ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Ach und bei den Erwachsenen läuft alles glatt und immer nach Plan?
Zu diesem whataboutism habe ich alle geschrieben, was ich zu sagen hatte.
Wie gesagt haben die meisten jungen Wähler die Grünen und FDP gewählt. Bei den Älteren sind die meisten AfD Wähler. Um die man sich eher Sorgen machen müßte.
Die AFD ist weitaus menschenfeindlicher und würde den Opfern ihrer Politik wesentlich direkter Schaden zufügen als die FDP. Über ihre Wahlerfolge mache ich mir somit ebenfalls mehr sorgen.
Aber Wahlkompetenz ist eine ganz andere Frage. Sowohl AFD als auch FDP haben Wahlprogramme, unter denen am Ende >95%, vielleicht >99% der Bevölkerung leiden würden. Wenn die also trotzdem mehr als 5% (mehr als 1%) der Stimmen bekommen, dann werden sie offensichtlich von Leuten gewählt, die zu blöd oder zu faul sind zu erkennen, welche Politik in ihrem Sinne wären und die stattdessen dem erstbesten Populisten hinterherlaufen. Und genau das ist ein Problem für eine Demokratie: Wenn populistische Politik gegen die breite Masse gemacht wird, weil die Wähler zu blöd sind. Die Wählerschaft auf Leute zu erweitern, die noch empfänglicher für Populismus sind und denen es noch schwerer fällt, komplexe Politik bis zum Ende zu durchdenken, ist daher in meinen Augen ein Fehler.
(Anm.: Grüne Wahlerfolge sind in dem Zusammenhang ambivalent. Man kann die Grünen wählen, weil sie, trotz allem, immer noch die Parlementspartei ist, deren Politik unterm Strich auf lange Sicht das beste für alle ist und somit auch das Beste für die meisten Wähler. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass die meisten Wähler soweit denken und ganz besonders nicht die meisten jungen Wähler. Aus meiner eigenen Generation weiß ich, dass das definitiv nicht der Fall war. Persönlich rechne ich deswegen damit, dass auch unter den Grünen Wählern jede Menge sind, die nur populistischer Stimmungsmache hinterherlaufen und überhaupt nicht kapieren, worum es wirklich geht. Die haben nur Glück, dass sie zufällig einem Bauernfänger auf den Leim gegangen sind, der ihnen wirklich nicht schaden will. Aber verantwortungsbewusst wählen läuft trotzdem anders.)
In den Jugendknast müssen sie trotzdem wenn sie zu oft Sch**sse bauen.
Meld dich wieder, wenn sie in den richtigen Knast müssen. Bestraft werden schon Kleinkinder. Aber das qualifiziert einen nicht dafür, globale Zusammenhänge einige Jahrzehnte im voraus zu durchdenken.
Das hat den Effekt, dass viele (nicht alle) Jugendliche doch deutlich mehr für Lokalpolitik und insbesondere Europa-Politik interessieren, als ich es so im Arbeitsumfeld von Kollegen aus Bayern kenne.
Meine "Kleine" ist jetzt 18 und hat schon ein paar Wahlen hinter sich.
Im meinem beobachtbaren Umfeld ab 16 zeigt sich ein reges Interesse und differenzierte Meinungsbildung, die nicht wirklich hinter dem einer/einem mit 18 oder 38 hinterher steht, eher im Gegenteil.
Was mich beeindruckt ist, dass sich die Jugendlichen durch die Bank die Mühe machen, die jeweiligen Parteiprogramme genau zu lesen und sich nicht nur aufs Geschwätz in Wahlwerbesendungen verlassen.
Das starke Interesse daran ist im Übrigen unabhängig vom Bildungsgrad oder dem familiären/sozialen/kulturellen Hintergrund.
Wow. Das beeindruckt auch mich. Und gegen eine Wahlbeteiligung solcher Personen, egal in welchem Alter, hätte ich auch nichts. Ganz im Gegenteil.
Ich kenne so ein Verhalten aber weder für die 18+-Jährigen noch für 16 jährige bei den entsprechend freigegebenen Wahlen in Deutschland. Wahlprogramme lesen? Absolute Ausnahme. Bei >>>>50% der Wähler (eine statistische Grundlage habe ich nicht, aber eigentlich würde ich sagen >95%) wäre ich froh, wenn sie ein Programm gelesen hätten, nämlich das von der Partei, die sie wählen. Aber schon das ist die absolute Ausnahme in Deutschland. Ich wäre nicht überrascht, wenn die sechs BLÖD-Ausgaben vor der Wahl mehr Einfluss auf deutsche Wahlergebnisse hätten, als alle Parteiprogamme zusammen genommen.
Jugendliche FDP-Wähler bei uns sind keine Befürworter von freier Marktwirtschaft, die einen schlanken Staat und Eigenverantwortung für das überzeugende Konzept halten, weil sie nach sorgfältiger Abwägung ihrer Position in der Gesellschaft realisiert haben, dass sie dank überlengender Startvoraussetzungen des Elternhauses den Pöbel hinter sich lassen und sich bei den Profitieren einordnen können. Sondern es sind Lifestyle-Hipster, die endlich bequem und überall kiffen wollen, aber die Grünen nicht wählen, weil die ja (vermeintlich) 7 Veggie-Tage die Woche vorschreiben und außerdem Flüge nach Bali abschaffen wollen.
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