ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Das meinte ich damit. Es ist ja schön und gut die Dinge so zu sehen, dass man die Welt nicht in einer miesen Kloake absaufen lassen will. Nur was nützt es einem, wenn es politisch schlicht und ergreifend keine Mehrheiten dafür gibt?
Hängt halt davon ab, wen man fragt. Unter Kolonialherren und Plantagenbestizern gab es auch keine Mehrheit für allgemein Menschenrechte.
natürlich ist es nicht egal wie was produziert wird, aber du solltest halt mal meine Antworten im Kontext lesen, wenn 8 Milliarden Menschen jeden Tag 1 Liter Kaffee oder 500g Schokolade jede Woche in sich reinstopfen, brauch es dafür auch entsprechende Ackerflächen um diese Mengen zu produzieren
500 g Schokolode/Woche ~= 7,5 kg Kakao/Jahr ~= 40 m². Das ist gar nicht mal sooo viel und die Mehrheit der Deutschen isst alters- oder gesundheitsbedingt deutlich weniger, der Schnitt liegt bei der Hälfte inklusiver aller Produkte, die Schokolade als Zutat enthalten. Das in vielen Restaurants immer noch angepriesene "argentische Rumpsteak" könnte einen größeren Hufabdruck haben. (Also ein einziges versus den gesamten Jahres-Schokoladenkonsum.)
Mensch lebt halt so vor sich hin, orientiert sich an der Norm
Die "Norm" ist keine Naturvorgabe, sondern entsteht daraus, wie die Leute leben.
Ansonsten greifen die Leute, so sich Klimakrise bei der Urlaubsplanung bewusst sind/parat haben, auf Relativierungen oder anderes Schönreden (Jobs für Einheimische, kultureller Austausch) zurück ... auch da würde ich nicht von Boshaftigkeit ausgehen. Wie Du zuvor schriebst, das Verhalten ist halt egoistisch, ignorant ...
Man kann alles schönreden. Selbst bei einigen der größten Greultaten der Menschheit haben die Täter das gemacht. Es gibt aber Grenzen, ab denen das nur noch Selbstbetrug oder schlicht Lüge ist und wenn es um regelmäßige Urlaubslangstreckenflüge gibt, sind diese weit überschritten.
Das mag sein. Vielleicht etwas verwirrend - aber hier ist kürzlich das Thema etwas weiter gefasst diskutiert worden - nämlich neben Treibhausgasemissionen, auch Zerstörung und Vergiftung der restlichen Natur, die der Mensch bisher weniger angetastet hat.
Ich bin etwas jünger als Du. Ich kann den Punkt nur wiederholen, dass der Treibhausgaseffekt bei mir in den 90ern Unterrichtsstoff war - mh, ich weiß allerdings nicht mehr wann genau, spätestens Oberstufe Ende der 90er. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Klimakrise erstmal im akademischen Bereich und im Feuilleton besprochen wurde.
Spätestens seit der Konferenz von Rio (1992) ist Klimaschutz als eigene Entität auf der ganz großen Bühne (nicht, dass die Mehrheit sich bis heute um den Unterschied zu Umweltschutz und darum, dass man das ZUSÄTZLICH machen muss, scheren würde). Damals haben auch afaik alle deutschen Parteien (selbst Union) Klimaschutzdiskussionen geführt, auf internationaler Bühne ging es die gesamten 90er über bis zum Kyotoprotokoll. Spätestens ab da sollte jeder, der sich auch nur im geringsten um Politik, den Planeten oder unsere Zukunft kümmert, davon gehört haben. Alle, die das nicht haben, haben sich entweder aktiv verweigert oder wollten allgemein nichts komplexeres wissen. Wenn man kein mündiger Bürger sein will, muss man aber halt auch die Klappe halten und akzeptieren, dass andere wortwörtlich besser wissen, wo es hingeht.
Da schließe ich mich durchaus Iguana an: Wer nicht spätestens in den 90ern Klimwandel auf dem Radar hatte, ist genauso wenig unschuldig, wie jemand der Anfangs der 30er "nicht wusste", wofür die NSDAP steht. Natürlich taten das jeweils Millionen tatsächlich nicht. Aber nicht, weil es verheimlicht oder schwer zu erfahren gewesen worden wäre, sondern weil sie nur an sich selbst gedacht haben und weiterhin denken.
Wer sich etwas näher mit Umweltthemen beschäftigt, sollte sogar schon deutlich früher vom Klimawandel gehört haben. Die ersten Konferenzen und nationalen Gutachten waren afaik in den 70ern, die internationale Diplomatie wurde in den 80ern aktiv. Klar gab es damals noch brennendere Themen, aber es wird ja bis heute immer irgendwas anderes als "wichtiger" vorgeschoben. Das entschuldigt nicht, gar nichts gemacht zu haben. Das Level "populärwissenschaftliche Berichterstattung" lag entsprechend früher (P.M. gabs afaik noch nicht und kenne ich aus den 90ern auch eher für Sensationen und halbe Märchen, aber z.B. in National Geographic wurden CO2-bedingte Klimaänderungen schon in den 60ern angesprochen), die rein akademische Debatte müsste in den 20ern oder 30ern des 20. Jhd. angefangen haben. (Die wissenschaftlichen Grundlagen für einen solchen Einfluss, also das was die Neofaschisten bis heute leugnen, waren damals übrigens schon seit einem Jahrhundert bekannt. "Neu" war nur die Erkenntniss, dass die Menschheit tatsächlich die Athmosphärenchemie auf globalem Level verändert.)
In meiner Lebenswelt ist mir die Naturzerstörung und Ausmaße auch erst nach und nach bewusster geworden.
Wenn du in den 90ern in die Schule gegangen bist, warst du naheliegenderweise schlicht zu jung und dein Informatinsfluss somit stark vom Elternhaus geprägt. So entdeckt jede Generation die großen Probleme für sich neu, während sie erwachsen wird.
Aber diejenigen, die heute höhere Renten mit frühen Einstieg auf Kosten der jüngeren kassieren wollen, die können sich nicht mit "ich war jung und naiv" rausreden. Deren Job als demokratische Bürger war es damals (zumindest im Westen), die richtigen Entscheidungsträger zu wählen und sie haben stattdessen die gewählt, die reichlich Geschenke auf Kosten kommender Generationen ausgezahlt haben. (Nicht nur beim Klima. Infrastruktur, Geopolitik, Rohstoffe, Staatsverschuldung - wäre die Welt wirklich nur von Kindern geliehen, kein Verleiher würde die so zurücknehmen, wie sie heute auf den Hof geschmissen wird.) Schuldig im Sinne der Anklage.
der Drops ist gelutscht, egal ob ökologisch, innen- oder geopolitisch gesehen und wird im Grunde wie auf der Titanic ablaufen, während wir in der ersten Klasse am Oberdeck dabei zusehen, wie die zweite und dritte Klasse vor uns absaufen wird, spielt bei uns bis zum Schluss die Musik und fließt der Champagner in strömen, der Unterschied ist nur, diesmal wird es keine Rettungsboote für Frauen und Kinder geben...
Kleiner Unterschied: Wir haben (noch) keine Eisengitter zu den unteren Decks. Sondern eine Bevölkerung, die in Panik gerät, nur weil von 20 Millionen Menschen mit akutem Fluchtgrund doch tatsächlich ein paar fliehen und dann wiederum ein kleiner Teil hier auf der Matte steht. Ich bin sehr gespannt, wer in ein paar Jahrzehnten sein wares Gesicht zeigt und Schießbefehl an der Grenze fordert und wer sich ob seiner Schuld in der Ecke zusammenkrümmt, wenn es Fluchtgründe für 2000 Millionen gibt und dass flächendeckend, sodass nicht mehr 90% in Nachbarländern hängenbleiben, sondern hier um den Faktor 1000 mehr Menschen bei uns um Rettung bitten, als es 2015-2020 waren. Und die wird man auch nicht nach ein paar Jahren zurückfliegen können, sondern erst im 3. Jahrtausend.
Na, so ein bisschen habe ich es zuvor angerissen, wofür es Mehrheiten gibt bzw. sie gewonnen werden könnte - bswp. finden günstigen und ausgebauten ÖPNV die Allermeisten gut,
Aber nur solange sie nicht die Steuern zu dessen Finanzierung zahlen sollen.
Steuersenkung auf vegane Lebensmittel (vor allem gesundes wie Obst, Gemüse, Sojaprodukte),
Dito.
Inlandsflüge,
Ich vermute, du meinst ein Verbot derselben - und dafür gibt es bis auf weiteres keine Mehrheit. Im Gegenteil, überall in Deutschland wird Flughafenausbau weiterhin als etwas gutes, erstrebenswertes praktiziert und proklammiert. Außer den unmittelbaren Anwohnern der Einflugschneisen ist niemand dagegen, entsprechende Parteien feiern Wahlerfolge. Und Kurzstreckenflüge (multiple im Jahr) innerhalb der EU werden quasi als Grundrecht empfunden. (Insbesondere auch von denen, die einem gleichzeitig weißmachen, dass Batterieautos ja für jeden Zweck ausreichen, weil man doch nie weiter als 300 km fährt. Sondern eben mehrfach im Jahr fliegt.)
Tempolimit
Kannst du komplett vergessen. Das einzige Tempolimit, für dass sich gelegentlich eine hauchdünner Mehrheit ausspricht, ist 130 auf Autobahnen. Aber nur, wenn die Fragen manipulativ nach "einem Tempolimit fürs Klima" gestellt wurde. Es gibt aber gar kein "Tempo 130 für Klima" und der Grund dafür ist der gleiche, wie für die erreichte "Mehrheit": Das fahren 90-95% der Leute schon heute, freiwillig.
Es gibt also nur eine Mehrheit für "Das eigene Verhalten gar nicht ändern, aber eine kleine Minderheit einschränken". Was dem Klima nahezu gar nichts bringt. Fragt man stattdessen nach mäßig wirksamen Tempo 100, also einer mittleren Verhaltensänderung bei der Mehrheit, oder gar nach deutlich spürbarem Tempo 80, dann sind nur noch sehr wenige dafür. (Und die dürften dann keine Autofahrer sein, also erneut nur für die Einschränkung anderer stimmen. Zugegebenermaßen teils von einem vorbildhaften Ausgangspunkt.)
... auch, dann die Leute weiter für EEs begeistern (BKWs, PV Anlagen auf dem Dach) und auch Mieter:innen mitnehmen (Mieter:innenstrom!), Rekommunalisierung von Netzen und Anbietern, Maßnahmen gegen Kinder- und Altersarmut,
Auch da gilt: Kaum jemand dafür, sobald das aus seiner Tasche bezahlt werden soll.
bundesweite Ermöglichung von Mietenbremse, Sanierungsprogramme
Dafür gibt es nicht einmal Mehrheiten, wenn es auf die Allgemeinheit umgelegt wird. Du hast mitbekommen, dass Merz Kanzler ist?
So könnte mensch wenigstens mal ein Statement setzen und womöglich Verschlimmerungen verlangsamen.
Ein Statement, dass immer noch hinter dem Kurs zurückbleiben würde, den wir zur Jahrtausendwende schon einmal eingeschlagen hatten und der aktiv wieder verlassen wurden. Die Leute zahlen offensichtlich lieber 100 Milliarden fürs Ahrtal als 5 DM für Benzin.
Blöd halt nur, dass ein Teil der 100 Milliarden unweigerlich auch aus meiner Tasche geklaut wird und ich, im Gegensatz zum Benzin, als Reaktion nicht einfach weniger oder sparsamer fahren kann
.Ich sehe für obiges am ehesten noch Die Linke geeignet
Nicht, solange die Braunkohle nicht abgewickelt ist. Die Kumpels, gerade im Osten, standen bei der Linken schon immer hoch im Kurs und was ich bislang an Klimaschutz in den Wahlprogrammen gesehen habe, wirkte immer wie von den Grünen abgeschrieben (in deren guten Tagen), tauchte nach der Wahl aber nie wieder irgendwo auf. Kein eigenes Interesse an Klimaschutz erkennbar. Stattdessen ganz viel "muss bezahlbar bleiben". "Bleiben"? Unser aktueller Lebensstil ist nicht "bezahlbar", sondern "untragbar", und jeder der anderes behauptet, will die Probleme des Status Quo zementieren. Unter Verbrauch von Mitteln, die immer dringender für Änderungen benötigt werden.
Aufm Land sieht das ganze wieder anders aus und da ist man einfach aufs Auto angewiesen. Wenn ich überlege alles mit Fahrrad oder ÖPNV erledigen zu wollen... na prost Mahlzeit - würde ich zeittechnisch gar nicht hinkriegen.
Nur ein winziger Teil der Deutschen "lebt" auf dem Land. Mittlerweile dürfte sogar über die Hälfte in Metropolregionen und Großstädten hängen, vom Rest arbeitet der Großteil zumindest in Mittel- und teils Kleinstädten. Das ist alles hinreichend dicht, damit sich ein ÖPNV lohnen kann. Man müsste halt aber mal die Wählen, die einen einrichten wollen, anstatt diejenigen, die mehr Straßen und mehr Subventionen für Autos predigen. 99% der Deutschen, die täglich mit dem Auto fahren "müssen", müssen das nur, weil die Mehrheit in ihrer Gegend ÖPNV ablehnt oder aber weil sie absichtlich weit weg von ihren Arbeitsort "ins Grüne" gezogen sind. Um selbst schön zu leben, während sie auf Straßen vor anderer Leute Haustür bestehen.
Wirklich Hardcore aufs Landleben festgenagelt sind nur Arbeiter in der Landwirtschaft nebst Angehörige, also wenns hoch kommt eine niedrige sechstellige Zahl an Menschen. Und genau die wiederum leben auch wieder in räumlicher Nähe zu ihrem Job, sodass tägliche Privatfahrten überflüssig sind. Bei allen andern ist es nur eine Frage der Planung oder des Willens - wobei "Planung" nichts weiter als "Willen der Gesamtbevölkerung" ist.
Zuletzt bearbeitet:
Egal, wie es bezeichnet würde, inhaltlich sehe ich es auch so. Mein voriger Vorschlag war weniger ein Entwurf von notwendigen Vorschlägen als einer im Sinne von befürworteten Voschlägen. Persönlich wäre ich für radikalere Ansätze - so wie Du es auch formuliertest.