Von "nur" war nicht die Rede. Sondern davon, dass silogestütze Waffen auch einen eigenen Wert haben und der insbesondere unter russischen Bedingungen nicht unter dem von seegestützen liegt.
Natürlich haben die einen eigenen Wert.
Die Ausgangslage war ja: Jubel, Satan II ist in Silos und unzerstörbar und superschnell udn so weit ich verstanden hatte, allen anderen stationierungsarten üpberlegen.
Und ich behaupte, nein, eine Diversifikation auf unterschiedlichen Trägersystemen erhöht sowohl Erst- wie Zweitschlagfähigkeit. Die alleinige Konzentration auf 50 Raketen in 50 Silos ist eine antiquierte Denkesweise aus dem Kalten Krieg.
Also zumindest Russland und die USA würden dir da vehement wiedersprechen, denn die Dinger dienen offiziell als Gegen- und Zweitschlagswaffen. Und das ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass natürlich keine dieser überaus friedliebenden Nationen jemals auch nur eine einzige Erstschlagswaffe bauen würde, sondern auch in gewissem Maße glaubwürdig: Explizite Erstschlagswaffen brauchen keine Silos, weil nie ein gegnerischer Gefechtskopf in ihre Nähe kommt. (GANZ unglückliche Verkehrsplanung über Spitzbergen mal ausgenommen

)
Die Gegenargumentation wäre, die Erstschlagswaffe muss so gut geschützt werden, dass diese einen Erstschlag des Gegner widerstehen kann.
Ich kenne niemanden, der so etwas unabhängig überprüfen könnte. Selbst bei den verdammt wenigen Tests, die es gibt, weiß außer dem Tester niemand, was eigentlich das Ziel war.
Nun ja, die Angaben über die russische Treffsicherheit kann ich nur den zugänglichen Infos entnehmen. die sind ausnahmsweise sowohl im angelsächsichen wie auch dem deutschsprachigen Wickipedia deckungsgleich.
Über die wenigen Raketentests der USA irgendwo überm Pazifik gibt es übereinstimmende Berichte über die Trefferqualität des Wiedereintrittskörpers und natürlich ist seit den letzten Tests viel Zeit vergangen .
Aber die zivile russsische Raumfahrt war schon vor 40 Jahren präziser und wenn man mit deren Technik die Waffenwirksamkeit um Faktor 10 oder mehr steigern könnte, würde ich erwarten, dass man sie einsetzt.
Hmmm... hättest du jetzt geschrieben: robuster, wäre da ohne Widerspruch.
Ich kann mich spontan aber nicht erinnern, dass die Russen jemals halbwegs erfolgreich irgendwo im geplanten Landungsbereich mal eine Sonde über Mond oder Mars erfolgreich abgesetzt hätten.
Wenn z. B. CrewDragon wieder landet, dann spielt sich die Wasserung in einem 10 sm Radius ab, während die russischen Sojus kontinuierlich einen fast 200km Radius ausschöpfen.
Die Amis haben mit dem ehrwürdigen SpaceShuttle technisch gezeigt, dass sie planmäßige Landungen auf Flugplätzen mit aus dem Weltraum kommenden Raumschiffen praktizieren können.
Die Buran ist ein einziges Mal in echt ohne Crew gestartet und auch wieder gelandet, aber nicht dort, wo zuerst verlautbart.
Also das mit präziser möchte ich an der Stelle auf strittig stellen.
Der Schoßhund der US-Raumfahrt hat bekanntermaßen Technik mit 5 m Genauigkeit im Regal. (Auch wenn die bei den alten Minuteman natürlich noch nicht im Spiel sein kann.)
Mit den 5m wollte ich nicht um die Ecke kommen.
Die Angabe kenne ich, aber 5 m Trefferradius nach 12.000 km Flug, gleitendem Wiedereintritt, nur sehr bedingt steuerbar, Wind- und Wettereinflüssen blabliblö erachte ich als zumindest als sehr optimistisch an.
Sie hätte nach Beginn eines US-Erstschlags aber nur 2 Minuten, im Ernstfall vermutlich sogar deutlich unter einer Minute, um einen russischen Gegenschlag zu stoppen, ehe der weit über die Athmophäre hinaus ist. Das schaffen die nuklearen ICBMs rein von Fluggeschwindigkeit und Entfernung her nicht. Oder stationiert die US Navy in kaspischen Meer und Aralsee

?
Ich habe keine Ahnung, wie lange der Russe von Abschussbefehl bis zum Verlassen der Rakete des Silos braucht.
Als ich da die US-Anlage besuchen durfte, wurde was von 10 min. gesagt.
Mit was für Startzeiten gehst du bitteschön für silogestützte Raketen aus und was sind deine Quellen dafür? Ich habe noch nie eine Schilderung gesehen, die von "höchster Alarmstufe" bis "ist abgehoben" mehr als ein paar dutzend Sekunden vorgesehen hat und allein die Sensorik für Aktionen am Silo selbst hat wegen den Abständen Satellitenüberflüge eine Latenz von einigen bis mehreren Dutzend Minuten. Gegebenenfalls sogar Stunden, je nachdem woran du eine "Aktivierung" erkennen willst.
s. o.
Literaturangaben gibt es ja praktisch keine.
Bei "Hyperschallwaffen" geht es normalerweise um manövrierfähige Gefechtsköpfe.
Nein, die Gefechtsköpfe bei USA wie Russland sind allesamt manövrierfähig.
Die westlichen Modelle (USA,GB, FRA) haben alle eine ähnliche Steuerungsart über internes stellar-inertiales Trägheitsnavigationssystem, dass mit GPS updates zusätzlich gefüttert werden kann (sofern GPS Daten zu Verfügung stehen). Das funktioniert bei den Russen ähnlich nur mit Anbindung an Glonass statt GPS.
Topol-M und ggf. auch Sarmat kommen zwar ebenfalls zum Ende der Boost-Phase knapp auf vergleichbare Geschwindigkeiten, aber da spricht eigentlich niemand von "Hyperschall" (weil es nicht mehr in der Athmosphäre ist) und auch nicht von "Waffe" (weil man rein Massemmäßig vor allem ein Trägervehikel betrachtet).
Das ist der Punkt.
Im Prinzip sind alle ballistischen Systeme Hyperschallwaffen bis zum Wiedereintritt der MIRVs.
Der Unterschied ist, dass Satan II drei Stufen hat und somit scheinbar nur wenige Sekunden nach dem Start schon Im Überschall sind und ab ca. 10 km Höhe im Hyperschall (>5 - 6.000 km/h).
Sinn und Zweck ist eindeutig.
Die Raketen sollen sich so kurz wie möglich in der empfindlichsten Phase des Fluges befinden, nämlich beim Startvorgang.
Der bekannte Grund ist, dass die USA im Kriegsfall eben nicht nur Direkttreffer vorsehen, sondern dass einer der MIRVs in 5-10 km Höhe über dem Silo explodiert.
Die Idee ist, das die Druckwelle die oberste Siloluke (zer-)stört (der Abschuss verhindert wird) und schon im Startflug befindliche Raketen durch Druck , Hitze, EMP weisderteufelwas vernichtet werden.
Genau das meine Putin in seiner Propagandarede, als er von nicht mehr abfangbar redete.
(Weiterer Aspekt, den ich gerade für möglich halte, aber nicht verifizieren kann: Dicke Bewölkrung sollte eine präzise Ortung allgemein erschweren.
Na ja, die Aufklärungsdinger heutzutage arbeiten im kompletten Wellenspektrum.
Wolken dürften diesen Teilen recht egal sein.
Wenn die Rakete also schnell genug beschleunigt, um noch unter der Stratosphäre den Brennschluss zu erreichen, wäre ihre Flugbahn ohne verdammt aufwendige optische oder extrem leistungsfähige, auffällige, teure, kurzlebige Radarsysteme überhaupt nicht mehr exakt bestimmbar. Ich weiß aber nicht, ob die Topol M nur zeitlich früh ausbrennt, weil sie ersten paar Kilometer so schnell zurücklegt, oder auch räumlich tief, weil sie eine viel kürzere BoostSTRECKE braucht.)
Die Topol M wie auch Satan II hat schlichtweg eine vergrößerte erste Stufe (beide ja dreistufig, mit dem post-boost Eintrittskörper sogar 4-stufig), die natürlich dann schneller durch die untere Atmosphäre beschleunigt und auch früher ausbrennt, wie die z. B. zweistufigen US Trident Raketen (mit post-boost 3stufig).
Bei Brennschluss der zweiten US Stufe ist die Trident ca. 21.000 km/h schnell und die Topol/Satan praktisch identisch schnell. Auch logisch, ab ca. 26-28.000 km/h brauchts wieder Bremsraketen um zurück zu kommen.
Hast du da eine Quelle über den detaillierten Aufbau? Ich kenne noch keine, wäre aber bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgegangen, dass sie ähnlich wie es die Topol-M (bzw. deren MIRV-Ableger) tut, eine sehr frühe Trennung des Busses kurz nach Ende der Boostphase beherrscht. (Was das für Konsequenzen bei der Zielgenauigkeit hat, steht auf einem anderen Blatt)
Und Avangard ist sowieso eigenständig.
Nein, der Grundaufbau 3/4-stufig ist aber ein generelles technisches Merkmal russischer Raketen, auch die starke erste Stufe. Insofern nehme ich an, dass es sich schlichtweg um eine stark vergrößerte Version der Topol M handelt.
Der prinzipielle Vorteil von Feststoffraketen ist ja, dass man schlichtweg den Durchmesser bei gleichem Brennstoff vergrößert, um mehr Schub zu bekommen. Der Abbrand erfolgt in der Regel in einem konischen Hohlraum über die komplette Länge der Stufe.
Die Ingenieure müssen nur eben darauf achten, dass die Austrittdüse in Proportion zur entstehenden Energie steht, da es ansonsten die Rakete zerreisst.
Im Gegensatz zu den USA mit ihren kleinen Raketen, die MIRV vor allem nutzen um die Sprengkraft besser in der Fläche zu verteilen (wofür eine Trennung selbst nach dem Wiedereintritt reichen würde, auch wenn man es natürlich kurz vorher macht, um den Bus leicht zu halten), haben die Sowjets schon sehr früh Konzepte verfolgt, bei denen eine Rakete weit auseinanderliegende Ziele bekämpfen kann, um Gegenmaßnahmen zu erschweren. Wenn man einmal L.A. und einmal SF treffen will (kleinere Ziele sind eher tricky), muss man schon früh getrennter Wege gehen.
Die Russen können die Physik und Bahngesetze nicht überwinden.
Die Trennung in MIRVs erfolgt frühestens im "Aphel", kurz nach der Bahnkorrektur nach "wieder unten".
Ansonsten würden die MIRVs schlichtweg wie ein flacher Stein über Wasser bzw. der Atmosphäre "hopsen".
Das ist ja eine der Kernproblematiken beim Wiedereintritt, nicht zu flach (weil dann Abprall) und nicht zu steil (weil dann Asche).
Das mit den weit auseinander liegenden Zielen kenne ich nicht.
Ich weiss nur, dass die Russen zus. "Täusch-Mirvs" an Bord haben sollen, ob das die USA auch haben, weiss ich nicht.
Die atomare Wüste hast du erst nach den ersten Einschlägen. Die von mir gemeinten Spekulationen (denen ich übrigens durchaus kritisch gegenüberstehe und die online gerade nicht finde) gingen davon aus, dass die Russen ihre Silos in der Phase zwischen US-Erstschlagsstart und US-Erstschlagseintreffen nachladen könnten und so die Feuerkraft pro Silo verdoppeln, weil es Gegen- und, falls es den Erstschalg überlebt, zusätzlich einen Zweitschlag abgeben kann. Halte ich auch für etwas sportlich, allerdings sind die fixen Ladesysteme der Silos eindeutig dafür konstruiert, schneller fertig zu werden, als es mit einem simplen Kran in Friedenszeiten möglich ist. Auf alle Fälle hat man aber nach dem Start der ersten Salve genug Zeit für eine letzte Zigarette, bevor die US-Feuerzeuge die ganze Gegend in Brand stecken.
Nun ja, die theoretische Nachlademöglichkeit haben die USA wohl auch, haben ja mehr Raketen als Silos

Halte ich aber eher als akademische Drohkulisse, nachdem über Russland wie USA irgendwas jeweils um die 500+ Atombomben explodiert sind.
Und das soll jetzt ein Argument FÜR deine Forderung an die Russen sein, auf Silos zu verzichten und sich auf U-Boote zu konzentrieren

?
Na ja, ist immer eine Frage, wohin man das Geld steckt.
Bisher haben die Russen hauptsächlich echt große strategische U-Boote gebaut, primär weil deren seegestützten Raketen etwas größer als die US-Raketen waren. Statt unzuverlässig und laut, wäre ja mal ein Plan, Boote ähnlich denen der USA zu bauen und den eigenen Atomraketen bessere Überlebenschancen zu bieten (OK, ist Ironie).
Sorry, aber wenn das die beste Datengrundlage ist und die im Widerspruch zum beobachten Rüstungsschwerpunkten der Russen stehen, dann schlussfolgere ich daraus nicht, dass die russische Rüstung komplett irrsinnig ist. Sondern ziehe in Betracht, dass deine Beurteilungsgrundlage unzureichend sein könnte.
Ich habe doch nicht behauptet, dass die russische Rüstungsindustrie nur mit Vollpfosten besetzt sind.
Ich stelle lediglich fest, dass russischer Baustahl definitiv nicht die Qualität besitzt, den wir her landläufig als Standard verbauen.
Inwiefern sie in der Lage sind, solchen Baustahl herzustellen, wie ich vor ein paar Jahren bei einer Sanierungsmaßnahme im Versuchsreaktor bei Karlsruhe kennenlernen durfte, weiss ich nicht.
Beim Beton wiederum weiss ich, dass die Russen da ganz gutes Zeugs zusammenmischen können.
Beim Faserbeton sind sie sogar führend. in der Technologie.
Kommt jetzt aber darauf an, ob das Geld tatsächlich in den Beton für einen Bunker geflossen ist, oder in die Jackentasche eines Provinzfürsten.

Und genau da sehe ich das größte Problem der Russen.
Auf dem Papier können die alles.
Ob die das dann aber auch so tatsächlich umsetzen oder ob Schoigu von dem Geld sich lieber Yacht Nr. 25 zusammenbauen lässt, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn man so mag, zieh ich neben der technischen Umsetzung auch die -äh- kumpelhaften Organisationsstrukturen der Russen mit in die Umsetzungsbetrachtung.