Ich kenne mich mit dem Thema ehrlich gesagt null aus, mein Gedanken war nur folgender:
Alles auf dem Planeten Erde hat sich in der Zwischenzeit ggf. auf die Veränderungen in der Atmosphäre angepasst und wenn wir jetzt die Veränderung wieder Rückgängig machen, könnte das neue Probleme schaffen die vorher niemand absehen konnte, weil es einfach zu viele Parameter gibt um das berechnen zu können.
Die komplexeren/wertvolleren biologischen Systeme brauchen eher Jahrtausende bis -zehntausende, um sich an neue Bedingungen anzupassen. In den 100-200 Jahren, die bislang ins Land gegangen sind, insbesondere in den letzen 20-50 von mit der stärksten Veränderung, können nur einige sehr schnelle Pioniere einigermaßen reagieren. Also wortwörtlich das Unkraut, dass sowieso immer und überall durchkommt. Da braucht man sich also keine Sorgen zu machen. Zumal alle bislang vorliegenden Konzepte, wie man Treibhausgase wieder entfernen könnte, um das 100 bis 100000-fache aufwendiger sind, als gängige CO2-Freisetzungmechanismen. Das heißt selbst wenn wir uns dazu entschließen sollten (obwohl solche Schritte keinen motivierenden direkten Nutzen hätten), wäre die Änderung zurück zum Ausgangszustand um Größenordnungen langsamer, als der usprüngliche Wechsel => was auch immer schnell genug war, um auf letzteren reagieren zu können, wird bei einer Umkehr allenfalls von aktuem Einschlafen gefährdet sein, so langsam geht der Weg zurück.
Aber das ist allgemein eine Diskussion für die Menschen des 24. Jhd. oder später. Aktuell hat es die Menschheit, locker 60 Jahre nach Erkennung des Probelms, gerade einmal geschafft, dass die Emissionen nicht immer noch schneller steigern.
Die Beschleunigung des Anstiegs des zusätzlichen CO2s liegt also nahe 0.
Der Anstieg des zusätzlichen CO2s selbst ist immer noch verdammt hoch.
Selbst wenn der irgendwann mal 0 erreichen sollte (nicht absehbar), wäre der Bestand an gesammeltem zusätzlichen CO2 noch verdammt hoch.
Aber erst wenn man auch den auf 0 gesenkt hat, würde man damit beginnen, den (durch getriggerte Kipppunkte weiter bestehenden) Klimawandel zurückzufahren. Sich heute über die Folgen davon Gedanken zu machen ist in etwa so, als würde man fragen "wie weit kann ich noch zurücksetzen?", wenn man vor einer Parklücke "versehentlich" mit Vollgas nach vorn beschleunigt hat, mittlerweile mit 250 km/h auf eine Wand zufährt und es gerade ebenso geschafft hat, den Fuß soweit vom Gas zu nehmen, dass man nicht weiter auf 300 beschleunigt.
Desweiteren muss man rein technisch sagen: Wir haben keine Prozesse, die Treibhausgase zurückgewinnen können, und auch nur im entfernsten praktikabel/lohnend wären. Alle bisherigen Versuche, der Athmosphäre CO2 zu entziehen, verbrauchen ein Vielfaches, teilweise eher 100 denn 10mal, so viel Energie, wie ein fossiles Kraftwerk bei Freisetzung der gleichen Menge CO2 erzeugen würde. D.h. wenn du z.B. auf Island (was so ziemlich der einzige Ort der Welt mit realisiertem, kontinuierlichem Überschuss sauberer Energie ist) mit überschüssiger Wasserkraft mit erstaunlich brauchbarer Effizienz H2 elektrolysierst, dieses unter schon deutlich größeren Energieverlust in einen Tanker komprimierst, den Tanker mit satten Eigenverbrauch einmal um den halben Globus fahren lässt nach Indien fahren lässt, dort nur einen so großen Teil des H2 entlädst, dass der Tanker auch wieder zurückkommt, diese kleine Fraktion des ineefizient gewonnen und transpoierten H2 in einer Gasturbine verbrennst und damit Strom erzeugst, sodass im Gegenzug ein Kohlekraftwerk runtergefahren werden kann, dann hast du für die CO2-Bilanz des Planeten immer noch weitaus mehr getan, als wenn du mit der gleichen ursprünglichen Energiemenge versucht hättest, in Island CO2 aus der Athmosphäre abzuscheiden.
So ziemlich das einzige, was letzteres mit sinnvollem Aufwand hinbekommt, sind Pflanzen, weil die von alleine wachsen. Anstrengungen sollte man dagegen komplett auf die Vermeidung von Emissionen konzentrieren, nicht auf deren nachträgliche Umkehr. Das wird frühestens sinnvoll sein, wenn wir 99+% unserer Emissionen eingespart haben, als gar keine fossilen Kraftstoffe, keine anderen Ölprodukte und quasi kein Beton oder ähnliches mehr nutzen. Und mit "wir" meine ich nicht Schleswig-Holstein an einem windigen Tag, sondern die gesamte Menschheit das gesamte Jahr über.
Die Diskussion um den Golfstrom sehe ich deswegen als schräg, deplatziert an.
Die öffentliche ""Diskussion"" respektive die Panikmache einschlägiger Fraktionen, die all zu oft das Märchen einer drohenden Abkühlung gegen Erwärmungsbereichte stellen wollen, ist schon allein deswegen schräg, weil "der Golfstrom" überhaupt nicht bedroht ist. Selbiger, also die Ost-Nord-Ost gerichtete Strömung im westlichen Atlantik, ist im wesentlichen Teil des nordatlantischen Wirbels (weitere Hauptkomponenten z.B. Kanarenstrom und Nordäquatorialstrom) und der wird von den Passatwinden und der Westwindzone angetrieben. Solange unsere Athmosphäre einigermaßen ihre Dicke und der Planet Erde grob seinen Durchmesser beibehält, sodass es bei der Dreiteilung in Hadley-/Ferell-/polare Zone bleibt, werden diese Winde weiterhin bei ~30° nordlicher Breite Wasser zusammenschieben und solange Europa und Nordamerika bleiben, wo sie sind, wird dies nicht als zirkumpolarer Ring geschehen, sondern als Berg, um den sich dann ein entsprechender Kreislauf von Meeresströmungen bildet. Ähnliches gilt, zwischen Westwindzone und Polarwirbel, das bisschen, was Grönland an polarem Kreislauf im nördlichsten Atlantik zulässt. (Nur dass es hier eine Absenkung ist, um die das Wasser entsprechend gegen den Uhrzeigesinn kreist)
Durch den Klimawandel bedroht wird einzig und allein der nordwärts gerichtete Austausch von Wasser zwischen beiden Wirbeln und insbesondere der noch weiter in Richtung Norden, nach Skandinavien abzweigende Norwegenstrom. Nur bei dieser übergelagerten Süd-nach-Nord-Nettoströmung spielt die durch Schmelzwasser bedrohte thermohaline Absenkung eine Rolle. Aber das sind vielliecht ~20% des insgesamt aus Richtung Karibik gen Europa transportierten Warmwassers und selbst diese 20% sind nicht allein thermohalin getrieben. Zusätzlich gibt es dank der durchschnittlichen Lage der innertropischen Konvergenz auf der Nordhalbkugel auch noch einen Netto-Windtransport von Oberflächenwasser von der Süd- auf die Nordhalbkugel und der muss, solange die Kontinente sich nicht gleichmäßig über beide Erdhälften verteilen, durch einen Tiefenstrom und entsprechende Absinkbewegungen kompensiert werden. Ich hab die letzten 10-15 Jahre nicht mehr verfolgt, was an Erkenntnissen über das Verhältnis beider Kräfte erforscht wurde, aber es waren mal Werte von 30 bis 90% Windantrieb im Gespräch, was dann irgenwas um die 16 bis 2% rein thermohalinen Wassertransport gen Nordeuropa übrig lassen würde. Und dafür ist selbst in extremen Klimawandelszenarien nicht viel mehr als eine Halbierung im Gespräch.
tl;dr: Der Golfstrom kann sich die nächsten Jahrhunderte um maximal 1 bis 8% abschwächen. Für alles andere muss man den Durchmesser dieses Planeten, seine Schwerkraft (zwecks Änderung der Athmosphärendicke) oder zumindest aber die Lage der Kontinente radikal ändern.
Für diejenigen, die direkt vom Norwegenstrom abhängen (also insbesondere die nördlichen britischen Inseln, Skandinavien, und die mitteleuropäische Tiefebene von Holland bis weit ins Baltikum, ehe man weiter östlich langsam rein kontinentales Klima hat) wäre so eine Änderung zwar trotzdem eine verdammt schlechte Nachricht, die würden dann ein Klima wie Westkanada bis Südalaska entwickeln. Aber auch da kann man leben und Landwirtschaft betreiben (z.T. sogar recht gut, vor allem mit voranschreitender Erwärmung) und z.B. Spanien könnte recht normale, kalifornische Temperaturen erwarten. (N bissl wärmer pro Breitengrad als am Pazifik wäre es weiterhin, wegen dem kleineren Polarwirbel) Auch bei Niederschlagsänderungen sollte man nicht den gegenläufigen Trend des allgemeinen Klimawandels vergessen: Ein kälterer Nordatlantik würde relativ wenig Feuchtigkeit in unseren Westwinden bedeuten, aber die allgemein höhere Wasserlast bei globaler Erwärmung geht in die Gegenrichtung. Ich persönlich sorge mich wesentlich mehr Gedanken über die Verschiebung des Alpenabflusses aus dem Sommer in den Winter, wenn wir statt Schnee und -schmelze nur noch direkt ablaufenden Regen bekommen. Somit Hochwasserpegel im Winter, wenn die Äcker eh nass sind, und austrocknende Flüsse im Sommer, wenn Wasser dringend benötigt werden würde.
Aber mit sowas plausiblen, ganz ohne "Eiszeit"-Motiv, lockt man ja niemandem hinter dem (Öl-)Ofen vor.