Wenn ein Straftäter davon ausgeht, nicht erwischt zu werden, dann ist nicht nur die Höhe der Strafe egal - sondern auch deren Nutzen.
Das stimmt nicht, denn er geht ja ein gewisses Risiko ein. Er geht davon aus, nicht erwischt zu werden, aber er wird das angedrohte Risiko gar nicht erst in Kauf nehmen, wenn der zu erwartende Gewinn in einem zu kleinen Verhältnis zum Risiko steht.
Um derartige kriminelle Tätigkeiten zu verhindern, müsstest du den Anreiz ganz bis auf Null senken.
Das ist auch nicht richtig. Der Mensch läßt sich ja in einem gewissen Grade gängeln. Nur irgendwann wird's ihm halt zu bunt und er sucht nach Auswegen. Fühlt er sich allerdings gerecht behandelt, wird seine Steuerehrlichkeit zunehmen.
Eine Gesellschaft wie die unsrige ist ohne Staat aber nicht realisierbar und der muss finanziert werden.
Stimmt leider. Aber durch Steuersenkungen würdest Du langfristig eben keine Finanzierungslücke hervorrufen, weil die Steuerehrlichkeit zunimmt. Der vom Einzelnen erlangte Betrag wird zwar sinken, dafür wird aber die Zahl derjenigen, die ihr volles Einkommen versteuern, stark zunehmen.
Wir reden also von Leuten, die in Kauf nehmen, dass sie erwischt werden könnten, die aber der Meinung sind, dass es sich dieses Risiko lohnt. Diese Gleichung kann man durch höhere Strafen zugunsten eines legalen Verhaltens verschieben.
Kann man - wie übrigens auch die Rechtssoziologie bzw. Devianzforschung schon lange gezeigt hat - nicht. Menschen handeln in dieser Beziehung nämlich nicht vollkommen rational. Bei einem nur geringen Vorteil der illegalen gegenüber der legalen Handlung reichen schon geringe Strafen, um die illegale Verhaltensweise unattraktiv erscheinen zu lassen. Bei einem großen Vorteil schrecken selbst große Strafen nicht mehr ab, weil sie auch für das Individuum nicht faßbar erscheinen.
Wenn es anders wäre, müßten zum Beispiel auch in den USA, die ja in Teilen durchaus die Todesstrafe haben, die Mordraten wesentlich geringer als in Europa sein. Das Gegenteil ist allerdings der Fall.
Wie dir -nach meinem ausdrücklichen Hinweis auf den Unterschied

- sicherlich aufgefallen ist, erfordert das auch keinerlei zusätzliche Ausgaben für Kontrollen, sondern geht von einer Entdeckungsquote auf heutigem Niveau aus.
Du würdest dann lediglich schon jetzt entdeckte bzw. zu entdeckende Steuersünder härter bestrafen. Das würde insgesamt fast nichts nützen. Das ist in etwa so naiv wie die Steueramnestie des Bundes vor ein paar Jahren. Das war auch ein riesiger Reinfall. Gleichzeitig würde das Problem der Steuerhinterziehung bei höheren Steuern noch zunehmen. Unter dem Strich würdest Du ein Negativgeschäft machen.