Neue Bundesregierung 2021 Diskussionsthread

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Wie in jedem Job gibt es da eben auch gute und und weniger gute. Manche sind super in der Textarbeit, andere können sich gut präsentieren. Manche können beides.
 
Du verunglimpfst gerade die Judikative - die dritte Säule der demokratischen Macht. Find' ich jetzt nicht so flauschig. Es gibt sehr viele sehr gute Gründe, warum es Rechtswissenschaften gibt. Mag vielleicht abstrakt klingen, aber ohne Recht wäre eine geordnete Gesellschaft nicht möglich. Man "legt [auch] nicht [nur] irgendwelche Zettel vor"...
Es geht um die Wahrnehmung. Wir kennen Anwälte aus US Serien und das ist kein Maßstab für Deutschland.
In den USA musst du eine Jury überzeugen. Da geht es nicht um Recht und Gesetz, sondern darum, dass du Menschen überzeugen musst
In Deutschland geht es um Gesetze. Bevor du vor den Richter tritts, hast du schon alles fertig und reichst die Sachen ein, die du vorher ausgearbeitet hast. Da musst du keine Reden schwingen.
Ich finde das deutlich besser als das US System.
Dazu kommt, dass im US System die Staatsanwälte gewählt werden. Da hat dann der Vorteile, der besonders harte Urteile anstrebt und leiber einsperrt als vernünftig zu recherieren.
Kein Wunder also, dass es in den USA viele Unschuldige im Gefängnis sitzen.

Was ist das denn für eine Wertschätzung?
Das sagt meine Tochter ja selbst. Es ist zu viel Zettelwirtschaft. Da kommt es nicht an, ob du überzeugen kannst. Der Richter entscheidet anhand der eingereichten Dinge und nicht, weil du gut plädieren kannst.
Anwälte müssen auch rhetorisch gut sein und argumentieren können.
Und bei vielen Juristen welche auch in die Politik gehen merkt man das.
Müssen sie ja eben nicht, weils keine US Serie ist.
 
Fun Fact: Die meisten Politiker sind schlechte Juristen.
Juristen stellen die größte Gruppe unter den Bundestagsabgeordneten, gefolgt von Steuerberatern

Und wenn selbst diese Gruppe nicht mehr in der Lage ist, verfassungskonforme Gesetze zu definieren, dann sollte man ernsthaft an der Komplexität und Bürokratie unserer Welt arbeitet. Es wird immer perverser. Als Unternehmer etwas komplett neues aufzubauen, wird ab dem ersten Angestellten zur reinen Tortur. Und wenn wir nicht dirngen aufräumen und massis verschlanken, war es das mit unserem Wirtschaftsstandort, weil nichts neues mehr nachkommt.
 
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Und woher kommt deine Weisheit? :ugly:
Ich arbeite selbst in einer Großkanzlei und da hat man einerseits Kontakt mit einigen Rechtsstreitigkeiten, die von Politikern bearbeitet werden oder wurden und andererseits hört man von anderen Anwälten auch sehr oft, dass es besser ist, dass einige "Kollegen" in die Politik gegangen sind. Politiker-Juristen sind unter den Nur-Juristen nicht sonderlich beliebt.
Der war sogar Richter.
Das muss nicht unbedingt etwas heißen - gerade, wenn es um Richter in den Ost-Bundesländern geht. Da man während der "Wende"/Kolonialisierung des Osten sämtliche DDR-Richter aus dem Amt gefeuert hat, musste Ersatz her. Es wurde da genommen, was sich beworben hat, einfach weil man schnell viele Leute brauchte. Darunter waren zwar auch gute Juristen, aber auch ganz viele schlechte. Nur, weil man Richter ist/war, heißt noch lange nicht, dass man auch guter Jurist ist. In der Praxis gibt's bspw. (gerade erstinstanzlich) tatsächlich so etwas wie "Mitleids-Jura" oder auch "Arschloch-Jura" (d.h. dass das größere Arschloch den Prozess verliert - die rechtliche Würdigung wird dann gerade so hingebogen, dass es noch passt).
Bevor du vor den Richter tritts, hast du schon alles fertig und reichst die Sachen ein, die du vorher ausgearbeitet hast. Da musst du keine Reden schwingen.
Das stimmt einfach nicht. Das Rechtsgespräch in der mündlichen Verhandlung ist ein entscheidender Teil eines Prozesses - gerade, wenn noch Zeugen vernommen werden sollen. Die mündliche Verhandlung dient auch gerade dazu, dass man sich als Anwalt direkt an den Richter wenden kann, wenn dieser eine streitige Rechtsauffassung hat.
Das sagt meine Tochter ja selbst. Es ist zu viel Zettelwirtschaft. Da kommt es nicht an, ob du überzeugen kannst. Der Richter entscheidet anhand der eingereichten Dinge und nicht, weil du gut plädieren kannst.
Siehe oben. Das stimmt einfach nicht vollständig. Sicherlich nimmt die vorbereitende, schriftliche Arbeit einen Großteil des Arbeitsaufwandes ein, allerdings gibt es gerade erstinstanzlich einen Mündlichkeitsgrundsatz und eine mündliche Verhandlung wird - siehe oben - auch nicht nur pro forma abgehalten, sondern ist wichtig und mitunter entscheiden.
Der guckt gerade Boston Legal. :D
Gute Serie. :daumen:
 
Siehe oben. Das stimmt einfach nicht vollständig. Sicherlich nimmt die vorbereitende, schriftliche Arbeit einen Großteil des Arbeitsaufwandes ein, allerdings gibt es gerade erstinstanzlich einen Mündlichkeitsgrundsatz und eine mündliche Verhandlung wird - siehe oben - auch nicht nur pro forma abgehalten, sondern ist wichtig und mitunter entscheiden.
Es kommt halt darauf an. beim Strafrecht hast du natürlich mit Zeugen zu tun. Wobei man dort nicht im Gerichtssaal hockt. Sowas hast du nur in Gerichtsshows, wo sich dann angeschrienen wird.
Beim Wirtschaftsrecht oder Steuerrecht hast du aber nur Zettelwirtschaft. Da schleppst du dann Ordner und musst die wichtigen Dinge zusammenfassen, immer mit Fußnoten natürlich.
Rechtsprechung ist nüchterner als die meisten denken.
 
Das muss nicht unbedingt etwas heißen - gerade, wenn es um Richter in den Ost-Bundesländern geht. Da man während der "Wende"/Kolonialisierung des Osten sämtliche DDR-Richter aus dem Amt gefeuert hat, musste Ersatz her. Es wurde da genommen, was sich beworben hat, einfach weil man schnell viele Leute brauchte. Darunter waren zwar auch gute Juristen, aber auch ganz viele schlechte. Nur, weil man Richter ist/war, heißt noch lange nicht, dass man auch guter Jurist ist. In der Praxis gibt's bspw. (gerade erstinstanzlich) tatsächlich so etwas wie "Mitleids-Jura" oder auch "Arschloch-Jura" (d.h. dass das größere Arschloch den Prozess verliert - die rechtliche Würdigung wird dann gerade so hingebogen, dass es noch passt).
Stephan Weil kommt aus Niedersachsen. Zumindest theoretisch sind Richter die besten Juristen (nach Abschlüssen).
 
hren
Stephan Weil kommt aus Niedersachsen. Zumindest theoretisch sind Richter die besten Juristen (nach Abschlüssen).
Keine Ahnung, vielleicht ein Verfassungsrechtler.
Ich wollte noch was ergänzen. Meine Tochter beschwert sich, dass der Anwalt an sich Schriftverkehr macht und alles in Texten festhält.
Die Arbeit vor Gericht, mit anderen Menschen, sinkt immer weiter.
In 10 Jahren könnte eine KI 90% der Anwaltsarbeit übernehmen und das ist ein Problem.
 
Da man während der "Wende"/Kolonialisierung des Osten sämtliche DDR-Richter aus dem Amt gefeuert hat, musste Ersatz her.
Das stimmt so nicht. Je nach neuem Bundesland wurden zwischen 15 bis 45% der bisherigen Richter übernommen. Hinzu kommt: Selbst wenn jeder Richter aus DDR Zeiten im Amt geblieben wäre, hätten sie nichtmal annähernd die Zahl der Planstellen abdecken können, die sich durch das bundesdeutsche Justizwesen ergeben hat. Noch dazu das sie selber erstmal auf Fort- und Weiterbildung geschickt hätten werden müssen bzw. bestimmte Gebiete der Justiz so gar nicht vorhanden waren oder unter komplett anderen Vorzeichen standen.
Dazu noch aus dem Einigungsvertrag sich ergebende Sonderlocken, wo es Abweichungen vom bundesdeutschen Recht gegeben hat sowie solche Dinge:
Die Staaten des Ostblocks bildeten wesentlich weniger Juristen als ihre westeuropäischen Nachbarn aus. 1984/1985 waren pro 10.000 Einwohner zehn Studenten im Fach Rechtswis-senschaft in Jugoslawien eingeschrieben. In Ungarn und Polen waren es jeweils sechs, in der Sowjetunion waren es vier. Die DDR war mit zwei Jurastudenten pro 10.000 Einwohnern das Schlusslicht unter den sozialistischen Bruderländern. Zur gleichen Zeit bildeten westdeutsche Hochschulen 15 und französische/italienische Hochschulen 22 Juristen pro 10.000 Einwohner aus.[9]
 
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Und dabei würde der Laie doch annehmen, dass in einer Planwirtschaft mehr Juristerei benötigt wird, weil der Staat schlichtweg mehr selber zu regeln versucht...

Und ja, natürlich nicht stumpf eine Mehrwertsteuer, sondern selektiv einzelne Rohstoffe. Der ganze Aufwand ist nicht höher als mit der Mehrwertsteuer, aber das gesamte andere Steuerrecht kann weg. Die Umstellung ist das Problem.

Okay, wenn du das gemeint hast, dann haben wir aneinander vorbeigeredet. Ich persönliche sehen einen massiven Unterschied zwischen Konsumsteuern wie der Mehrwertssteuer (aber auch z.B. "Reichensteuern") und Rohstoff- respektive Abfallabgaben wie CO2-, Öl-, Flächen-, etc.: Letztere erlauben es, quasi unbegrenzt Mehrwert zu schaffen, zu verkaufen und sich daran zu bereichern, sofern man das mit wenig Rohstoffverbrauch hinbekommt. Ein Zug, der nur halb so viel verbraucht? Möbel aus Abfallmaterialien? Regional ohne Transportbedarf? Automatisch Verkaufsschlager, wenn die Verbrauchsstoffe hoch besteuert sind.

Die Mehrwertssteuer dagegen bestraft den geschaffenen Mehrwert vollkommen ungeachtet der Konsquenzen. Selbst ein ökologische veganisches Künstlerkollektiv, dass mit dem Fußabdruck einer Grille zur Überraschung aller einen echt guten Film produziert hat, wird durch die Mehrwertssteuer genauso belastet, wie ein Autohersteller, der die Gewinnspanne des neuesten 30-l/100-Monster-SUVs weiter steigern konnte, in dem er die Filter in der Fabrik alle bis auf den einen für lückenhafte Kriterien wirklich nötigen entfernt hat. Eine Mehrwertssteuer entwertet jeden qualitativen Fortschritt, das zu zügelnde / nutzbar zu machende Streben nach mehr persönlichen Gewinn wird durch eine Mehrwertssteuer auf möglichst große Masse mit möglichst geringem Kapitaleinsatz gelenkt. Und das sind meistens die schädlichsten Wirtschaftsformen überhaupt.


Juristen stellen die größte Gruppe unter den Bundestagsabgeordneten, gefolgt von Steuerberatern

Und wenn selbst diese Gruppe nicht mehr in der Lage ist, verfassungskonforme Gesetze zu definieren, dann sollte man ernsthaft an der Komplexität und Bürokratie unserer Welt arbeitet. Es wird immer perverser. Als Unternehmer etwas komplett neues aufzubauen, wird ab dem ersten Angestellten zur reinen Tortur. Und wenn wir nicht dirngen aufräumen und massis verschlanken, war es das mit unserem Wirtschaftsstandort, weil nichts neues mehr nachkommt.

Leider sind gerade Juristen oft absolut unfähig und unwillens, überflüssige Kompexität auch nur zu erkennen geschweige denn zu vermeiden. Allein der in Gesetzen evolvierte Sprachduktus ist eine absolute Katastrophe und steigert gefühlt eher noch die Zahl der Missverständnisse gegenüber halb solangen Vormulierungen, denn das er die Präzision steigern würde. Vor allem aber sind Juristen derart an diese schlechte Angwohnheit angepasst, dass sie gar nicht auf die Idee kämen, den Arbeitsaufwand und das Missbrauchspotential einer 30-seitigen Ausnahmeregelung gegen deren erhofften Realnutzen abzuwägen. (Oder sie begrüßen das ganze einfach als ABM-Maßnahme für kommende Juristen?)
 
Die Mehrwertssteuer dagegen bestraft den geschaffenen Mehrwert vollkommen ungeachtet der Konsquenzen. Selbst ein ökologische veganisches Künstlerkollektiv, dass mit dem Fußabdruck einer Grille zur Überraschung aller einen echt guten Film produziert hat, wird durch die Mehrwertssteuer genauso belastet, wie ein Autohersteller....
Jein, weil auch die Mehrwertsteuer selektiv sein kann. Da ich Arbeit nicht besteuern würde, kann das Künstlerkollektiv machen, was es will. Wenn es allerdings Kulissen baut, sollte es darauf achten, welche Materialien zum Einsatz kommen.

Aber ja, eine Ebene tiefer anzusetzen und gleich die Rohstoffe anstatt der Fertigwaren zu besteuern, ist natürlich konsequenter und sinnvoller.
 
Exakt. Sonst hat man nämlich die heutige Situation, in der ein und dieselbe Tanne je nachdem, von welchem Boden sie stammt und wann sie an wen verkauft wird, afaik bis zu fünf unterschiedlichen, "selektiven" Steuersätzen unterliegen kann.
 
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