Freut mich erst einmal, dass wir vieles gar nicht so unterschiedlich sehen.
Ja, mich auch.
Die Frage ist, wen du mit diesen Medien noch erreichst. Radio stirbt als Medium immer mehr. Der Staat hat den ÖRR so unattraktiv gemacht, dass dessen Einschaltquoten auch nicht mehr die besten sein dürften. Zudem ist der ÖRR immer noch nicht wirklich im 21. Jahrhundert angekommen. Ich hätte viel lieber mehr gut gemachte Reportagen, Dokumentationen pp. anstelle von dem Bullsh*t, der auf ARD/ZDF kommt. Außer Phönix kann man die anderen Sender allesamt nur eingeschränkt gebrauchen.
Was mich am ARD/ZDF am meisten stört, ist zudem, dass "sinnvolle" Sendungen wie Polit-Talk immer erst zu Zeiten kommt, in denen sich das kein vernünftiger Mensch mehr ansehen kann. Dazu ist Polit-Talk mittlerweile so weichgespült, dass er oft Wahlwerbung gleichkommt. Positiv ist ja zumindest, dass der ÖRR jetzt scheinbar versucht, brauchbare yt-Kanäle für Funk einzukaufen. Allerdings sollte man auch den privaten Sektor nicht außen vor lassen. Medien sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und das scheint mir bei den Privaten nicht der Fall zu sein.
An der Stelle habe ich ein grundsätzlich anderes Erleben. Ich sehe Phoenix, ZDF Info, gerne auch mal Arte. Im Radio höre ich abends, wenn ich in der Küche stehe, NDR Info. Die Inhalte aller dieser Sender sind informativ, abwechslungsreich und besonders die Podcasts des NDR teilweise echt gut. Nur, weil du im Ersten oder dem ZDF weniger Infotainment bekommst, so gibt es das Angebot aber. Man muss es lediglich nutzen wollen!
Demokratie heißt eben auch, die Wahl zu haben, nicht zu wählen. Die niedrigen Wahlbeteiligungen sind m.E. ein deutlicher Ausdruck dafür, dass unsere Parteienlandschaft keinen guten demokratischen Job macht. Ich würde es ehrlicherweise gut finden, wenn das wahlrechtlich abgebildet werden würde - das Parlament ist bei uns ohnehin zu groß.
Ein Drittel geht aus Faulheit nicht wählen, also wird das Parlament um 1/3 kleiner? Komische Idee.
Ich tue mich echt schwer, das einfach so stehen zu lassen. Das ist ein bisschen wie die Diskussion mit der Henne und dem Ei. Können wir wirklich erwarten, dass der Wähler intelligenter ist als der Gewählte? Ich persönlich finde ja, dass wir auch außerhalb der klassischen Bildungswege deutlich mehr für Bildung machen müssen, aber das ist im Zweifel auch nicht im Sinne der Regierenden.
Du machst hier zwei Dinge. Einerseits entschuldigst du das Unwissen des Wählers, um dann zu sagen, dass die Politiker das eigentlich auch so haben wollen. Ich halte beides für falsch. Demokratie ist keine alleinige Bringschuld der Politiker. Demokratie ist, dass man sich mit der politischen Themen abseits von Twitter, Facebook oder Telegram und TikTok beschäftigt. Alle vier genannten Plattformen hat man vor 20 Jahren übrigens Bild genannt.
Sollte das wirklich das Problem sein? Das ist doch nur ein Ausdruck dafür, dass die Legislative ihre legislative Gewalt nicht nutzt, also keinen Willen zur Veränderung hat. ...und ja, ich stimme dir völlig zu. Das Geflecht hat Gesetzen und Verwaltungsverordnungen ist nicht hinnehmbar und lähmt das Land. Ich kenne aus meinem persönlichen Umfeld bspw. auch Ukrainer, die arbeiten wollen, aber nicht dürfen, weil die Verwaltungswege viel zu lang und kompliziert sind.
Diese Komplexität ist aber bereits eine Folge der Anpassung an die "Ausländer raus!"-Fraktion in unserem Land.
Allerdings kann man den Fachkräftemangel auch nicht durch massenweise Migration lösen. Irgendwann funktioniert das einfach nicht mehr, weil die Bevölkerung "zu Hause" das nicht mehr mitträgt. Menschen sind nun einmal tribalistisch - auch ganz ohne rechtsradikal zu sein.
Xenophobie ist eine Sache, die man Menschen antrainiert. Kleine Kinder sind das nicht. Es ist antrainiertes, rechtsradikales Verhalten.
Von daher muss man zwingend mehr dafür tun, dass es wieder attraktiv wird, Familien zu gründen. Dazu muss man das Bildungssystem stärken. Der Wille dazu ist aber nicht da.
Als wenn es am schlechten Bildungssystem liegt, dass die Geburtenraten nicht um oder über 2 Kinder pro Frau liegen. Es ist sogar eher umgekehrt. Gut gebildete Frauen haben im Schnitt weniger und erst später Kinder als Frauen mit schlechterer Bildung. Es geht sogar so weit, dass es weltweite Studien darüber gibt, dass mit dem Alphabetisierungsgrad von Frauen die Geburtenraten sinken.
Ich denke, du meinst eher etwas, wo die Bildungseinrichtungen auf hohem Niveau die Bildung vorzugsweise über den ganzen Tag erbringen, während sich die Eltern um den Job kümmern können?
Ich will gar nicht bestreiten, dass die Mitarbeiter in den Verwaltungen keine Lust auf Digitalisierung haben, aber: Es liegt doch auch an der Politik, die sich nicht für bspw. netzpolitische Themen interessiert und diese daher auch nicht forciert. Was will man auch von Leuten erwarten, die keinen Plan von der Thematik haben und für die das Internet immer noch Neuland ist? Das trägt halt auch zur Politikverdrossenheit der jüngeren Generationen bei. Warum soll ich mich bspw. für die alten Säcke in den etablierten Parteien erinnern, wenn die anstatt zielgerichteter Politik nur Klientelpolitik machen? Das beste Beispiel hierfür dürfte im digitalen Bereich (damals noch) Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform sein. Dass das mittlerweile völlig antiquierte Urheberrecht einer der größten Innovationsbremsen ist, dürfte bekannt sein.
Netzpolitik ist bei Digitalisierung sowas von uninteressant.
Digitalisierung ist z.B., wenn man heute sein Auto anmelden will, dass man das alles Online hinbekommen sollte und nur noch für die Unterlagen zur Behörde rennt. Vorzugsweise auch das nicht mehr, sondern man z.B. eine Zulassung in Form eines Datensatzes auf dem Smartphone bekommen kann. So etwas ist allerdings nur Digitalisierung für Bürger, die das auch machen wollen.
Da draußen hast du aber mind. 20 Mio Leute, die das nicht wirklich machen wollen. Die sind von dem bisschen, was heute nur noch online geht, z.T. sowas von fucked und angenervt. Siehe Banking. Für mich voll easy. Für dich und die meisten hier bestimmt auch. Aber dann kommt man zum Ehepaar mit Mitte 80, deren letzte Bankfiliale (Commerzbank) in der Innenstadt einer 270.000 Einwohner umfassenden Landeshauptstadt zu finden ist. Die haben kein Auto mehr, müssen Taxi oder Bus nehmen. Für die ist Onlinebanking eine Strafe. Sicher, das relativiert sich in den kommenden 20 Jahren alles, aber bis dahin ist Digitalisierung etwas für Firmen und den Behörden, mit denen diese etwas zu tun haben.
Du findest übrigens in der Verwaltung ähnliche Verhaltensmuster, wenn es darum geht, Prozesse zu digitalisieren. Dazu gesellen sich noch Gesetze, die bei bestimmten Verfahren eine handschriftliche Unterschrift verlangen. Da reden wir nicht von ein oder zwei Prozessen sondern bundesweit von hunderten, die nicht einfach mal digitalisiert werden können, weil Gesetze dafür erst geändert werden müssen.
Wie gesagt: Tribalismus ist nicht gleich Rechtsradikalität. Tribalismus ist auch nicht zwingend etwas schlechtes, sondern ein ureigener Überlebensinstinkt. Man kann diese ganz bestimmte Ausprägung kritisieren. Allerdings muss man auch sehen, dass gerade die sozialschwachen Milieus affin für Rechtsradikalität sind, eben weil der Kampf um Ressourcen dort deutlich stärker ist als in den sozialstarken Milieus. Das ist zwar keine Entschuldigung für Rechtsradikalität, aber es wird sich auch nichts ändern (eher im Gegenteil), wenn man das immer weiter ausschreitende Armutsproblem in diesen sozialen Schichten nicht löst.
Ja. Scheiß Bazis und diese komischen Sachsen, die nicht mal richtig Deutsch können, sollten allesamt ausgebürgert werden. Währenddessen tanze ich mit meinen Kollegen aus der Gegend nackt um den Runenstein und schnack ein bisschen mit Odin. Ab nicht mit denen aus Neumünster. Die sind mir suspekt! Oder die Bauern mit PLÖ und RD bzw ECK als Kennzeichen. Und die ProvinzIdioten erst.
@Threshold Was ist euer Kennzeichen noch gleich? Die Leute gehen jedenfalls zu 100% auch nicht.

So viel zu Tribalism.
Schröder hat ganz dreist und offensichtlich Klientelpolitik gemacht und damit die Stammwählerschaft der SPD verraten. Von dem Imageverlust hat sich die SPD m.E. immer noch nicht erholt. Aus aus dem Grund finde ich es auch tragisch, dass wir mit Scholz einen Cum-Ex-Kanzler bekommen haben, der das Image der SPD von vornherein nicht verbessern kann. Dabei finde ich Wirtschaftsnähe nicht einmal negativ - eine starke Wirtschaft ist notwendig, denn irgendwo muss das Geld ja herkommen -, allerdings sollten die, die von dieser Politik profitieren, dann auch ihren Anteil leisten - bspw. in Form von Vermögenssteuern.
Sag' ich doch! Schröder war wie Schmidt zwar nicht unmittelbar einer aus dem Seeheimer Kreis, aber die Leute haben deren Politik mitgemacht. Das sind halt konservative, wirtschafts-, wie dem Bürgertum nahe Sozis gewesen. Nicht umsonst sagte man Schmidt nach, dass er gut aber in der falschen Partei war.
@Poulton hat ja schon aufgelistet, was die CDU unter Kohl alles verbrochen hat, worunter heute der Staat auf der Einnahmenseite zu leiden hat. Schröder hat das mit der Reform der Körperschaftssteuer noch weiter auf die Spitze getrieben. Seit über 40 Jahren wird die Einnahmenseite des Staates verringert, die Ausgabenseite seit Schröder auch. In der Summe ist kein Geld da, um wieder was zu in Bildung oder der Integration von Migranten reißen, und den Armen in der Gesellschaft kann man deswegen auch keine Wohltaten wie z.B. billigeres Wohnen durch sozialen Wohnungsbau zukommen lassen.
Die Steuern müssen wieder angehoben werden. Moderat. So, dass der Staat wieder handlungsfähig wird. Das geht nicht sofort, aber wir brauchen jetzt (!) viel Geld für viele wichtige und nicht mehr aufschiebbare Dinge. Ein Schritt wäre es die Schuldenbremse deutlich zu lockern. Das war ein Meisterstück deutscher Konservativer, aber in meinen Augen würgt dieses Halsband den Staat systematisch ab.
Ich rede nicht davon, dass man jetzt eine Staatsverschuldung von 120% des BIP hinlegen muss, aber gottverdammt, wir brauchen jetzt gerade Unmengen an Geld, und die Schuldenbremse verhindert wirklich sinnvolle Maßnahmen!
Boomer haben Poltik gewählt, die Boomer begünstigt. Who would have thought? Was wir heute sehen, ist leider immer noch die Auswirkung davon. Jüngere Gesellschaftsschichten haben halt auch nicht die Macht, weil zahlenmäßig deutlich unterlegen, etwas ändern zu können. Das ist leider die Schattenseite der Demokratie. Generationengerechtigkeit, die m.E. nicht mehr besteht, ist allerdings wieder ein ganz anderes, komplexes Thema.
Politiker sind definitionsgemäß Opportunisten. Das kann man denen nicht vorwerfen. Und aktuell sieht man doch bei den Grünen, dass ein sinnvolles Ziel nur dann auch opportun ist, wenn es einen selber bei der Umsetzung auf dem Weg dorthin nicht betrifft. Klassisches Wählerverhalten. Welchem Politiker will man es verdenken lieber die weiter wie bisher Tour zu fahren, wenn man für progressive Herangehensweise bei der nächsten Wahl den Stinkefinger gezeigt bekommt?
Das ist es übrigens, was ich meine, wenn ich von dummen Wählern rede. Wenn die obendrein nicht nur den Stinkefinger zeigen, sondern den dann auch noch willentlich in einen braunen Haufen stecken, dann hakt es in meinem Verstand komplett aus.
Klimaverpester!

Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen.
Sogar mit 74kW. Geht gut ab.
