Wie du weiter unten in deinem Text schon beschrieben hast ist die Technik nicht das Hauptproblem sondern die Politik und Bürokratie.
(Zitat aus Platzgründen nach Satz 1 gekürzt)
Das du eine konkrete Idee hast, wie es funktionieren könnte, war mir auch direkt klar. Deine Thesen sind stringent und zeigen eine fundierte Basis. Mein Post richtet sich explizit an die Fraktion, die hier permanent alles schlecht redet und dabei so überhaupt kein brauchbares Lösungskonzept im Angebot hat.
Nehmen wir mal die Fraktion "Wasserstoff soll es richten". Das kann man natürlich sagen und wollen. Ich fände das auch schön. Aber da sind so unfassbar viele Baustellen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll:
1) wir haben aktuell keinen Strom übrig: Bisher, weil wir keine Trassen hatten, um den tollen Offshore-Windstrom zu nutzen. Und sobald die Trassen stehen, geht der Strom praktisch ohne Umwege zu den Chemiewerken am Rhein. BASF in Ludwigshafen und Covestro in Krefeld und Dormagen haben sich schon große Windstromkontingente von bestehenden Windparks gesichert. Und die Konkurrenz scharrt mit den Hufen es ihnen gleich zu tun. Die Industrie will so schnell wie möglich auf Strom umstellen, weil sie das CO2 nicht bezahlen wollen.
2) es gibt keine großtechnisch verfügbaren Elektrolysezellen mit ausreichendem Wirkungsgrad. Es wird (z. B. im Forschungszentrum Jülich) an SOCs geforscht. Also keramischen, nicht auf Platin basierenden Elektrolysezellen. Die Technik selbst ist inzwischen wahrscheinlich sogar marktreif. Aber da man mit so etwas bisher kein Geld verdienen konnte, gibt es noch keinen Markt. Es müssen sich erst mehr und vor allem größere Player mit dieser Technik am Markt etablieren. Das dauert leider.
3) bei der Umkehrung, der Brennstoffzelle, ist es ganz ähnlich. Hier gibt es mehr Firmen. Leider sind im letzten Jahrzehnt auch viele direkt wieder Pleite gegangen. Was man heute schon bekommt sind Festoxidbrennstoffzellen für einzelne Gebäude. Was wir jetzt bräuchten wären SOFC-Mini-Kraftwerke, welche direkt mehrere Gebäude oder gar ganze Stadtviertel mit Strom UND Wärme versorgen können (ein großer Vorteil der SOFC). Auch hier wird seit zig Jahren geforscht, die Technik ist schon extrem weit, aber es gibt nichts am Markt. Und die Niedertemperaturbrennstoffzellen sind für den stationären Betrieb im großtechnischen Stil eher mittelgut. Mal davon abgesehen, dass die Niedertemperaturzelle eine sehr hohe Gasreinheit braucht.
4) wo soll eigentlich das Wasser für die Elektrolyse herkommen? Ich dachte früher immer, dass man doch einfach Meerwasser nehmen könnte. Davon haben wir ja mehr als genug. Leider falsch gedacht: Wegen dem hohen Salzgehalt lässt es sich nicht auf herkömmlichen Wege spalten. Und vorher mittels Umkehrosmose den Salzgehalt verringern ist, wer hätte es gedacht, leider unfassbar aufwendig, teuer und stromintensiv. Ergo: Man müsste Süßwasser verwenden, welche bekanntermaßen auch immer knapper wird.
5) Wirkungsgrad: Stark verkürzt: Im Vergleich mit der Speicherung des Stroms und der direkten Nutzung nur noch sehr niedrig.
Und, und, und. Die Brennstoffzelle hat zig super Einsatzmöglichkeiten. Aber nicht zur Lösung unserer aktuellen Energieprobleme. Und völlig ungeachtet dessen, wie sich die Thematik weiterentwickelt: Es wäre in meinen Augen schon sehr viel geholfen, wenn nicht immer von einer lauten Minderheit der Eindruck erweckt werden würde, irgendjemand wolle ihnen etwas wegnehmen. Es ist an der Zeit zu verstehen, dass das, was die Menschheit früher gemacht hat, so nicht weitergehen kann. Dazu kann auch gehören, mit einer Tankfüllung quer durch Deutschland fahren zu können. Vielleicht wird man sich damit abfinden müssen, dass man für 1000 km Distanz in Zukunft dreimal zum Laden Pause machen muss. Geht davon die Welt unter? Es könnte schlimmer kommen.