nicht, Entscheidungen und Ansichten werden üblicherweise nur teilweise faktenbasiert getroffen. Die Wahrnehmung gibt die Grundlage für Entscheidungen, deshalb gibt es auch so unterschiedliche politische Ansichten zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Klassen. Städter haben ganz natürlich eine andere Wahrnehmung als Landbewohner, Reiche eine andere als Arme, Arbeitnehmer eine andere als Arbeitslose usw.
Der nächste Schritt ist zu verstehen, dass Geschichte zyklisch und nicht linear abläuft. Auf eine linke Zeit - und wir leben in einer linken Zeit! - folgt eine rechte, wobei die Unterteilung in links und rechts auch nur auf unsere aktuelle Geschichte anzuwenden ist. Ein weiterer Teil der zyklischen Geschichte ist, dass es kein ewiges Wachstum gibt (ernsthaft, das wurde schon x mal widerlegt, man sehe sich ein etwas spezifischeres Geschichtsbuch zu dem Thema an) und dass es unweigerlich eine Epoche des Niedergangs nach einer des Wachstums gibt. Unterschiedliche Zeiten bringen unterschiedliche gesellschaftliche Tendenzen hervor und oft sind es genau die Tendenzen, die eine Gesellschaft dann zu Fall bringen bzw. sie auf die Bahn zum Niedergang lenken.
Historisch betrachtet ist das Erstarken der politischen Rechten unausweichlich und eine natürliche Folge des stetig anhaltenden linken Trends, welcher täglich frischen Brennstoff liefert. Das läuft so lange weiter, bis die Rechte wieder die Oberhand hat (und noch eine ganze Weile länger), bis dann irgendwann wieder linke Tendenzen stärker werden.
Was wir jetzt bei den Neuwahlen machen? Nun, die AfD bzw. die rechte Bewegung kann aus diesen historischen Gründen nicht aufgehalten werden (und ist meiner persönlichen Meinung nach auch ein Schritt, um das Land wieder zu einen, u.A. deshalb wähle ich sie auch). Verbieten kann man die Partei, aber nicht die Bewegung bzw. die Wähler und eine neue Partei ist schnell wieder aufgebaut. Würde mich nicht wundern, wenn da schon jemand für den Verbotsfall Pläne macht.
Um größere Probleme zu verhindern, muss das Land wieder geeint werden. Die USA waren gemäß bestimmter Historiker und Anthropologen diese Wahl fast so nah an einem Bürgerkrieg wie Mitte der 1800er und Deutschland steuert auf einen ähnlichen Kurs zu. Der beste Weg, das zu verhindern, sind mehrere Jahre einer tendenziell rechten Regierung, sprich CDU und AfD, die beide die ärgsten Auswüchse des jeweils anderen abbremsen. Kling bescheuert, ist es irgendwo auch, aber einen besseren Weg gibt es nicht, der destruktive gesellschaftliche Faktoren abmildert. Man hat den Laden nun mal schon weit in die Scheiße geritten, da kommt man nicht mehr ohne Schmerzen raus.
Ach ja: Jetzt gibt es natürlich Ängste, dass eine solche Regierung völlig zum Wohl der Unternehmer, Aktionäre und Reichen handelt. Ist natürlich nicht unmöglich, sogar recht wahrscheinlich, aber das Problem des Kapitalismus ist nicht eine kapitalistische Regierung, sondern dass der Wert der persönlichen Arbeitskraft zu sehr abgenommen hat. Hauptschuldig ist daran die starke Automatisierung, welche die Bedeutung für eine ungestörte Produktion einer immer kleiner werdenden Zahl an Spezialisten zuordnet und den Menschen als Arbeitskraft immer weiter abwertet. Umverteilung ist da natürlich eine Utopie, denn was nicht nötig ist, wird früher oder später abgeschafft. Ohne dem Menschen wieder Wert in seiner täglichen Arbeit zu geben, wird man die Ungleichheit immer weiter befeuern. Und ohne dem individuellen Menschen wieder Wert zurückzugeben, wird man auch nichts an der aufkommenden Pandemie psychischer Krankheiten ändern.
Schlusswort: Es gibt genug Leute, die sich mit der historischen Entwicklung von Gesellschaften befasst haben und daher weiß man recht genau, wie sowas abläuft. Und sobald man ein halbwegs taugliches Modell hat, passt auf einmal alles zusammen.
Damit lasse ich euch jetzt mal in Ruhe, bis ich wieder Zeit und Muße habe, Dinge in belanglosen Einzelheiten ohne größeres Bild im Hintergrund zu zerreden.