Wir sind nicht wirklich unterschiedlicher Meinung und ich will das nicht schönreden, aber nur weil etwas nicht unmittelbar zum Erfolg führt, würde ich es nicht immer als unnütz beschreiben wollen.
Ich wollte da auch gar nicht dir widersprechen, nur meine Einschätzung zum Thema geben. Und da muss ich halt leider sagen: Ja, es ist ein Schrittchen in eine richtige Richtung. Genau so, wie Lieferung von Schutzhelmen vor 3,5 Jahren ein Schrittchen in die richtige Richtung war. Aber unsere Politiker haben leider die unschöne Angewohnheit, Monate über ein vielleicht irgendwann mal kommendes Schrittchen zu reden und sich danach weitere Monate damit zu brüsten, es gegangen zu sein.
Schrittchen ändern aber nur wenig an der Lage der Ukraine.
Und Schrittchen mit so großen Abständen und soviel Vorankündigung sind auch für Russland nur ein Mückenstich, auf den man sich vorbereitet und zu dem man auf Plan B umschalte. Was es braucht, um mit Sanktionen (oder auch anderen Maßnahmen) etwas in der Ukraine zu ändern, sind nicht Schrittchen, sondern Tritte. Arschtritte. Oder notfalls Schrittchen in rasanter Folge, also nicht 200 Schiffe alle 1-2 Jahre sondern 200 Russland unterstützende Reder (oder andere Händler) jede Woche. Undzwar solange, bis die Krim zurückgegeben ist und jeweils auf 10 Jahre darüber hinaus verhängt.
Zum Einen muss man irgendwo anfangen:
Ich bin mir nicht so sicher, ob eine Beschlagnahme (das wäre ja mein Favorit) des Schiffes inkl. Ladung nicht durchaus sehr empfindlich treffen kann. So lange bis es Abschläge auf russische Energieträger gibt, die wirtschaftlich untragbar werden.
Beschlagnahmungen sind rechtlich unmöglich, zumindest solange sich die Schiffe außerhalb von EU-Nationalgewässern exkl. internationalen Schifffahrtsstraßen befinden. (Und selbst dann wären schon ziemlich weitereichende und, wegen anderer Anwendbarkeiten, bedenkliche Grundrechtsänderungen nötig, um den Besitz von in Russland gekaufter Zivilware zur Straftat zu machen.)
Aber Sanktionen bis hin zu vollständigem Kooperations- mit Inner-EU-Aktionsverboten für alle, die auch nur entfernt was damit zu tun haben, die sind möglich. Wir müssen (und sollten) zwar gemäß internationalem Recht akzeptieren, dass diese Schiffe samt Ladung jemandem gehören. Aber niemand kann uns dazu Verpflichten, Freundschaften zu diesem Partners eines Schwerstkriminellen zu unterhalten, der uns ausdrücklich zu Feinden erklärt hat. Der Feind eines Feindes ist zwar nicht automatisch ein Freund, aber der Freund eines Feindes ist es nie.
(Oder sollte es nie sein, wenn unsere Diplomatie mal auf Gerechtigkeit und Stabilität, statt auf kurzfristigen Profit ausgerichtet wäre.)
Ich kenne mich echt nicht gut mit diesen Schiffen aus, daher nur exemplarisch: Ein mittlerer Tanker (?) mit sagen wir 1 Mio Barrel (je 159 Liter) Rohöl und einem angenommenen Kaufpreis von 57 US$ je Barrel (Sorte Ural ab Ostseehafen Marktpreis 03-2025) ergibt für mich einen kalkulierten Wert von knapp 57 Mio US$. Das tut schon richtig weh.
Wie gesagt: Du hast da ggf. einen unter trinidadischer Flagge fahrenden, aus Malysia berederten, von Phillipinen bemannten, im Tschad gescharterten Tanker, der für einen Inder Öl in katarischem Besitz nach Brasilien fährt. (Zumindest offiziell.) Wem davon nimmst du mit welcher Begründung sein Eigentum weg?
Bei den Schiffen kann man nur wenig machen. (Auch wenn das wenige höchste Eisenbahn wäre. Z.B. sollte man, wenn besagter Tanker auf dem Weg von Petersburg "nach Rio" ein paar Tage in der Nähe von Lampedusa in internationalen Gewässern neben einem zypriotischen Tanker liegt, das anschließend große Mengen Öl in Griechenland anlandet, obwohl er seit Jahren keine Ölförderregion mehr angelaufen hat, dann sollte man vielleicht noch dabei zugucken, wie maltesische Unternehmen Versorgungs- und Reparaturdienstleistungen an dem Tanker erbringen.)
Na das halte ich dann aber eher für sehr hochgegriffen.
Ich nicht. Wir haben bis heute keine Importverbot auf russisches LNG, Teile der EU importieren weiterhin über Pipelines, die Franzosen kaufen Uran, die Amerikaner Titan, der Handel mit vielen Altagsgütern läuft unverändert weiter und wir selbst haben zwei Jahre lang große Mengen Gas zu einem vielfachen des ursprünglichen Preisen abgenommen. Ich hoffe, dass die aktuelle Bilanz, also "diese Woche" etwas ukrainefreundlicher ausfällt, aber das erste Jahr wurde doch mit Ausnahme von Swift überhaupt nichts schwerwiegendes unternommen. Das ist ein dicker Batzen, wenn man die Gesamtbilanz aufstellt, schließlich war der Handel mit Russland ziemlich umfangreich und auch nur einen Teil davon weiterlaufen zu lassen, kann leicht ähnliche Dimensionen erreichen, wie die Aktivitäten gegenüber der Ukraine. Die bestehen schließlich primär aus Händeschütteln und "abwägen".
mMn darf er schlicht gar nicht daran teilnehmen, will er nicht sein Gesicht verlieren und sich vor aller Welt lächerlich machen.
Er muss also absagen und eine ebenso 2.rangige Delegation senden. Das ist eine Frage von Würde und Ehre.
Ich hätte es cool gefunden, wenn er genau das Gegenteil gemacht hätte: Die Aktion wie ""geplant"" (das da nichts zu planen sein wird, war sicherlich allen klar) durchziehen und eine Konferenz samt Abschlusserklärung mit allen durchziehen, die eingeladen waren und erschienen sind.
Ist doch nicht das Problem der Ukraine, wenn der Plan "Russland zieht sich zurück und erstattet sämtliche Schäden" einstimmig angenommen wird, weil Putin nicht zum dagegen-stimmen erschienen ist

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