Ich habe mich bewußt auf die Wirkreichweiten im Nahbereich konzentriert.
Der Gepard als solche gar nicht betrachtet, sondern alleinig mich auf die Zahlen des Mantis-Systems:
de.wikipedia.org
gestützt, das sich ja selbst als Nächstbereichschutzsystem (C-RAM) bezeichnet.
"Die maximale Reichweite des Geschützes liegt bei
5 km gegen langsame oder nicht deutlich den Kurs ändernde Luftfahrzeuge und rund
3 km gegen Munition."
Unterscheidet sich nicht vom Gepard, oder?
Eine Vergleichbarkeit zu einem Gatling-System (Phalanx ist ja nicht das einzige) lässt sich auch nur innerhalb derer Wirkreichweite ziehen.
Klar. Deswegen habe ich, ohne irgendwie ausführliche Daten zur externen Balistik zu finden, versucht abzuschätzen, wie sich so eine 35 mm Granate innerhalb der 1,5-1,8 km Reichweite einer Vulkan verhält. Dass sie darüber hinaus noch funktioniert, bringt nur den riesigen Bonus bei der abgedeckten Fläche, aber bis dahin hat sie schon Vorteile bei der Wirkung und der Flugzeit.
Wie oben erwähnt.
Hauptgrund ist,
dass für mein persönliches Dafürhalten, Raketengestützte Flugabwehr wie z. B. die Stinger.
de.wikipedia.org
ungleich effektiver, gefährlicher und treffsicherer in Kampfentfernungen zw. 2,5 und 5 km sind.
Diese Fire-and-Forget-teile haben letztlich nur einen Schwachpunkt, den bedienenden Menschen, der wohl kaum die Reaktionszeit aufbringen kann, wenn plötzlich ein Hubschrauber aus der Deckung in wenigen 100 m Entfernung auftaucht und den Stinger-Schützen beschießt.
Da dürfte jedes vollautomatische Rohrwaffensystem überlegen sein.
Schon allein wegen der Beschränkung auf kräftige Infrarotsignaturen ist Stinger im Nachteil. Können z.B. Hubschrauber überhaupt aus allen Winkeln erfasst werden? Und wie schnell und zuverlässig schalten die Dinger eigentlich mittlerweile auf und wie gerade ist die Flugbahn?
Mantis & Co können auf viel bessere Sensoren zurückgreifen und in schwierigen Situationen auch einige ungenaue Schüsse vornweg hauen. Raketen sind dafür einfach zu teuer und zu sperrig und deswegen zahlenmäßig begrenzt. Außerdem fliegen sie zu unpräzise, müssen also zwingend aufgrund ihrer Onboard-Sensoren nachsteuern.
Kein Denkfehler, Vulkan braucht Direkttreffer = richtig
Mir gehet es aber um die Masse der Teile, die bei Trefferwirkung effektiv sind. siehe unten
Die Mantis-Schrapnelle sind mit Sicherheit gegen normale Kampfflugzeuge, Drohnen, Flugkörper ggf. sogar gegen Granaten effektiv, aber mit einiger Sicherheit eben nicht gegen gepanzerte Kampfhubschrauber oder CAS (A-10, SU-25), welche selbst mehrere Direkttreffer von 20 oder 25 mm Granaten problemlos aushalten.
Ich habe das mal bei der BW in einem Lehrfilm gesehen, in dem eine ausgemusterte A-10 auf dem Boden stehend mit 20, 30, und 40 mm Munition beschossen wurde.
Conclusio war sinngemäß, dass es sowohl bei 20 als auch bei 30 mm gut 30 Treffer mit der vollen Gefechtsmasse der Geschosse bedarf, um das Flugzeug auszuschalten und nur bei 40 mm eine effektive Bekämpfung möglich wäre.
In wie weit das dann Propaganda für uns Soldaten war, sei mal dahingestellt...^^
Wenn keine Propaganda, dann zumindest ein Durchschnittswert. Soweit ich weiß, ist auch bei der A-10 nur die Badewanne gut gepanzert (und das eigentlich nicht gegen Feuer von der Seite am Boden). Andernorts kann man durch den Vogel einfach durchschießen, dass belegen die Bilder von dem, was nach Treffern noch nach Hause kam, denn an sehr vielen Stellen hat so ein Durchschuss halt keine tödliche Wirkung. Deswegen kann es durchaus sein, dass eine A-10 nach 20 35-mm-Treffern noch fliegt, aber sie kann eben genausogut auch nach 40 20-mm-Treffern noch fliegen. Oder sie kann nach zwei 12,7-mm-Treffern abstürzen. Letztlich geht es darum, eine Handvoll der kritischen Stellen zu treffen und da reicht dann auch ein relativ kleiner Einschlag, aber rein statistisch muss man eben sehr viele solcher Treffer verursachen, ehe man mal Glück hat.
Zerbrechliche Munition, die sich erst im Flugzeug verteilt, hilft dabei kaum weiter. Gerade in der A-10 hast du drinnen wohl kaum Hohlräume wie in aerodynamischeren Designs, in denen sich Querschläger ausbreiten und Schaden abseits der Eintrittsstelle verteilen können. Das geht einfach durch oder bleibt, wenn die Stelle gepanzert war, einfach stecken. Was dagegen sehr wohl hilft, die Statistik in die eigene Richtung zu kippen: Viel mehr Treffer durch Schrappnellgeschosse, die sich schon einige Meter vor dem Ziel zerlegen. (Ob die derzeitige 35 mm AHEAD die optimale Schrapnellgröße für dieses Ziel hat, weiß ich nicht.)
Da es zu Exacto (und sicherlich vergleichbaren, anderen Entwicklungen, die es geben mag) nahezu keinerlei öffentliche Infos gibt, fällt es mir schwer, dies überhaupt einschätzen zu können.
Ich rate auch nur. Aber aufgrund der enormen Robustheitsanforderungen hinkt das Militär bei Steuerungstechnik eigentlich immer viele Jahre hinterher, bei Einwegprodukten noch weit mehr, und selbst mit der modernsten Technik könnte ich mir ein System, dass Bilderfassung, -Auswertung und komplexe Bahnberechnungen innerhalb eines 12,7-mm-Geschosses durchführt (und das auch noch schnell genug) nicht vorstellen. Ich glaube es gibt mittlerweile Pico-Drohnen, deren Steuerungseinheit ein ähnliches Volumen hat (dann bliebe aber kein Wirkungsgeschoss mehr übrig) und nicht einmal selbstständig Hindernissen ausweichen, geschweige denn selbst seinen Weg suchen kann.
Mal ne blöde Frage.
Für was sollen diese unfassbar wenigen vorhandenen Flugabwehrsysteme gut sein?
OK, Patriot mit den 14 Batterien mag ja Punktuell für die wichtigsten Militärstützpunkte ausreichend sein.
Aber mit dem vorhandenen Rest kann man ja gerade mal eine Kleinstadt verteidigen - mehr nicht.
Die Bundeswehr wird seit Jahren auf Expeditionsarmee ausgelegt. Es geht also im wesentlichen gar nicht darum, Anlagen oder gar zivile Ziele in Deutschland zu verteidigen (letzteres konnte die bodengestützte Luftabwehr selsbt zu Hochzeiten des Kalten Krieges nicht einmal versuchen; ersteres lässt sich für die essentiellen Teile durch Härtung meist besser und auf Dauer günstiger erreichen), sondern um Stützpunkte im Ausland. In Mali oder Afghanistan muss man aus einem Zelt oder bestenfalls Container heraus operieren können und ist somit auf einen aktiven Abwehrschirm angewiesen, aber nur sehr kleinräumig. Dazu käme theoretisch noch der Luftschutz für Panzereinheiten in Form eines Gepard-Nachfolgers mit ähnlichem Anforderungsprofil + mobil, aber der ist bei den Zahlen halt noch gar nicht mit eingerechnet, weil die Beschaffung mal wieder pennt.