Kann mir das mal wer erklären, warum ein von Wissenschaftlern belegbarer Umstand, nämlich der von uns Menschen krass befeuerte Klimawandel, als Lüge abgetan wird, während man bei etwas deutlich weniger Bedrohlichen frei dreht?
Du nennst den "Grund" selbst: "Wissenschaftler".
Zum einen ist es ein komlexes, wissenschaftliches Thema. Man müsste sich damit beschäftigen, ehe man überhaupt zustimmen/was sinnvolles machen könnte. Mit dem Finger auf irgend wen anderes zu zeigen und ihm die Schuld an irgendwas zuzuschieben, ist einfacher. Nicht umsonst ist letzteres das Lieblingskonzept von Diktatoren und Kindern <6.
Zum anderen sagen Wissenschaftler all das schon sehr lange. Je nachdem, wie weit man ins Detail geht 50 bis 100 Jahre. Schon vor 30 Jahren war die Botschaft so deutlich, dass sie weit über Wissenschaftler hinaus in der Politik Wiederhall gefunden hat. Jetzt auf einmal hinzuhöhren würde beinhalten einzugestehen, dass man selbst 30 Jahre lang falsch gelegen hat und daran auch noch selbst schuld war.
Es geht nicht um "nichts". Aktuell und in den letzten 20 Jahren hat man sich fast ausschließlich! darauf konzentriert es zu verlangsamen.
Nein. Sowohl aktuell als auch in den letzten 20 Jahren quasi ausschließlich hat man sich darauf konzentriert, den eigenen Wohlstand zu steigern. Der DAX heute beinahe beim 4,5-fachen des Standes von vor 20 Jahren und die privaten Vermögen sind im Schnitt der letzten 20 Jahre um 400 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. (Oder eher gesagt von
98 bis 18, da ich nichts neueres finde. Aber zumindest das Geldvermögen, zu dem tausende Webseiten die gleiche Studie zitieren, ist seitdem/über Corona sogar noch extrem viel stärker gestiegen.) Gegen diesen Wohlstandsaufwachs ist das, was für Klimaschutz getan wurde, geradezu ein Witz.
Selbst die rund 30% CO2-Reduzierung, die wir auf dem Papier geschafft haben (zum Schutz des Klimas wären eher ~70-80% nötig gewesen), gehen maßgeblich darauf zurück, dass die Produktion einer Industriezweige hier runtergefahren und dafür die Importe entsprechend vorverarbeiteter Produkte aus Asien hochgefahren wurde. In einem durchschnittlichen Auto stecken heute dem Gesamtgewicht nach 50% mehr Stahl als in den 90ern, aber die Emissionen werden nicht mehr im Ruhrgebiet bilanziert.
Küstenregionen überall auf der Welt werden im Meer versinken. Zum Ende des Jahrhunderts werden wir Strände in der nördlichen Lüneburger Heide haben und der NOK wird irgendwo zwischen Rendsburg und Brunsbüttel in die Elbe münden, die Hamburg in ein Freibad verwandeln wird. Von Norden kommt das Meer und von Süden wird Kontinentaleuropa gebacken. Die Menschen werden sich dazwischen drängen und vermutlich teilweise blutig aufreiben, weil z.B. wegen fehlendem Niederschlag so simple Dinge wie Wasserversorgung (und Müllentsorgung

) auch hier nicht mehr gewährleistet werden können. Dazu kommt dann der Druck durch Migration von außen, wo dann keine staatlichen Strukturen mehr an nicht mehr existierenden Nationalgrenzen irgendwie die Leute davon abhalten auch dazuzustoßen.
So schnell steigt der Meeresspiegel nun auch wieder nicht und wir haben noch einige Meter Luft, ehe wir das Verhältnis aus Land- und Meereshöhe erreichen, dass die Niederlande schon lange haben. Es ist damit zu rechnen, dass die Deichneubauten längenoptimiert erfolgen und man eher einen kleinen Zipfel Acker opfert, als im Kreis drum rum zu deichen. Aber ehe man die Metropolen der norddeutschen Tiefebene aufgibt und Alternativen woanders wieder aufbaut, dürften noch Jahrhunderte vergehen. Hochwasserschutz ist teuer, aber immer noch sehr viel billiger als der Gesamtwert von "Bremen" oder "Hamburg". Bei der Wasserversorgung hat Deutschland auch noch sehr viel Luft nach oben, sowohl was sparen als auch speichern angeht.
Bei der Sache mit den Klimaflüchtlingen hast du wesentlich eher recht: Europa nördlich der Alpen hat mit die beste geographische Ausgangslage für die nächsten Jahrzehnte bis Jahrhunderte Klimawandel und von den rund 2-3 Milliarden Menschen, die in den unmittelbar vom Meeresspiegel bedrohnten Küstengebieten leben, dürften sich 1-2 Milliarden nicht in Staaten mit vergleichbaren Schutzmöglichkeiten befinden. Dazu kommen geratene noch einmal 0,5-2 Milliarden, die sich wegen nachlassender Nahrungsversorgung aus dem Innern der Kontinente in Bewegung setzen. In der Gesamtsumme also 100-300 mal so viele Menschen, wie bei den Fluchtbewegungen des arabischen Frühlings und die werden auf der Suche nach einem neuen Leben garantiert nicht bevorzugt in die Regionen der Welt ziehen, die ebenfalls ums nackte Überleben kämpfen.
Aber hey: Auch das wird seit Jahrzehnten vorhergesagt. Die Leute wollen das offensichtlich genauso, wie die anderen Klimawandel folgen. Anders lässt sich das Verhalten der Deutschen (oder zumindest des Teils, der noch nicht im Nach-mir-die-Sintflut-Rentenalter ist), nicht erklären. (Zumindest nicht ohne Intelligenzbeurteilungen, welche die Forenregeln verletzen würden

)
Das Ozon Loch und auch das Waldsterben (man zwang die Automobilindustrie zu Katalysatoren) konte man direkt sehen. Eine höhere CO2 Konzentration kann man zwar messen, aber nicht sehen und was man nicht sehen kann, existiert nicht, wenn niemand hat ja was gegen schönes Wetter.
Ahrtal kann niemand sehen?
Stimmt. Da gibts ja nichts mehr zu sehen. (Außer eine Milliardengrab. Aber Staatsverschuldung ist tatsächlich unsichtbar.)
Lesch sagte mal in einem Vortrag, dass das CO2 sehr langsam reagiert. Selbst wenn wir kein CO2 mehr ausstoßen, wird es Tausende Jahre dauern, bis wir wieder bei 240ppm sind.
Ich finde die Folie zu sämtlichen Klimawandelfolgen leider nicht mehr, aber vor 15 Jahren ging man davon aus, dass selbst bei sofortiger Senkung der globalen CO2-Emissionen auf 0 allein der Meeresspiegelanstieg erst in 400 Jahren seinen Höhepunkt erreicht. Diese ganzen "bis 2100"-Betrachtungen blenden das richtig dicke seit jeher aus und wurden in den 90ern auf den Tisch gepackt, um den Leuten zu vermitteln, was sie ihren eigenen Kindern/Enkeln antun.
Nach 30 Jahren nichtstun sind es jetzt für die erste Generation "was ihr euch selbst antut"-Betrachtungen, aber das ist auch das einzige, was sich geändert hat. (Okay, und einige der optimistischeren Szenarien sind mittlerweile als nicht mehr erreichbar rausgeflogen.)
Methanhydrat ist das Problem.
Gibt es da mittlerweile neue Erkenntnisse zu marinem Hydrat, die das in der Form mit Sicherheit feststellen oder beziehst du dich auf Permafrost?
Über letzteres war man sich, als ich das letzte Mal grundlegend neues gehört habe, noch nicht sicher und tendierte zu "bis auf weiteres nicht". Der Großteil der bislang gefundenen Vorkommen liegt deutlich tiefer als für ihre Stabilität nötig wäre (Druck ist da wichtiger als Temperatur und alle Vorkommen haben zumindest die -200 m Auflast während der letzten Eiszeit mitgemacht) und damit auch in Bereichen, in denen selbst ein paar Zehntelgrad Temperaturanstieg Jahrhunderte dauern sollten.
Größere Sorgen hatte man eigentlich nur noch vor Hangrutschungen: Geringe Mengen Hydrat weit oben z.B. vor Norwegen werden doch instabil und gehen den Kontinentalabhang runter, woraufhin die ganze Kruste da abbricht. Aber ob sowas tatsächlich geschehen konnte, war noch Gegenstand der Forschung und ich habe nie wieder was darüber gehört. (Was nahelegt, dass kein größeres Risiko gefunden wurde. Denn in klimakatastrophalem Umfange hätte das auch Tsunamis zur Folge, nach denen niemand mehr nach Meeresspiegelanstieg fragen würde.)