Hätte der Westen nicht die Terroristen vom Maidan unterstützt, hätten wir heute noch die Ukraine in ihrer alten Form (samt Krim) und ca. 3500 Tote weniger. Das Problem ist nicht Russland, das Problem sitzt in Kiew.
Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass es sich bei Menschen, die gegen ihre eigene Regierung protestieren, nicht um Terroristen handelt ?
Wikipedia schrieb:
Unter Terrorismus (lat. terror „Furcht, Schrecken“) sind Gewalt und Gewaltaktionen (wie z. B. Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc) ... zu verstehen.)
...
Für den Terroristen gehören teils das Leben im Untergrund, der bewaffnete Kampf und die Inkaufnahme oder gar die Einplanung des eigenen Tods (Selbstmordattentäter) zu den typischen Merkmalen.
Wenn die Demonstranten auf dem Euromaidan in deinen Augen Terroristen sind, dann müsstest du die prorussischen Kämpfer in der Ostukraine erst recht als solche bezeichnen. Oder sind (gewaltsame) Demonstrationen für dich Terroranschläge, Angriffe auf Polizeireviere aber nicht ?
Von der Wortklauberei mal abgesehen:
Ich denke du hast in diesem Punkt völlig Recht, ausländische Regierungen hätten sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einmischen sollen. Die Bevölkerung der Ukraine ist etwa 50/50 zwischen den beiden Lagern (pro westlich/russisch) aufgeteilt, da ist es absolut nicht förderlich einer Seite künstlich zum Sieg zu verhelfen.
Man hat im vergangenen Jahren/Jahrzehnten immer wieder gesehen, dass solche Aktionen die Probleme langfristig immer vergrößert haben. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Vietnam, Iran, Irak, Afghanistan... Keinem dieser Länder haben die Interventionen von außen langfristig geholfen.
Aber was tun unsere Politiker nicht alle für schöne Fotos und gute Publicity...
Meiner Ansicht nach ist die einzige Methode, die sich langfristig bewährt hat, folgende:
Nationale Konflikte sollten national gelöst werden, und zwar ohne jeglische Einmischung von außen.
Ein wunderbares Beispiel sind hier die USA. Im 19. Jahrhundert waren die Amerikaner, genau wie heute die Ukrainer, in 2 Lager geteilt. Das eine hat die Sklaverei befürwortet, das andere war strikt dagegen. Da man sich nicht einigen konnte wurde der Konflikt mit militärischen Mitteln ausgetragen, und nach ein paar Jahren haben die Sklavenbefürworter dann verloren.
So ein Bürgerkrieg ist natürlich keine schöne Sache, langfristig hat er die USA aber in eine überaus stabile Nation verwandelt (Ich sage jetzt nicht, dass jede Meinungsverschiedenheit durch einen Bürgerkrieg gelöst werden soll, aber auf jeden Fall von den betroffenen Bürgern).
Eine Einmischung von außen bewirkt so gut wie immer, dass eine Partei an die Macht gelangt, die langfristig nicht in der Lage ist, das Land zu kontrollieren. Logisch, denn wären sie dazu in der Lage würden sie keine Hilfe von außen brauchen.
Es wäre jetzt aber falsch zu behaupten, dass sich das Ausland erst während der Euromaidan-Proteste in die Angelegenheiten der Ukraine eingemischt hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ostblockstaaten ist die Ukraine nämlich bis heute extrem Abhängig von Russland, insbesondere von russichem Gas.
Und genau diese Abhängigkeit wurde von Russland immer wieder ausgenutzt, um die politischen Gegebenheiten in der Ukraine zu beeinflussen. So hat die russische Regierung z.B. angekündigt, die Gaspreise im Falle eines Wahlsieges von Julija Tymoschenko zu erhöhen. Stattdessen hat die russische Regierung offen für Janukowitsch geworben.
Und jetzt erinnern wir uns einmal daran, weswegen Tymoschenko ins Gefängnis gehen musste:
Wikipedia schrieb:
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Tymoschenko 2009 mit Russland Verträge über die Lieferung von Erdgas zum Nachteil der Ukraine abgeschlossen hatte.
Tymoschenko soll also Russland, das die Gasverträge im Prinzip beliebig diktieren konnte, übervorteilt haben, nachdem Russland zuvor angekündigt hatte, die Gaspreise bei einem Wahlsieg Tymoschenkos zu erhöhen ?
Entschuldigung, aber wer hier keine Einmischung Russlands in die inneren Angelegenheiten der Ukraine sieht hat Tomaten auf den Augen.
Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen, Quellen gibt es dort auch:
Russisch-ukrainischer Gasstreit
Da hier immer wieder Worte wie "Doppelmoral" und "heuchlerisch" genannt wurden:
Russland hat sich lange vor den westlichen Politikern in die Angelegenheiten er Ukraine eingemischt, und zwar dauerhaft.
Wenn hier jemand eine Doppelmoral anwendet sind das diejenigen die behaupten, dass Russland sich erst nach den vom Westen unterstützten Protesten in die Angelegenheiten der Ukraine eingemischt hat.
Fairerweise muss man allerdings sagen, dass Janukowitsch sich wirklich bemüht hat, das Assoziierungsabkommen mit der EU voran zu bringen. Er hat die Verhandlungen letztendlich ausgesetzt, weil die Forderungen der EU immer weiter gestiegen sind und kaum erfüllbar waren. Die Ukraine brauchte aber nach der Finanzkrise dringend Geld, deswegen ist Janukowitsch am Ende auf das Angebot Russlands eingegangen und hat sich von der EU abgewendet.
Meiner Meinung nach haben hier alle großen Mist gebaut, sowohl Russland als auch die EU. Beide Seiten haben die (sehr realen wirtschaftlichen Probleme) der EU ausgenutzt, um eigene Interessen voranzubringen. Steinbrück wollte sich international für Demokratie einsetzen und schöne Fotos in der Zeitung sehen, Putin wünscht sich eine Pufferzone zwischen Russland und dem Westen.
Erreicht haben sie das genaue Gegenteil. Anstatt dem von Moskau durchgesetzten Janukowitsch hat die Ukraine jetzt einen Regierungschef, der überhaupt nicht gewählt wurde - zumindest konnte ein großer Teil der Opposition nicht an der Wahl teilnehmen.
Euromaidan - Wikipedia, the free encyclopedia
Als nächstes zu der ukrainischen Verfassung, die hier immer wieder gerne genannt wird:
Nach seiner Wahl 2010 hat Janukowitsch das Parlament über einen Gesetz abstimmen lassen, dass eine Verfassungsänderung von 2004 zurückgenommen hätte (Im Kern ging es um das Machtverhältnis zwischen Parlament und dem Präsidenten).
Diese Abstimmung ist
fehlgeschlagen. Das Parlament hat dem Präsidenten keine weitreichenden Machtbefugnisse eingeräumt.
Das war für Janukowitsch natürlich kein Problem. Nachdem das Parlament die Verfassungsänderung nicht zurücknehmen lassen wollte, hat er sie vom Verfassungsgericht schlicht und einfach für ungültig erklären lassen.
Und jetzt mal im Ernst, wenn eine Verfassung vom Machthaber nach Lust und Laune umgeschrieben wird, dann ist sie das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben steht.
Ich werde das morgen noch etwas weiter ausführen (unter anderem fehlt ja noch ein Fazit), meine Meinung sollte aber eigentlich schon jetzt klar sein: Das grundlegende Problem in der Ukraine ist nicht, dass dort irgendwelche Faschisten oder hastenichtgesehn die "rechtmäßige" Regierung gestürzt haben, sondern dass ausländische Regierungen extremen Druck auf die Ukraine ausgeübt haben, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen, was aus der Ukraine wird hat im Prinzip niemanden interessiert.
Naja, mal sehen was jetzt im Winter passiert. In den vergangenen Jahren hat Russland ja immer nach Neujahr die Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt, und ohne Gas hat die Ukraine gewaltige Probleme. Ich vermute, dass spätestens dann der Wechsel der Krim zu Russland akzeptiert wird.