AW: Geforce GTX 970: Rückerstattung oder nicht? Caseking prescht vor
Mir persönlich sind diese Streitigkeiten über technische Angaben und Marketingsprech völlig Wurst - und das sage ich als Eigentümer einer Asus GTX 970 Strix. Viel interessanter finde ich, wie die verschiedenen Händler mit der Sachlage umgehen. Denn - so viel dürfte feststehen - Nvidia hält sich bedeckt. Obwohl Nvidia der Verursacher ist. Nvidia ist schließlich der Fehler in der internen Kommunikation unterlaufen. Ausbaden müssen es aber die unzähligen Händler. Denn diese sind die Vertragspartner der Grafikkarten-Käufer. In der vergangenen Woche habe ich einige hundert Forenbeiträge in den großen deutschen Internetforen durchgelesen. Es war schön, zu sehen, dass der Informationsaustausch über diese Kommunikationsplattform so reibungslos und schnell funktioniert. Ein Austausch, der vorteilhaft, aber auch nachteilhaft für diverse Händler war. Von wegen, das Kommunikationsmedium Internetforum ist tot. Der GTX 970-Skandal hat Gewinner und Verlierer hervorgebracht.
Für mich persönlich stehen zwei Unternehmen ganz weit vorne auf der Gewinnerliste. Von dem einen konnte man es fast schon erwarten. Aber nicht von dem anderen. Die Rede ist von dem unmittelbaren Konkurrenten AMD und dem Einzelhändler Amazon. Klar, dass der (faktisch einzige) Konkurrent profitiert, wenn der Mitbewerber "Kommunikationsfehler" offenbart, die bestenfalls "peinlich" sind. AMDs Marketing hat schnell geschaltet, den Fixer wieder aufstehen lassen und ganz nebenbei die Story mit den 4 GiB Videospeicher aufgegriffen. Das war nicht nur etwas Salz in die Wunde streuen. Da wurde gleich ein ganzes Salzbergwerk hinein gekippt. Tja, und dann haben wir da noch Amazon. Der Monopolist, der angeblich seine Arbeitskräfte wie moderne Lohnsklaven behandeln soll, gerne mal bei der Steuer trickst, den Einzelhandel kaputtmacht, und dem ein Günter Wallraff nur zu gerne den Stecker ziehen würde. Ja, genau dieser Internethändler hat es bislang als einziger (aus meiner Sicht) geschafft, das gesetzliche Leitbild einer hier gebotenen Gewährleistungsabwicklung nachzuvollziehen. Kaufpreisminderung oder Vertragsrücktritt nach Wahl des Kunden? Mit Amazon kein Problem. Warum zum Teufel schafft das ein US-Konzern, und kein (großer) deutscher Händler? Amazon ist ja nicht einmal spezialisiert auf den Verkauf von PC-Hardware. Klar, könnte man entgegnen, dass Amazon mehr finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Da erlaube ich mir aber, offen die Frage zu stellen, warum andere Händler nicht die finanziellen Mittel haben, um gesetzliche Ansprüche erfüllen zu können?
Aber es gibt Lichtblicke in der deutschen Händlerlandschaft. Namentlich sind das Caseking und Arlt Computer. Beide Händler haben versucht, möglichst schnell und öffentlich ein Statement abzugeben. Aber, aber, aber. Beide kamen nicht umhin sich selbst davor bzw. danach ins eigene Fleisch zu schneiden. Caseking versteckte sich zunächst
hinter fragwürdigen Verweisen auf die deutsche Gesetzgebung.
Dreieinhalb Stunden später kam dann die 180-Grad-Wende. Caseking geht als moralischer Gewinner vom Platz, dem aber nur eine komplette Rückgabe zusagt. Kaufpreisminderungen - nein. Das Gleiche bei Arlt Computer. Nach einer kurzen Überlegungspause kam dann
die erste Fassung eines Blogbeitrags, der dem Kunden eine Rückgabemöglichkeit einräumte.
Ein Tag später folgte eine Überarbeitung des Blogbeitrags. Das Angebot, gegen Zuzahlung eine AMD-Grafikkarte erwerben zu können, wurde gestrichen. Ebenso die deutlicheren Worte in Richtung Nvidia. Aber auch bei Arlt Computer gilt: Nur komplette Rückgaben, keine Kaufpreisminderungen.
Caseking und Arlt werden sicherlich Verwendung für all die Rückläufer finden. B-Ware, Gebrauchtverkauf, Generalüberholung und was es da nicht alles gibt. Aus meiner Sicht haben die Verantwortlichen bei Caseking und Arlt genau den Kompromiss zwischen Image-Pflege, Wirtschaftlichkeit und Zahlungsmittelbestand gefunden. Das spricht in erster Linie für die Kompetenz der Verantwortlichen und führt zwangsläufig dazu, dass auch die Käufer dieser Rückläufer als Gewinner vom Platz gehen könnten.
Die große Masse an Händler vertröstet seine Kunden und wartet auf ein Statement von Nvidia. Abwarten ist nicht immer eine schlechte Idee, zumal sie den Kunden davor schützt im Affekt unüberlegte Entscheidungen zu treffen. Mal ehrlich. Wer vor dem 24. Januar 2015 wirklich unzufrieden mit seiner GTX 970? Ich war's nicht. Wenn man aber andererseits von oben genannten Händlern vorgelebt bekommt, dass es auch anders geht, sieht das nicht mehr so toll aus. Tendenz Verliererseite. Nichts wirklich falsch gemacht, aber eben auch nichts riskiert. Hätte man mal die Stimmung in den einschlägigen Foren besser interpretiert.
Und dann gibt es natürlich die krassen Verlierer, die sämtliche möglichen Gewährleistungsansprüche radikal ablehnen. Hier muss ich beispielhaft das Verhalten eines Händlers herausheben, der eigentlich der erste echte, auf Hardware spezialisierte, Internethändler war und nicht zu der "Niedrigpreis-um-jeden-Preis"-Fraktion gehört. Alternate hatte zunächst abgewartet.
Dann kam plötzlich eine Rund-E-Mail. Ein standardisierter Dreizeiler, der kurz und knackig sämtliche Vorwürfe ablehnt. "Die Grafikkarten mit einem Nvidia Chip Geforce GTX 970 weisen keinen Defekt auf, der einen Sachmangel i.S.d. Gewährleistungsrechtes begründen würde. Das Produkt bringt in der Praxis die Leistung für die vorgesehene Verwendung und weist damit die gewöhnliche Beschaffenheit, die bei Grafikkarten der gleichen Art üblich ist, auf. Nvidia bestätigte darüber hinaus, dass die Geforce GTX 970 derzeit so arbeitet wie vorgesehen. Sollten Sie weitere Fragen zu Ihre Grafikkarte mit einem Nvidia Chip Geforce GTX 970 haben, wenden Sie sich bitte direkt an den jeweiligen Hersteller Ihrer Grafikkarte."
Autsch. Willkommen auf der Verliererseite Alternate. Hätte man eigentlich wissen müssen, dass sich solche Rund-E-Mails in den Foren verbreiten und wie sie dort wirken. Wo wir gerade bei dem Thema Verlierer sind: Nvidia. Mehr gibt es dazu auch nicht mehr zu sagen. Nvidia betreibt mit dem
Geforce-Forum eine eigene Kommunikationsplattform. Mein persönlicher Tipp an die Verantwortlichen bei Nvidia: Mal reinschauen, durchlesen und auf sich wirken lassen.