Beim Wählen geht es aber sogar um Fragestellungen, die noch viel weiter reichen und über die der Wähler kompetent urteilen soll. Da stellt man leider fest, dass auch 30 oder 60 jährige mehrheitlich unfähig sind, Abläufe an der Börse, den Klimawandel, Staatsausgaben oder Diplomatie zu verstehen. Aber wenigstens haben sie die Politik ein oder mehrere Jahrzehnte beobachtet und deswegen mit viel Glück ein paar Beispiele im Hinterkopf, wer etwas erreicht und wer versagt hat; wessen Prognosen hinten und vorn nicht aufgingen und wessen Pläne die besseren gewesen wären. Wie gesagt - mit viel Glück. Wenn man sich anguckt, wie die Grünen weiterhin angefeindet werden, obwohl wir 50% der heutigen Probleme nicht hätten, wenn man in den 80er auf sie gehört hätte, wird klar, dass Erfahrung allein auch keine mündigen Bürger macht. Aber ein 16-Jähriger, der sich bestenfalls seit 2,3,4 Jahren für Politik interessiert, hat nicht einmal diesen geistigen Horizont. Und die breite Masse, die erst Mitte 20 anfängt, überhaupt mal über die Grenzen ihres Elternhauses und unmittelbaren Freundeskreises hinauszudenken, ist dem Alter einfach nur eins: Gefundenes Fressen für manipulierende Medien.
Ich persönlich wäre daher sogar umgekehrt dafür, dass (Bundes-)Wahlalter wieder auf 21 anzuheben. Dann würden die Leute im Schnitt mit 23 das erste Mal wählen und bis dahin haben die meisten wenigstens mal einen eigenen Haushalt zu führen versucht und ein paar wichtige Karrierentscheidungen treffen müssen. Rückblickend ist das meiner Meinung nach das Alter, in dem man am schnellsten "erwachsener" wird. Umgekehrt wäre es aber auch wünschenswert, das Wahlalter mal nach oben zu begrenzen, denn z.B. über 70-Jährige machen sich mangels Bedarf oft genauso wenig Gedanken über die Zukunft in 10-20-30 Jahren, wie unter 20-Jährige wegen mangelnder Erfahrung und mangelndem Wissen. Und die daraus resultierende Schieflage in der politischen Repräsentation sieht man leider sehr, sehr deutlich. Aber man gleicht 10-15 Jahrgänge Rentner nicht aus, in dem man zwei weitere Jahrgänge Politikignoratnen an die Urnen schickt. Wieso sollte jemand, dem man nicht einmal ganz simple, offensichtliche Situations-Reaktionen zutraut wie z.B. ein Auto zu lenken oder eine Waffe zu führen, in der Lage zu sein viel abstraktere Entscheidungen darüber zu treffen, wer einen Staat lenken und eine Nation führen soll?