AW: Anthropogener Klimawandel mit kleiner Erklärung
Machen die das echt? Ich hab natürlich einen subjektiven Blick auf Stellenanzeigen durch meine Fähigkeitsbereiche, aber da sind/waren Ausschreibungen außerhalb des öffentlichen Diensts eigentlich immer "ab sofort" oder umgekehrt "eigentlich lesen sie das hier 2 Monate zu spät". Und selbst im öffentlichen Dienst war alles außer Schwangerschaftsvertretungen immer "zum Ende der Bewerbungsphase", also auch Besetzung ASAP und etwas Vorlauf nur wegen der Ausschreibungspflichten/Verbot den Erstbesten zu nehmen. In meinem familiären Umfeld gab es in letzter Zeit ein paar Verrentungen, da lief das (in komplett anderen Branchen) aus Gegenrichtung genauso: Obwohl in solchen Fällen schon 2 Jahre voraus auf den Tag genau bekannt war, dass und wann die Stelle frei wird, hatte man sich bis zu diesem Tag noch nicht um eine Nachfolge gekümmert...
Würden Stellen regelmäßig z.B. 3 Monate im voraus ausgeschrieben werden, wäre das Problem selbst ohne Datenbank deutlich weniger ausgeprägt. Wer als Arbeitssuchender die Wahl "ab morgen in 40 km oder ab nächsten Monat in 4 km" hat, würde ja immer die letztere Stelle wählen. Aber branchenübergreifend* kenne ich es eher so, dass kurzfristig gesucht wird. Das heißt der Arbeitssuchende sieht von den "in einem Monat"-Stellen gar nichts und wenn er sich bei den weit-weg-aber-gerade-noch-so-machbar-Positionen nicht sofort bewirbt (und dann auch bereit erklärt, SOFORT anzufangen), riskiert, dass die Stelle weg ist. Also kann er auch nich einfach warten, ob sich noch was günstiger gelegenes ergibt. Aber das ist halt auch so wieder eine typisch deutsche Sache: Der Arbeitssuchende/-nehmer als Bittsteller, für dessen Interessen niemand einen Finger krum macht. Dabei würde mehr Vorausplanung und mehr Ehrlichkeit (vermutlich wird auch ein Teil der erst in mehreren Wochen frei werdenden Stellen "als sofort" ausgeschrieben werden, um Druck aufzubauen...) hier auch dem Arbeitgeber leichte und dem Klima deutliche Vorteile verschaffen.
*Umfasst keine IT-Entwicklung, für die aufgrund des großen Anteils projektbezogener Tätigkeiten möglicherweise anderes gilt.
Klar machen die das. Nicht alle, aber es gibt Firmen die sich rechtzeitig um Ersatz kümmern. Kurz vor knapp ist nicht weil man die Leute eh n wenig anlernen und kennenlernen muss bevor die wirklich produktiv eingesetzt werden können.
Oft werden die Stellen gemeldet, aber nicht ausgeschrieben beim Amt - das Amt bevorzugt es die aktuell zu besetzenden Stellen vollzustopfen egal wo wer lebt. Was bringt dem Amt da eine Stelle in 3 Monaten vor Ort beim Kunden wenn man dem jetzt sofort eine offene Stelle reindrücken kann die aber in XYZ ist? Ist doof, aber die machen das. Manchmal hat man einen guten Berater mit dem man klarkommt, die rücken einem nicht so auf den Pelz und wollen ernsthaft helfen und nicht einfach irgendwo den Kunden parken bis der wiederkommt.
Ämter machen nur das, womit sie die Regierungen beauftragen. Weder haben sie die Ressourcen für mehr noch dürften sie das überhaupt. Wäre ja eine Verschwendung von Steuergeldern, wenn es die Politiker nicht für gut befunden haben. Das Ergebnis sind Papierkriege ohne gleichen (im Amt typischerweise noch weitaus schlimmer als außerhalb) und vor allem ohne Fortschritt, weil im Amt alles mit Recht und Ordnung abgehen muss, ändert sich daran nur etwas, wenn das zuständige Ministerium die Ordnung bzw. das zuständige Parlament das Recht anpasst.
Ämter machen nicht nur das was man denen direkt aufgetragen hat. Beamte haben viel Spielraum um produktiver zu werden, sich die Arbeit zu erleichtern und nicht nur stur auf Vorschriften pochen.
Genau wie ein Polizist dir eine Verwarnung oder eine Strafe reindrücken kann - er entscheidet. Genau wie der Zollbeamte bei dir in den Kofferraum sehen will oder doch noch ins Handschuhfach und unter die Sitze. Oder die ganze Karre zerlegen.
Genau so können andere Beamte in den entsprechenden Ämtern (Arbeitsamt, Jobcenter, Sozialamt blahrg) sehr viel selbst entscheiden und sie handeln nicht stur nach Vorschrift. Sie arbeiten mit Menschen, nicht mit Robotern, deswegen ist individueller Zugang zu jedem Kunden und entsprechende Handlungen hinterher einfach normal. Klar gibt es Ausnahmen, ich hab mit dem Jobcenter und dem Arbeitsamt eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht.
Aber die meisten Politiker interessiert nur, was auf Wahlplakaten und in Talkshows funktioniert. Und die wenigen, die noch etwas weiter denken, haben auch abstrakte Ziele, aber niemand stellt sich mit der großen Vision "effiziente, helfende Bürokratie" hin. Und "für HartzIVer" und "gegen Pendler" ist für die meisten auch politischer Selbstmord, trotz aller Klima- und Gerechtigkeitsdebatten/-heucheleien.
Ach das ist kein politischer Selbstmord. Die gesellschaftliche Mitte schwindet doch immer wieder. Die finanzielle Mitte auch, die Mittelklasse an sich gibt es immer weniger. Man kann sich politisch nicht mehr an dieser Wählergruppe orientieren weil sie einfach schrumpft, veraltet und ausstirbt. Und junge Leute die aber schon in der Mitte angekommen sind (gut gebildete Jugend die eben einen guten Job gefunden hat und nicht einen wo man hoffnungslos überqualifiziert und unterbezahlt ist) - die pfeifen auf die Pfeifen in der Politik doch schon lange.
Ich gehöre zu den letzteren - anfang 30, interessanter und gut bezahlter Job der aber sehr rar ist und den Politikern traue ich nicht mal so weit wie ich die werfen kann. Ich erwarte von denen wenigstens Stillstand - wenn sich nix bewegt, kann nix kaputt gehen

Denn sobald die was angehen, geht es schief.
Aber so eng würde ich es nicht sehen, sobald wir frische Politiker haben und die alten Säcke ausgestorben sind, wird es besser. Leider dauert so was ne Weile
Das ist nicht nur für jemanden aus einer günstigen Ecke viel Geld, zumal ich bei meiner letzten Wohnungssuche meist 3 Kaltmieten gesehen habe und die m²-Preise für kleinere Wohnungen höher als für 100 m² sind, die sowieso räumlich unflexible Familien brauchen. Der große Knackpunkt ist aber "machbar, aber nicht jedes Jahr". Umgekehrt wird daraus nämlich: "Würde sich lohnen ab mindestens 3 Jahre". Und mittlerweile schreibt nicht einmal mehr der öffentliche Dienst unbefristete Stellen aus. Wer einen neuen Job antritt, muss immer im Hinterkopf behalten, dass der nach 12-18 Monaten wieder weg ist und bis dahin ist es sehr riskant, mehr Geld zu investieren, als man in dieser Zeit wieder reinbekommen kann. In Zeiten von Hire & Fire ist ein Umzug deswegen für viele eine Hochrisikooption und sie pendeln lieber.
Nun, deswegen zieht man ja in die Großstadt wo entsprechende Jobs in mehrfacher Ausführung vorhanden sind. Gerade wenn man eine schlecht bezahlte Stelle hat, ist das meistens etwas was tausendfach in der Stadt existiert - Putzkraft, Verkäufer schießmichtot. Deswegen wiegt es das auf, denn wenn man den Job in der Stadt verliert - man ist ja schon in der Stadt und sucht nen neuen. Anstatt auf dem Land zu hocken wo nix ist und sich wieder überlegen wo es denn jetzt hin geht und wie man dort zur Arbeit kommen soll.
Man muss auch anders rechnen, man darf nicht nur den Lohn und den Preis fürs pendeln zusammenrechnen und sagen - eh lohnt sich nicht. Man muss überlegen was man an Strecken spart wenn man in der Stadt ist. Alleine am Wochenende aus der Pampa in die Stadt fahren wegen nem Event und im Zentrum für 4€/h parken? Anstatt sich in den ÖPNV zu setzen und einfach in 10min in der City sein wo was lost ist? Stadt hat viele Argumente, zusätzlich zu der gewonnenen Freizeit (man pendelt halt nicht mehr) bekommt man noch viel mehr geboten und kann sich austoben oder sogar ehrenamtlich was gutes tun. Aufm Land haste doch gar kein Bock noch freiwillig was zu tun nach dem pendeln. Arbeiten, essen und schlafen + im Stau stecken - der moderne Arbeitssklave.
Ich habe es nicht in Bezug auf Rechtsbeistand erfahren, aber in allen anderen Hinsichten ist ALG1/Arbeitsamt PARADIESISCH im Vergleich zu ALG2/Jobcenter. Bei ersteren fühlst du dich wie ein normaler Kunde z.B. beim Metzger, bei letzteren wirst du behandelt wie das Schwein auf dem Weg zum Metzger und wehe du quiekst und willst irgendwas haben. Zwar hast du irgendwo am Ende Anrecht auf Prozesskostenübernahme, aber wahrscheinlich musst du die erstmal mit einem Anwalt einklagen
Ich kann die Erfahrungen hier nicht teilen. Sowohl ALG1 als auch ALG2 sind bei mir identisch gewesen was die Behördengänge angeht, die Freundlichkeit und den ganzen Rest drum herum. Mit ALG2 haste halt kein Geld, mit ALG1 je nach Verdienst hast du immer noch einen vernünftigen Kontostand der nicht jedem Monat ins Minus rutscht. Das ist aber auch der einzige große Unterschied. Fakt ist: recht haben und recht bekommen sind hier immer noch 2 Paar Schuhe, ohne Rechtsanwalt bleiben einem viele Türen verschlossen und anstatt sich zu ärgern ärgert man lieber die Gegenseite und zeigt der das man sich entsprechend wehren kann, aber zivilisiert. Und das wird immer härter, also muss man immer genug Reserven haben und gute Anwälte für bestimmte Bereiche kennen wo es wichtig ist.
Zu meinen Zeiten war es auf alle Fälle altersbezogen und als mit-20er kam ich so auf hohe 3000er/niedrige 4000er. Aber direkt nach dem Studium hatte ich nicht unbedingt volle Kassen (zumal ich meiner Freundin noch das Ende ihres Studiums querfinanziert hatte), obwohl ich normalerweise sehr aufs Geld achte. Die meisten Menschen in Deutschland machen das aber eben (leider) nicht, wie die Überschuldungsstatistiken regelmäßig beweisen. Unter meinen Arbeitskollegen gibt es durchaus welche, bei denen am Ende des Geldes noch Monat übrig ist und die einem zwar nicht sagen können, warum sie Produkt XY am Anfang des Monats gekauft haben, aber durchaus wie umständlich Geldabheben im Dispo wird...
Absolute finanzielle Unfähigkeit, aber eben kein Einzelfall. Die Mehrheit der deutschen Arbeiter lebt aus der Hand in den Mund und wenn dann die Hand aka der Job wegfällt, sehen vielleicht einige ein, dass das tierisch blöd war - aber in dem Moment ist es kaum zu ändern. Nicht umsonst ist eine der wenigen Hilfen die einem Jobcenterangestellte bei jeder Gelegenheit anbieten (müssen), ein Vorschuss der später verrechnet wird. Viele brauchen das leider, weil sie nicht einmal 2-3 Monate zwischen dem letzten Gehalt und der ersten Hilfe überbrücken können.
Und dann wundert man sich, dass bei Wahlen nicht einmal die politischen Aktionen Entscheidungen der letzten 2-3 Jahre eine Rolle zu spielen scheinen und die Menschheit als ganzes unfähig ist, 2-3 Jahrzehnte voraus zu planen.
Kenne ich auch, viele Leute haben aber auch viele laufende Kosten die über Verträge zusammenkommen, sie verlieren teils den Überblick, vergessen was zu kündigen blah. Dann schrumpft der Kontostand beachtlich und manchmal hat man nix davon (berühmtes Beispiel ist Fitnessstudio - Vertrag am Bein, man geht nicht hin und findet auch keinen der den Vertrag übernehmen will - man zahlt also für nix).
Rücklagen bilden hab ich schon in jungen Jahren gelernt (natürlich NICHT in der Schule, das wie so viele andere Sachen wie Steuern usw. werden einem da nicht beigebracht), ich musste immer Geld haben um DJ-Equipment ersetzen zu können etc. Die müssen ja nicht riesig sein, aber genug Geld auf der hohen Kante für schlechte Zeiten - das hat mittlerweile jeder begriffen, nur schaffen es einige nicht irgendwelche Rücklagen zu bilden. Und Altersvorsorge können die auch nicht.
Ich hoffe mal das Schulsystem wird reformiert damit die Menschen die entsprechenden Informationen und das allgemeine Wissen bekommen bevor sie besagte Verträge abschließen können und sich um die Altersvorsorge kümmern müssen. Also bevor sie 18 werden. Das würde sehr vielen helfen die dann schon mit 25 komplett überschuldet sind oder einfach Geldprobleme haben und das dauerhaft.
Und entsprechendes politisches Wissen muss den Schülern auch vermittelt werden - neutral, aber aufklärend. Dann sind sie auch nicht komplett Politikverdrossen und das schon vor ihrer ersten Wahl die sie überhaupt mitmachen dürfen. Das sollte doch reinpassen zwischen all dem nutzlosen Geschichtsstoff und schlecht umgesetzten Unterrichtsfächern wie Musik (wo man kaum was über Musik lernt - das meiste ist Geschichte und klassische Musik die zwar nicht verkehrt ist aber den Leuten nichts bringt) und Informatik (wo man eben auch nichts lernt weil alles veraltet ist inklusive Lehrer die nicht mit der dynamischen IT-Welt mithalten wollen/können). Viele Leute in meinem Alter und jünger haben wissen zwar wann wo welcher Krieg stattfand und welche Personen da umgekommen sind, aber sie haben keinen Plan von Politik, Finanzen, Steuern, Altersvorsorge und anderen Dingen die garantiert jeden treffen und das oft sehr hart.
Genauso habe ich das erwartet: Diejenigen, die ihre Umweltzerstörung mit "hier fährt ja nichts" begründen und rumjammern, dass "die in der Stadt" priviligiert wären, weil es da sowas wie guten ÖPNV gibt (den sie eh nicht nutzen würden, weil er dann wieder zu laut/voll/sonstwas ist, verglichen mit dem Privatpanzer), sind genau diejenigen, die die Parteien wählen, die sich gegen einen Ausbau stellen. Und dann "wundert" man sich, dass CDU-Kommunalpolitik im Vorort mit den rot-grünen Stadtteilen nicht über eine bessere Koordinierung/Verknüpfung von Bussen und Bahnen sprechen.
Das ist aber nicht neu. Die Mittelklasse schrumpft zwar, aber nicht in den Städten, die zieht ja vom Land in die Städte - bzw in die Randgebiete wo Einfamilienhäuser stehen usw. Die wählen entsprechend. Dazu noch der harte Rechtsruck gerade aufm Land. Die Karte hat hier deutlich gezeigt - wohlhabende Gegend, viele gut gebildete Leute dort, sie wählen Grün, Linke usw. Und die ärmeren Gegenden mit hohem Anteil an Sozialfällen, einfachen Arbeitern usw. wählen ganz anders. Leipzig ist zwar eine Ausnahme in Sachsen aber auch hier gab es dicke blaue Flecken auf der Karte wo die AfD ihre Wähler hat

Und das ist schon in der Stadt selbst, außerhalb sieht das noch viel düsterer aus, je weiter weg vom Stadtzentrum desto schlimmer wirds hier. Und kleine Städte hier sind richtig schlimm, sind aber auch nicht umsonst unten durch (Görlitz z.B. - da zieht doch keiner freiwillig hin obwohl die Stadt an sich billig und schön ist).
Ich sehe die Pendler ja ausm Fenster hier, ich sehe was das für Fahrzeuge sind - das sind oft Blechpanzer die über 30.000€ kosten und das schon in der Basisausstattung. Hier im Osten ist der Anteil solcher Fahrzeuge an sich recht gering - wir sind halt nicht in München oder Frankfurt - aber in den Randbezirken bzw außerhalb der Städte gibt es viele, in der Stadt kauft sich kaum wer so nen Panzer, die Stadtbewohner kommen oft mit kleinen Knutschkugeln aus wie Ford Ka, Nissan Micra, diverse Minis etc. - sind halt praktisch und passen in der Altstadt gut in die engen Parklücken.
Es sind also nicht nur Geringverdiener die hier pendeln, es sind viele Leute die gut verdienen, das sieht man auch oft am Anzug und Krawatte - wer damit auf Arbeit fährt und das in einem BMW der nicht ganz billigen Modellreihe, der verdient auch etwas mehr. Die wollen halt aber unbedingt in nem Haus aufm Land wohnen (Hund braucht auslauf!) und weigern sich ÖPNV, Fahrräder und alle anderen Alternativen zu nutzen selbst wenn sie vorhanden sind.