AW: Anthropogener Klimawandel mit kleiner Erklärung
Ich bekomme auch jedes mal einen Rappel, wenn ein Möchtegernyuppie "spontan" ein Meeting in Berlin anberaumt und ganz schnell noch ein Flug gebucht werden sollte und auf die Frage, warum den keine Videokonferenz möglich wäre, die Antworten kommen:
a) Unser hippes Büro hat die se Möglichkeit noch nicht
b) Ich muss noch mein Miles und More Punktekonto auffüllen

c) persönliche Kontakte sind unglaublich wichtig fürs Networking
Mahlzeit....
Ein weiterer Punkte auf der langen Liste von Dingen, die ""Networking"" verbricht/mich zum brechen bringt...
Bahn gratis? Nein.
Eine interessante Idee wäre eine Art GEZ für die Bahn^^
Seit der Abschaffung der Nutzungsbezogenen Erhebung ist die GEZ doch auch nur noch eine sozial ungerechte Abgabenform. Man könnte ÖR (oder ÖPNV) ebensogut direkt aus dem Haushalt bezahlen und eine Kopf- oder Haushaltspauschale einführen, käme aufs gleiche raus.
Wobei, es hat ja schon was, wenn der ÖPNV und/oder Bahn kurz vor Gratis wären.
Hört sich erst mal unrealistisch an, aber wenn ich mir die ganzen verdeckten Vergünstigungen oder Steuersparmodelle so anschaue, z. B. Pendlerpauschale, Dienstwagenvergünstigung, günstige Dieselsteuer, keine Steuer auf Kerosin...
Ist halt alles wie annodazumal stark auf die individuelle PKW-Nutzung des Michels zugeschnitten...
Im Extremfall lässt sich da schon einiges gegenfinanzieren.
Soweit muss man gar nicht gehen. ÖPNV wird bereits heute zu 25-50% subventioniert, zzgl. größeren Bauprojekten die getrennt finanziert werden. Zieht man noch die nicht unerheblichen Kosten ab, die für Automatenaufstellung, -wartung, etc., Geldverkehr und Kontrollen entstehen sowie die einhergehenden baulichen Aufwendungen (Platz an Stationen und in Fahrzeugen, der andersweitig vermarktet werden könnte), hat man maximal eine Finanzierungslücke von 25-50% übrig. Jeder einzelne der von dir genannten Punkte dürfte deutlich höher sein, zusammen wahrscheinlich mehr als das 10fache dessen, was für deutschlandweit kostenlosen ÖPNV benötigt wird.
Aber: Pendlerpauschale, Dienstwagenrabatte und diverse Treibsstoffsubventionen kommen Firmen und Besserverdienern mit Häuschen im Grünen zu gute. Kostenloser ÖPNV wäre ja was für arme Leute. Das geht nun wirklich nicht...
Was mich ein bisschen ärgert sind die Grünen.
Hab die damals angefangen zu wählen, als sie 5 DM/L Bezin skandierten - ist schon sehr lange her (bin ja auch etwas älter), war aber für mich damals schon der richtige Ansatz.
Ist sehr still geworden aus der Ecke - sind leider im Mainstream angekommen und wollen wohl den gepflegten Yuppie-Wähler nicht vor den Kopf stoßen und spielen lieber mit ihren Idealen...
Die Grünen haben sich eigentlich mit jedem großen Vorschlag auf die Schnauze gelegt und ihn sich danach abgewöhnt. Die Wähler wollen halt keine Änderung, sondern den gleichen Scheiß wie immer (und die Schuld dafür jemand anderem geben. Ausländer sind immer eine gute Wahl.)
Das erschreckende ist, dass die Grünen trotz dieses Weichspülgangs immer noch die ökologisch beste Wahl sind und das nicht nur unter den großen Parteien. Selbst unter dem (vermeintlich) radikalen Kleingemüse gibt es niemanden, der von Klima- über Umwelt- bis Landschaftsschutz das volle Spektrum abdecken kann und in mindestens einem Punkt mehr anstrebt.
Gratis muß Bahn fahren ja nicht unbedingt sein.
Aber ein deutliche Ermäßigung der Preise wäre wünschenswert.
Außerdem sollten sie an der Pünktlichkeit arbeiten.
Und besserer Verkehrsanbindung in ländlichen Gegenden.
Pünktlichkeit wäre allgemein bei mehr Verbindungsauswahl verzichtbar. Absolut niemand hat ein Problem damit, wenn er mit dem Flugzeug 20 Minuten oder mit dem Auto 60 Minuten später ankommt, nur bei der Bahn wird über 5 Minuten gemeckert. Aber: Wenn es nicht 5 Minuten später am Ziel, sondern 5 Minuten später am Umsteigebahnhof ist, ist bei der Bahn und bei dieser halt der Anschluss weg. Die einfache Lösung wäre es, von jedem größeren Bahnhof wenigstens einmal am Tag eine direkte Verbindung zu jedem anderen anzubieten, so wie die Franzosen es machen. Aber aktuell geht der Trend mit "Deutschlandtakt" ja sogar in die exakte Gegenrichtung
Das Problem ist eben, dass man der Bahn unbedingt privatwirtschaftliche Führung aufzwingt. Also werden Bahngleise still gelegt, weil sie nicht rentabel sind, obwohl ständig immer alle ankommen und Güter von der Straße auf die Schiene bringen wollen.
Die Bahn wird niemals profitabel sein, das geht nicht. Der Öffentliche Nahverkehr wird auch nie profitabel sein. Ist unmöglich.
Natürlich ist das möglich. Man muss nur faire Voraussetzungen schaffen. Solange die Bahn als einziges Verkehrskonzept ihre Fahrwege selbst bezahlen, ihre Energie versteuern, ihre Mitarbeiter fair bezahlen und eben überhaupt in großer Zahl Mitarbeiter bereitstellen muss, wird sie immer hohe Ausgaben im Vergleich zu den erzielbaren Preisen haben. Wenn ich mit der Bahn zum Sparpreis fahre, zahle ich oft genauso viel oder sogar mehr wie mit dem Auto für die gleiche Strecke, obwohl ich im Auto locker den doppelten Sprit verbrauche. Normalpreis ist schnell das Vierfache und übersteigt damit sogar Wertverlust, Sprit- und Wartungskosten, die man ohne kompletten KFZ-Verzicht aber teilweise sowieso hätte. Und das ist nur die Rechnung für eine Person - fahre ich zu zweit verdoppelt sich der Bahnpreis erneut, die Kosten fürs Auto bleiben genau gleich. Beschränke ich mich auf das mit der Bahn praktikable Maß an Gepäck, sind sogar vier Leute im Auto kein Problem und ich unterbiete die Super-Sonder-Sparpreise deutlich. Aber nicht weil das Auto nenneswert effizienter wäre, sondern einfach weil es zu erheblichen Teilen auf Kosten der Allgemeinheit fährt, während die Bahn alles selbst zahlt.
"Den ehrlicheren Wert offenbart die Bahn in ihrem Umweltbericht, der heute im Nachhaltigkeitsbericht fortgeführt wird. Er gilt für den gesamten Personenfernverkehr, also für alle IC und ICE. 2004 etwa haben sie rund 2,8 Liter Benzin pro 100 Personenkilometer verbraucht. Diese Zahl deckt sich mit Angaben des Umweltbundesamtes, das solche Zahlen im Dienste des Umweltministeriums erheben lässt."...
"... Unter dem Strich will der Schienengigant in diesem Jahr lediglich 45 Prozent seines Stromverbrauchs mit grüner Elektrizität bestreiten, und dabei soll es bis 2020 bleiben. ... "
Die gruene Maer der Bahn | Wirtschaft
Abgesehen davon, das die 2,8 l 1,5 Jahrzehnte alt sind und sich die Auslastung und damit der Pro-Kopf-Verbrauch der Bahn seitdem verbessert haben, ist das eine Umrechnung des Energieverbrauchs, nicht der Emissionen. Selbst wenn man den Kohlestrom gleichmäßig auf die gesamte Fahrleistung der Bahn umlegt (und nicht wie in der Werbung nur die Güterzüge damit fahren lässt, damit der ICE 100% Öko ist

), sind die Emissionen pro Kopf also schon heute 30-60% geringer als mit einem Auto, dass 2,8 l Benzin pro Kopf verbraucht. (Ist dein Auto mit 4 l eigentlich ein Benziner? Wäre selbst für einen A2 ein guter Praxiswert bei Bahn-ähnlichem Reisetempo)
Und im Gegensatz zu einem Verbrenner braucht die Bahn halt nur einen Wandel in der deutschen Stromerzeugung, um die Emissionen auf 0 zu senken.
Auch der gesamte NAhverkehr ist alles andere als sauber, weil Straßen- und U-Bahnen einfach zu schwer sind. Mit 11 KW/h bekommt man den Individualverkehr bestens geregelt
Naja...
Was ich so an Model-3-Tests gelesen habe, sind 17-20 kWh/100 km keine Seltenheit in der Praxis und im Pendlerverkehr sind weniger als 1,5 Personen pro Fahrzeug üblich. Außerdem listet deine Quelle die Bremsenergierückgewinnung weiter unten extra auf, man kann von den 11 kWh/100 km also vermutlich nochmal 20% abziehen. Das wäre für !sinnvolle! Nahverkehrs-Individualfahrzeuge immer noch großzügig, aber für die derzeit von Deutschen gekauften Straßenpanzer, die auch einen Großteil der mittelfristig angekündigten Modelle, ist es aber unerreichbar. Die schlucken locker das doppelte und im Gegensatz zu Bahnen machen sie das nicht tagsüber direkt aus der Leitung, wenn Solaranlagen nach abnehmern suchen, sondern bevorzugt nach Feierabend/Sonnenuntergang, wenn sowieso zuwenig grüne Energie im Netz ist und man sein ""Öko""fahrzeug letztlich mit Kohlestrom lädt, der die CO2-Bilanz ins negative kippen lässt.
Aber in einem Punkt hast du recht: Wieso sind Schienenfahrzeuge immer so verdammt schwer? Klar, das Prinzip steckt ein paar kg extra wesentlich leichter weg als alle anderen, aber ein ICE 4 würde auch bei reiner 2.Klasse-Bestuhlung (die nun wirklich keine Comfort-Referenz mehr ist) ohne Bistro-/Service-Bereich nicht über 1000 Sitzplätze kommen und hat ein Leergewicht von 620 Tonnen. (Was wohlgemerkt schon als Fortschritt gefeiert wird. Die international einsetzbaren ICE 3 bieten als gekoppelter Doppel-Zug nicht mehr Platz, wiegen aber über 800 Tonnen.)
Das sind 600 kg pro Nase und damit weitaus schlechter als durchschnittliche SUV, ganz zu schweigen von Reisebussen. Deren Hersteller schweigen zwar gerne über die Masse, weswegen ich nur einen Neoplan Skyliner in leicht unfairer Doppelstockbauweise finden konnte – aber 76 Reiseplätze in der Luxusausführung bei 19,1 Tonnen (inkl. gefülltem Tank) sind weit weniger als die Hälfte des ICE 4. Und auch wenn Züge für gewöhnlich länger halten: Sie haben auch weitaus weniger Belastungen durch den Fahrweg auszuhalten, keine Anforderungen an die Crashsicherheit, weitaus geringere an die Bremsen und lagern eine ganze Reihe von Funktionen wie "Lenkung" oder "Energieerzeugung" auf die Infrastruktur aus.
Und man rechnet idR. mit halber Auslastung. Zu Lastzeiten sind die Dinger aber voller als vorgesehen.
Außerdem doch die ICs (Gen 2) sind zumindest in Zukunft merklich langsamer. 160km/h Vmax.
Deine Einbremsung des ICEs wurde im übrigen schon durchgeführt. 250km/h beim 4er vs 320 beim 3er.
Aber das maximale Tempo ist nicht entscheidend. Wir brauchen 200km/h im Durchschnitt im ICE Fernverkehr.
Die ICE 4 sind nicht aus ökologischen Überlegungen langsamer, sondern weil sie für ohnehin nur 250 km/h taugliche Strecken eingesetzt werden sollen. Die letzte Bestellung der Bahn waren wieder Valero-D-basierte BR 407 "3M" (die Front erinnert eher an den 4er) für bis zu 320 km/h. Deutschlandtakt wird es ohne auch nicht geben.
Der niedrige Durchschnitt der deutschen Fernzüge liegt aber ohnehin an der deutschen Siedlungsstruktur. Wenn man alle 50 km an einer Milchrampe halten muss, ist auch die Hochgeschwindigkeit egal. Was es braucht sind mehr Sprinter und vier oder wenigstens dreigleisige Trassen mit gesicherten Durchfahrtsgleisen, damit langsame Züge überholt werden können.
Der Windausbau in Deutschland wurde durch Merkel und CSU quassi gestoppt, Solaranlagen kommen auch nur noch mäßig dazu. Das hat die große Koalition mit Blockarde, mit Wiedereinstieg in die Kernkraft, usw. sauber hinbekommen.
Bei aller Abneigung gegen die Große Koalition: Der Ausstieg vom Ausstieg war Merkel II und auch die Schließung der deutsche Solarindustrie hat die Union zusammen mit der FDP organisiert.
Das Wachstum der (Offshore-)Windkraft hat aber in der Tat die Groko gestoppt. (Windkraft an Land ist eher Ländersache. Die Bundesgesetze stimmen halbwegs, aber durch die Bauordnungen der unionsgeführten Länder bringt das nichts. Ich sag nur 10H)
Wie haben Spanien und Frankreich z.B. ihre Hochgeschwindigkeitsnetze für die Bahn relativ schnell hinbekommen?
Keine Sorge den Vergleich zu China ziehe ich nicht, aber wenn andere EU Staaten solche Sachen in der Fläche besser hinbekommen darf man die Frage schon stellen.
Spanien und Frankreich haben nicht die bescheuerte deutsche Siedlungspolitik. Da hast du einige große Metropolregionen und dazwischen Kleinstädte mit deutlichem Abstand zueinander. In Deutschland steht alle 5 km ein Weiler, ein Neubaugebiet im Grünen, ein 50 Seelen Kaff oder sonst irgendwer, der dank Union darauf pochen darf, dass im Umkreis von 10 km um seinen Garten garantiert keine überregionale Infrastruktur gebaut wird. Sowohl Bahn als auch WKA stören halt das Bild vom Häuschen im Grünen und können Geräusche von sich geben. Dreck und Lärm ist in Deutschland aber nur auf Pendlermagistralen quer durch Mieterviertel erlaubt.
Die Wertminderung des Eigenheims betrifft aber auch sämtliche Großprojekte die nicht erneuerbaren Energien dienen. Keine Ahnung warum du das nur auf Windkraft oder Pumpwerke beziehst.
Tierschutz wurde massiv ausgebaut weil es diesen vorher nicht unbedingt gegeben hat.
Die vorgebrachten Argumente sind sowieso nur Platzhalter. Die Betroffenen haben keinen Bock drauf, was im Rahmen reinen Egoismusses auch logisch ist, und nutzen jeden Strohhalm, um Projekte hinauszuzögern. Deswegen wird auch erst auf Lärmschutz geklagt, dann nachdem diese Klage in allen Instanzen gescheitert wird, stehen auf einmal Landschaftsschutz/Tourismus in Gefahr, erst danach hat jemand eine letzte Fledermaus in der Gegend gesehen, NACH deren Auffinden muss ein Plan für den Schutz der Kröten während der Bauarbeiten erarbeitet werden und bis all diese jeweils 5-6 jährigen Verfahren abgewickelt sind, hat ggf. tatsächlich ein etwas findigerer Anwohner oder echter Tierschützer es geschafft, eine wirklich seltene Vogelart zum Nisten zu überreden. Die Kehrseite der ganzen Story sind natürlich weiterhin die gewinnorientierten deutschen Unternehmen und Politiker: Natürlich könnte man die ganzen Gutachten zu allen negativen Auswirkungen eines Bauprojektes auch parallel im voraus binnen eines Jahres seriös erstellen lassen und hätte dann trotz dem lahmen deutschen Bürokratie nach zwei Jahren klare Verhältnisse. Aber das würde ja von Anfang an Geld kosten und gerade am Anfang muss alles kleingerechnet werden, auch wenn sich der angreifbare Pfusch am Ende doppelt und dreifach rächt.