Nicht wenn er die Sicherheitsorgane des Landes mit Raketen beschießt.
Wie du selbst sagst: Das machen die wenigstens der russischstämmigen Ukrainer. Nicht gerade wenige sind dagegen aus den umkämpften Gebieten geflohen. (Wäre an der Stelle interessant zu erfahren, wie russischstämmige Ostukrainer aufgenommen wurden, die Richtung Westen geflohen sind. Waren zwar sicherlich eher wenige, weil man ja in unsicheren Zeiten eher was Bekanntes/Geborgenheit sucht, aber sicherlich auch >0)
Ja, die Lage hat sich scheinbar verschärft. Insgesamt will die Ukraine diese Woche 100.000 neue Kämpfer unter Waffen stellen. Die USA erwägen nach den erneut gescheiterten Friedensgesprächen Lieferungen von Defensiv-Waffen an die Ukraine. Es könnte sein, dass Kiew eine militärische Lösung in Betracht zieht ... Vielleicht ist es auch nur Säbelrasseln.
Hat da eigentlich jemand gehört, was mit "Waffenlieferungen zulassen" gemeint ist?
Wollen die USA Waffen -kostenfrei- zur Verfügung stellen (=staatliche Einmischung und Parteiergreifung in einem militärischen Konflikt explizit nicht mit dem Ziel, für Frieden zu sorgen), oder wollen sie einen Waffenkauf erlauben (=die üblich amerikanische Art Gewinn mit ""Frieden"" zu kombinieren...)?
Naja aus Korea und Vietnam ist auch kein 3.Weltkrieg entstanden, also hoffen wir das beste.
Die ukrainische Armee hat, bis auf wenige Ausnahmen, auf der Krim nicht einmal Waffen eingesetzt, als es da noch gegen scheinbare Paramilitärs/schwer bewaffnete Kriminelle ging, die ihre Stützpunkte angegriffen haben (!), dabei wäre das der ureigenste Job einer Armee. Jetzt stünden sie einem ungleich größeren Gegner gegenüber und müssten Russland zunächst den Krieg erklären, nachdem sie die bisherigen Ereignisse nicht offiziell als Kriegserklärung bezeichnet haben.
Da besteht imho keinerlei Gefahr. Nur für die Interessen Russlands, eine Landverbindung zur Krim zu erhalten oder zumindest Teile der Versorgungsinfrastruktur auf dem Festland zu übernehmen, sehe ich schwarz. Die wiederum werden Putin aber umgekehrt nicht so wichtig sein, dass er dafür erneute Provokationen gegen einen erstarkten Feind riskiert. Wenn man sich die jüngsten Meldungen aus Richtung Krim anhört (Versorgungslage wird schlechter, Lebensmittel sind, trotz des höheren russischen Rentensatzes, wohl mittlerweile teurer, als zu ukrainischen Zeiten, Wirtschaft liegt am Boden,...), dann scheint das Fleckchen Erde keinerlei Priorität mehr zu haben. Hauptsache, es gehört zum Reich - Prestige zählt.
Ob man die Ukraine auf absehbare Zeit wieder vereinen kann? Wenn die Ukrainer wirklich so einen Russenhass haben, muss man übeles erwarten, falls sie gewinnen.
Andersrum, wenn die Separatisten gewinnen werden sie wohl eher im Siegestaumel sein, als Rachegelüste zu hegen.
Schwierig zu sagen, da es keine repräsentativen Quellen gibt. Die Separatisten sind schlechter organisiert und haben keine Parallelstrukturen, da schaffen es die "wir werden alle umbringen"-Radikalos leicht vor die Kamera. Auf Seiten der ukrainischen Armee hört man dagegen nur Anfeidungen gegenüber den Separatisten, d.h. russischstämmige
Ukrainer hätten nichts zu befürchten (genau wie im Rest der Ukraine). Aber von den z.T. rechtsextremen Milizen auf Seite der Ukraine hört man gar nichts direkt und die werden ihre Waffen nicht geschlossen abgeben. Das könnte zum zivilen Problem werden. Genauso wie Teile der Separatisten im Falle einer Niederlage auf Guerillataktiken wechseln könnten, solange sie noch Unterstützung von außerhalb erhalten. Zivilgesellschaftlich also einiger Sprengstoff und obendrauf kommt die persönliche Note:
Vielen Ukrainern scheint es herzlich egal zu sein, wer regiert, solange sie wieder halbwegs friedlich und in annehmbaren Verhältnissen leben können. Aber vielen Ukrainern wird es überhaupt nicht egal sein, dass ihre Verwandten/Freunde/... getötet wurden. Wenn der Krieg zu lange andauert, so dass die politischen Position zu einer persönlichen Angelegenheit werden, steht da schlimmes zu befürchten.
Leider ist, in Anbetracht der unvereinbaren Forderungen, eine militärische Lösung die einzig absehbare überhaupt. Entweder eine durch militärische Gewalt oder durch das genaue Gegenteil. Aber die ukrainische Armee kann man nicht entwaffnen und es ist auch nicht absehbar, dass Putin die Belieferung der Rebellen unterbindet. Solange er sie auch nicht verstärkt könnte eine massive Aufrüstung der Armee ein (blutiger) Erfolg werden, der den Krieg zumindest beendet. Aber da würde ich nicht drauf wetten.
Wenn ich mir den Artikel so durchlese kriege ich den Eindruck, dass es sich um Defensivwaffen handel und nicht um Offensivwaffen.
Solange also keine Kampfhubschrauben und Boden-Boden Raketenwerfen dabei sind würde ich erst mal abwarten, was tatsächlich kommt.
Vielleicht wollen die US Rüstungskonzerne auch nur soviel Geld am Konflikt verdienen wie die russischen Rüstungskonzerne.
Dieser Krieg ist zu dynamisch und, auf Seiten der Separatisten, asymetrisch, als das du Offensiv- von Deffensivwaffen trennen könntest. In einem mobilen Bodenkrieg versuchen sowohl Angreifer als auch Verteidiger aktiv in eine Position zu kommen, um den Gegner zu töten. Die einzigen rein defensiven Waffen, die es bei der geringen Kampfentfernung geben könnte, wären Minen.
Und deren Einsatz wünscht sich wohl niemand.
Das ist das viel größere Problem in meinen Augen.
Schließlich ist das immer noch ein Land und sollte auch ein Land bleiben.
Niemand will Verhältnisse wie in Korea.
Die wirds auch nicht geben. Lugansk und Donezk sind zu klein und (waren) zu eng mit der ukrainischen Wirtschaft vernetzt, als dass sie sich als eigenständiger Staat abspalten könnten. Nachdem Putin einer Eingliederung die Absage erteilt hat, hat das Gebilde eigentlich keine Zukunft mehr.