AW: Die gegenwärtige Flüchtlings- und Asylproblematik
Auch wenn ich mit Dir in diesem Thread häufig einer Meinung bin,aber Zeitarbeitsfirmen finde ich ganz übel....
Wir sind auch diesmal dicht beisammen, du musst nur genau lesen, was ich geschrieben habe. Ich habe es bewusst auf höhere Qualifikationen gemünzt. Was am unteren Gehaltsende passiert, ist eine Ungerechtigkeit sondergleichen, bezogen auf die Angestellten. Für Firmen sind allerdings der extrem schwankende Markt und die minimalen Margen ein Problem. Es hilft niemandem etwas, wenn eine Firma beste Sozialleistungen bieten und dann Pleite geht. Es ist zweischneidig. Trotzdem erhöht das System Ungleichheit und produziert Unfrieden. Das rächt sich auf Dauer.
Höher Qualifizierte sollten es als Chance sehen. Ich habe das Spielchen einmal für sechs Jahre mit gemacht und mir über je zwei Jahre drei Firmen angeschaut. Was nützt Dir die beste Firma, mit bestem Betriebsklima und angenehmer Arbeit, wenn sie quasi pleite ist? Das weiss man aber erst, wenn man quasi intern dazu gehört. Hätte man einen Arbeitsvertrag unterschrieben, sieht es gar nicht gut aus, sich nach kurzer Zeit wieder wo anders zu bewerben. Die zweite Firma wäre ideal gewesen und bot mir mehrere Stellen zur Auswahl an, wurde aber parallel von einer typischen amerikanischen Krake aufgekauft. Da habe ich Prinzipien. Also wieder Glück gehabt. Der Lebenslauf bleibt fehlerfrei. Die dritte Firma war nicht ideal, aber zumindest stabil und gut aufgestellt.
Viele vergessen, dass es für Firmen teurer ist, Leiharbeiter einzustellen, als feste Mitarbeiter. Es geht um den Stundensatz, den die Leiharbeitsfirma bekommt. Den kennen die meisten Angestellten nicht. Einfach mal bei der Firma, in der man eingesetzt ist, nachfragen. Auch die wissen gerne, was man bekommt, um die Seriösität des Dienstleisters zu beurteilen. Im unteren Bereich gibt es z.T. 100% Aufschlag, im oberen Bereich oft nur 20%.
Wo kommen jetzt die Flüchtlinge ins Spiel. Wir stehen im mörderischen internationalen Vergleich und jeder Cent wird bewertet. Auslagerungen sind gang und gäbe und Bezeichnungen wie Best Cost Country sind nichts anderes als ein Maß für optimale Ausbeutung. Ein zweiter Billig-Arbeitsmarkt kann aber hier und da weitere Auslagerung verhindern. Es mag zynisch klingen, aber die auf diesem zweiten Arbeitsmarkt Ausgebeuteten bekommen hier immer noch mehr, als sie z.B. in der Ukraine im neu zu errichtenden Werk an Reallohn bekommen würden. Bei uns bleiben dann Produktionen erhalten, die es der Entwicklung erheblich einfacher machen, als ständig in die zweite Welt zur Inspektion zu fliegen.
Problem an der Sache ist nur, dass Deutschland eine der letzten Volkswirtschaften ist, in der es noch so gerade funktioniert. Alle anderen zerbrechen vermutlich. Die Zinsen sind überall fast auf Null, der Spielraum des Kapitalismus ist ebenso bei null und das nächste kleine Husten lässt das Kartenhaus zusammenfallen. China mag zwar noch gutes Wachstum auf dem Papier haben, Umweltzerstörung, Infrastrukturmängeln und ineffiziente Verwaltung bremsen aber so extrem, dass sich auch hier, zusammen mit dem möglichen Platzen der einen oder anderen Blase, eine klare Wende erkennen lässt. Japan ist tot, völlig überaltert, überschuldet und rohstofffrei. Mit Abschaltung der Kernkraftwerke war das Kapitel Japan erledigt. Das siecht jetzt vor sich hin, die Konkurrenz China, Korea, Taiwan, Vietnam vor der Tür. Dazu drohen militärische Konflikte, China sucht den Konflikt. Die USA sind ebenso völlig an Boden, der Dollar eigentlich nur noch ein Stück Papier ohne realen Gegenwert. England ist ohne Industie, Frankreich macht alles falsch und Russland wird gerade von allen Seiten kaputt gespielt. Die Bric-Staaten schwächeln auch auf ganzer Line.
Wir haben mit den Flüchtlingen jetzt ein paar Möglichkeiten. Wir machen die Grenzen dicht und haben nur noch Konfliktstaaten um uns herum. Weissrussland hat gar nichts, die Ukraine ist Kriegsgebiet, die Türkei zerreibt sich wie immer in der Geschichte, weil sie sich alle Nachbarn zum Feind macht, der Nahe Osten ist völlig verfallen, auf Ägypten setze ich noch, aber das steht auf Messers Schneide, Libyen ist bekannt verfallen, Tunesien ist noch ein Lichtblick, aber mit hohem IS-Risiko, Algerien und Marokko einfach nur unbedeutend. Um die gesamte EU ist ein Konfliktgürtel und innerhalb der EU zerfällt auch viel, Griechenland, Portugal, Italien.
Wenn wir es aber schaffen, den Absatzmarkt nicht in fremden Ländern zu suchen, weil es gibt kaum noch neue Märkte, sondern einfach die Einwohnerzahl der EU erhöhen, und selbst 5 Millionen Flüchtlinge wären nur 1% unserer Bevölkerung, dann kann das eine Option sein, um wieder für ein paar Jahre Stabilität zu bekommen. Die EU kann daran wachsen, stärker werden, wieder Industrie aufbauen und unabhängiger werden. Und parallel langsam die Konflikte in den Nachbarstaaten lösen. Als Vision sehe ich eine EU, die Nordafrika und den nahen Osten mit integriert, z.B. im Gebiet des alten römischen Reiches. Die Kultur ist da und wir müssen positiv und integrativ vorleben.
Das kann fürchterlich nach hinten los gehen, und wir können uns die gesamten Konflikte der Nachbarstaaten ins Land holen und wir können den Zerfall der EU beschleunigen. Aber ich hoffe und denke, wenn wir die nächsten zwanzig Jahre stabil bleiben, dass diese Zeit ausreichen kann, um die Nachbarn zu befrieden und dann mit den bis dahin gut gebildeten Flüchtlingen, die zurück gehen und die alte Heimat aufbauen und demokratisieren, eine neue Ära einleiten. Dann auf Basis regenerativer Energien, die uns das erste Mal in der Geschichte vom Kapitalismus entkoppeln können, weil jeder mit eigener Energie und 3D-Drucker alles im Überfluss hat und wir beginnen können, eine Gesellschaft auf Kooperation und aufbauendem Wissen, denn auf materiellem Gewinn zu errichten. In zwanzig Jahren ist die Technik so weit, mit Computern, der Leistungsfähigkeit eines Hundegehirns.
Die Zeitarbeit, um den Bogen nach einem kleinen fiktivem Rundumschlag zurück zu finden, ist genau das Instrument, um die Flüchtlinge hier und heute in den Arbeitsmarkt zu bringen. Keine Firma würde Flüchtlinge in nennenswerter Zahl einstellen. Die picken sich ein paar Rosinen raus.Genau das ist der erste Schritt zur Stabilisierung. Arbeit für die Flüchtlinge und nicht Ausgrenzung, Asylverfahren und Abschiebung. Problematisch ist dabei nur, den richtigen Kompromiss an Zustrom zu finden. Ich halte Europaweit irgendwas um 500.000 Flüchtlinge pro Jahr als Einwanderer für sinnvoll.