Last Train Home. Ich habs geschafft, nach 24 Ingame-Tagen und über 32 Spielstunden die Jungs und Mädels zum Schiff zu bringen. Es ist lange her, dass mich ein Spiel so gefesselt hat. Die Progression ist eindrücklich: Anfänglich angelt man gemütlich am See, geht jagen, besucht hier und da mal einen Händler, pflückt Kräuter und überlegt sich, ob man im nächsten Wald etwas Holz hacken geht. Und einen Augenblick später sind es -20° C, Ärzte kippen vor Erschöpfung um, weil jede Nacht und jeden Tag verletzte Soldaten versorgt werden müssen, ein Koch versucht verzweifelt, in der Kälte Suppe zu kochen und mein Panzerzug rammt durch Blockaden, die mit Sprengfallen versehen sind.
Die Echtzeit-Kämpfe auf den Karten sind abwechslungsreich und fast immer spannend: Mal schleicht man, dann verteidigt man Punkte, dann gibt es Konvois oder die klassischen Nehme-Ein-Missionen. Ich muss zu jeder Zeit entscheiden, welche Rolle meine Soldaten einnehmen. Jemand muss den Zug fahren, jemand muss Kohle schippen, ich brauche einen Koch, der für mehr Nahrung sorgt, aber auch Soldaten, die ausgeruht sind, um in den Kampf zu ziehen. Mache ich Fehler, können diese das Leben der Soldaten kosten. Sind sie einmal tot, dann auch für immer verloren. Ich hab so manche harte Entscheidung treffen müssen und habe viele gute Männer und Frauen verloren.
Jaja Dave, wenn man natürlich reihenweise seine Soldaten in russischer Manier als Kanonenfutter verheizt braucht man sich auch nicht wundern wenn die Ärzte überarbeitet sind, es einem an Heizern mangelt und die Soldaten dauernd erschöpft in die Kampfmissionen müssen. Bei mir haben es alle überlebt, dank "safety first".

Spaß mal beiseite, das Spiel ist ohne Frage sehr gut und hat mir wirklich Spaß gemacht, aber die von dir beschriebenen "harten Entscheidungen" hat es mir eigentlich zu keiner Zeit abverlangt und ich hatte es auf dem höchsten möglichen, fest vordefinierten, Schwierigkeitsgrad (auf Kommandant) gespielt.
Es krankt da etwas an den Problemen was alle Spiele dieser Art sehr oft haben, am Anfang sind die Ressourcen noch relativ knapp, später, wenn du gründlich lootest und alle Mission mitnimmst, ertrinkst du in ihnen und hast eigentlich keine Probleme.
Nur mal so am Rande, das waren meine Ressourcen kurz vor der Endmission, in Wladiwostok, damit hätte ich ohne irgendwas einsammeln zu müssen noch deutlich über 9 Tage weiterfahren können, ohne das mir Nahrung und Kohle ausgegangen wären:
Entsprechend hab ich ab Kapitel 7 auch kaum noch rechts und links angehalten und abseits der Gleise geplündert, nur Waffenhändler und Kräuterhändler hab ich immer mitgenommen, weil die Händler dort der einzige Weg sind an ausreichend Schießpulver und Kräuter zu gelangen. Aber ansonsten, war alles uninteressant. Nicht mal die Nahrung musste ich im gesamten Durchlauf auch nur einmal rationieren (immer volle Rationen ausgegeben), oder den Zug und Waggons reparieren (man hat eigentlich immer die 2h um Hindernisse auf den Gleisen zu beseitigen und muss sie entsprechend auch nicht rammen, außerdem gibt das auch Holz).
Auch die Echtzeitgefechte haben leider ein starkes Problem mit der Balance.
Wenn du mal durchschaut hast das Späher auf Level 3 in "Last Train Home" total broken sind (der passive Tarnungsskill + Kritischer Schuss + dieser Skill einen Bereich aufzuklären), sind die Missionen eigentlich nahezu alle sehr einfach und steht der Rest der Truppe nur noch 90% der Zeit am Kartenrand rum, während 2-4 Späher die Mission im Alleingang, im stealth, erledigen und brauchst du den Rest des Teams eigentlich nur noch dann wenn mal ein Panzer zerstört werden muss (das einzige was Späher gar nicht können), oder du 2 MG-Schützen brauchst, um irgend eine Position gegen eine große Anzahl angreifender Gegner zu halten.
Wie schon geschrieben, das schmälert nicht das dieses Spiel trotzdem sehr großartig ist, eine tolle und unverbrauchte Geschichte erzählt und seine Spielmeachniken gut und unterhaltsam miteinander kombiniert, aber es führt leider dazu das dieser Survival Aspekt, dieses "ich muss auch mal harte Entscheidungen treffen", spätestens ab Kapitelt 4 bis 5, von insgesamt 9 Kapiteln, zunehmend komplett irrelevant wird.
Trotzdem freut es mich natürlich das dir das Spiel auch so gut gefallen hat wie mir und soll das gar nicht deine gemachte Erfahrung mit dem Spiel schmälern.
