AW: Anthropogener Klimawandel mit kleiner Erklärung
Eine Co2-Steuer, die ich am Ende über etwas anderes zurückbekomme, ist mMn zumindest sinnlos, ändert es den Verbrauch des einzelnen dann ja nicht.
Die Steuer bekommt die Bevölkerung
im Schnitt wieder rein. Das heißt du zahlst viel mehr für Benzin und Gas, aber nichts mehr für Nahverkehr, Kinder-/Jugendeinrichtungen und Kultur. Wer bislang letzteres intensiv und die beiden erstgenannten kaum genutzt hat, der profitiert. Wer bislang Energie verschwendet hat und Busse nur als Verkehrshindernis kennt, der zahlt fleißig drauf und hat somit Motiviation, sein Verhalten zu ändern.
Das witzige ist mMn. dass alles was wir hier grad überlegen auch ohne Klimaerwärmung eine sehr gute Idee wäre und wir auch ohne Klimaerwärmung Probleme mit unserem Lebensstil bekommen würden.
Das "witzige" ist, dass genau die gleichen Überlegungen schon in den 60ern/70ern und zum Teil in den 20ern angestellt wurden. Und das wir immer noch drüber reden, aber weiterhin nichts machen.
Anderen ist es das und darum finden in den Bereichen Entwicklungen statt. Siehe Brennstoffzelle oder Solarbetriebene Flugzeuge. Dauert eben, die verlorene Entwicklungszeit bei Verbrennungsmotoren in den anderen Bereichen aufzuholen.
Das hat nichts mit Entwicklung und Verbrennungsmotoren zu tun. Der Elektromotor ist nahezu perfekt, da gibt es kaum etwas zu holen und Akkutechnik haben wir nie aufgehört zu erforschen, weil sie vom Militär über Luft-/Raumfahrt bis hin zu mobilen Elektrogeräten sowieso gebraucht wurde. Brennstoffzellen und Solarzellen hätten etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen können, ja, aber die sind auch noch nicht so alt und auch nicht das dringendste, was für eine Änderung unseres Verhaltens brauchen. Alle anderen Parameter, die jetzt plötzlich entdeckt werden (Aerodynamik, Gewichtsreduktion, Isolierung, Verkehrs- und Energieplanung) wären auch mir Verbrennern nützlich gewesen. Um genau zu sein: Sie sind so nützlich, dass wir uns selbst jetzt erstmal darauf konzentrieren und weiterhin Verbrenner nutzen sollten. Ein leichter, windschnittiger Verbrenner mit 2 l Benzin pro 100/km ist deutlich umweltschonender als ein Tesla X, der zu 50% mit Ökostrom geladen wird. (Eine Zahl, die wir in dieser Hälfte des Jahrhunderts vermutlich eh nicht mehr erreichen, während wir ein 2-l-Auto sofort bauen könnten.)
Na nen Trabi war auch nicht sparsam
Benzinverbrauch: Sachsenring - Trabant - Spritmonitor.de
7,4 l Benzin Realverbrauch dürfte unter dem Durchschnitt deutscher Autofahrer heute liegen.
Ich halte die Summe für deutlich zu niedrig. Das ist ein angemessenes Maß fürs erste Jahr einer umstellungsfreundlichen, schrittweisen Einführung. 26 Cent pro Liter sind weniger, als wir schon an marktbedingten Schwankungen haben, die sich viel zu wenig auf den Verbrauch auswirken. Deutschland muss seinen Ressourcenverbrauch Dritteln und da eine Reduktion an einigen Stellen nur begrenzt möglich ist, müssen wir an anderer Stelle auf 20% oder weniger runter. Heute ist die Energie aber für viele nur ein kleiner Teil ihres Budgets, dass selbst bei einer Verfünfachung des Preises würden sie vermutlich noch 30-40% ihres heutigen Verbrauchs praktizieren. Bis 2040 würde ich eine Verzehnfachung der Energiekosten anstreben, als beschleunigter Einstieg/Wachrüttler können wir bis 2021 schonmal die altbekannten "5 DM/l" umsetzen. Die wären für niemanden ein unlösbares Problem, würden aber bei Neuanschaffungen (die z.B. im Bereich Auto 13-14 Jahre Wirkungszeit haben) viel Beachtung finden. Danach dann jedes Jahr weitere 10-20% drauflegen.
Zustimmung für den Punkt, dass wir Öl- und Gasgewinnung deutlichst reduzieren müssen.
Mit heutiger wirtschaftlicher Technologie würde das Zeugs noch gute 60, vielleicht 80 Jahre reichen.
Das sind aber wirklich nur die heute schon bekannten heute schon ausgebeuteter Arten von Öl- und Gasvorkommen. Wenn du Fossile insgesamt betrachtest, inklusive Kohle und Methandhydrate, Tiefseelagerstätten, etc. könnten wir locker 3-4 Jahrhunderte unser heutiges Verbrauchsniveau aufrecht erhalten. Aber wie du selbst schreibst - sowas würde unser Planet nicht annähernd verkraften. Das ist auch keine neue Erkenntnis, sondern mit ein Grund für den stabilen Ölpreis der letzten Jahre, nachdem die OPEC zuvor an einem stetigen Preis = Gewinnanstieg gearbeitet hat: Zahlreichen Ländern, insbesondere den USA und Kanada, ist klar geworden, dass nur noch ein kleiner Teil der bereits bekannten Energievorkommen überhaupt noch gefördert werden darf. Wer sein Zeug jetzt nicht auf den Markt schmeißt, kann es gar nicht mehr verkaufen
Selbst wenn Europa die kompletten fossilen Energieträger verbieten würde und China mitzieht, würden die ölfördernden Länder ihre billige Energiequelle weiter nutzen. Wer sollte denn mit weltweiten Sanktionen Verschwender bestrafen?
Wir. Und, in dem Beispiel, China. Mit den bereits betroffenen Staaten in Afrika könnte man auch mal ein Wörtchen reden und Südamerika ist schon alleine wegen der ökonomischen Chancen (Zuckerrohr-Ethanol) hellhörig.
Hohe Importzölle auf Wahren aus Klimaschänderstaaten ist eine unabdingbare Maßnahme als Begleitung für hohe CO2-Steuern, sonst wandert nur die Produktion ab. Und wer glaubt, dass die anderen über so ein Klimabündnis lachen würde, hat den kalten Krieg verpennt: Spätestens seit dem wirtschaftlichen Kollaps des Ostblocks sollte klar sein, dass man sich eine Abschottung vom Großteil des Weltmarktes nicht lange leisten kann. Und EU + China oder EU + Afrika + Südamerika wäre ein Großteil des Weltmarktes.
Ich bin der Meinung, dass wir noch voll am Anfang stehen. In Sachen Klimawandel hat die metaphorische Schuhsohle noch nicht mal den Startblock verlassen. Bisher haben wir den metaphorischen Ofen nur vorgeheizt, die Pizza wurde noch gar nicht reingeschoben. Bisher ist abgesehen von ein paar Ziegenbauern in der Sahelzone ("war schon immer unwirtlich"), und ein paar Menschen, deren Häuser von Stürmen oder Waldbränden erwischt wurden ("gab's schon immer"), noch niemand existenziell vom Klimawandel bedroht. Wartet mal ab, bis die erste Millionenstadt im Wasser versinkt und die Landwirtschaft in ganzen Regionen zum Erliegen kommt, was dann in der Welt los ist.
Die ersten Pazifikinseln mussten schon aufgegeben werden und die Hungerzunahme in Afrika geht auch auf den Klimawandel zurück, ebenso wie zunehmende Überschwemmungsopfer ins Südostasien. Aber ja: Noch ist die Zahl der Klimaflüchtlinge winzig und da rollt ein gigantisches Problem heran. Deutlich größer als die Auswirkungen des Klimawandels in Europa selbst. Aber man sollte nicht mit einem konkreten Punkt rechnen. Keine Millionenstadt wird plötzlich im Wasser stehen, sondern es wird eine schleichende Entwicklung auf der ganzen Welt. Häufigere Überschwemmungen, unzuverlässigere Infrastruktur, zurückgehende Investitionen in bedrohte Gebiete, zunehmender Abzug, zurückgehender Zuzug - das sind alles graduelle Prozesse. Und am Ende sind 50% der heutigen Infrastruktur, 50% des heutigen Vermögens der Menschheit weg. Und die Leute, die mal darauf angewiesen waren, sind irgendwo anders und haben weiterhin ihre Bedürfnisse, die irgendwer irgendwie wird befriedigen müssen. Oder es gibt Kriege. (Letzteres ist der wahrscheinlichere Ausgang)
Wir sind mittendrin.
Ohne Abbremsung der Erderwärmung sind 10 m Meeresspiegelanstieg mit +4° bis 2100 nicht unrealistisch.
Kann jeder selber mal schauen, Bremen und Hamburg gehen unter, ein größerer Teil Norddeutschlands wird unbewohnbar und Berlin wäre eine Küstenstadt:
Flood Maps
Selbst beim Klimaziel 2° wäre Hamburg in 30 Jahren schon weg... ^^
3° wie jetzt "vereinbart" ist eigentlich schon katastrophal.
"3 K vereinbart"? Vereinbar sind angeblich "2 K mit Ziel 1,5 K", aber der aktuelle Kurs sind 5-6 K. Aber selbst die bringen 10 m nur langfristig, vielleicht bis 2300-2400. (So lange würden sich unsere heutigen Schäden selbst dann auswirken, wenn wir morgen auf 0 CO2 gehen.) Für 2100 sind 2-3 m möglich, aber das sollte man auch nicht als wenig abtun. Hamburg wird auch dafür schon hinter Deichen verschwinden müssen und der Rückstau könnte in Berlin zu Problemen mit dem Wasserspiegel führen. Verglichen mit anderen Nationen ist Deutschland trotzdem nahezu optimal gelegen. Zumindest in Europa scheinen mir nur die britischen Inseln vergleichbares Potenzial zu haben. Alle anderen sind entweder heute schon zu heiß oder (im Sommer) zu trocken und zu dicht bewaldet, zu flach und zu sehr auf ihre Küsten fokussiert oder aber von Gebirgseis gesprägt, um in 50 Jahren noch gute Bedingungen zu bieten.