@ruyven_macaran ... glaubst du wirklich, dass die Russen auf diese Infos angewiesen sind?
Was heißt "angewiesen"?
Wenn man sich SICHER sein will, das man alles weiß, ist jedes Stück Information hilfreich. Und das russische Informantennetz im Westen hatte schon immer große Lücken, das hat man 2022 ja schmerzhaft erfahren, seitdem sind noch einige Quellen ausgefallen. Bei allem, was nicht auf einem Satellitenbild zu erkennen ist (also z.B. alles, was in einen LKW/Container passt) haben die Russen folglich ein Problem, was die Informationslage rein aus Eigenbeschaffung angeht.
M.M.n. ist alles was derzeit in die UA kommt im Focus und wird analysiert. Alles was an der Front zum Einsatz kommt und Probleme bereitet wird sicherlich zuverfolgt. Nach meiner Einschätzung sind alle Angriffe auf das Hinterland gezielte Schläge gegen den Nachschub.
So wie gestern auf die Postverteilerstation? Hat da wieder einer Granaten bei Amazon bestellt, sodass ein halbes Dutzend Zivilisten unfreiwillig zum Bestandteil militärischer Nachschubwege wurde und abgeschlachtet werden musste? Oder willst du nur, wie immer, mit russophilen Behauptungen, die jeder Depp auf den ersten Blick als grundlagenlos erkennen kann, provozieren?
Deswegen hat aber trotzdem niemand ernsthaft Angst (und Panik sowieso nicht) vor einem NATO Angriff auf Russland.
Feindschaft bedingt keine Angst vor dem Feind. Und ein Angriff der NATO auf Russland ist auch für die allermeisten Russen genau eines: Vollkommen irrational.
Ich kenne die "Mehrheit der Russen" nicht persönlich. Aber man kann objektiv festhalten, dass sie bei einem Angriffskrieg mitmachen, der mehrfach mit der Bedrohung durch die NATO begründet wurde und dass ihnen regelmäßig erzählt wird, die NATO wolle angreifen, man müsse sich gegen die NATO verteidigen, die Handlungen der NATO rechtfertigt Abschreckung mit Atomwaffen, etc..
Die meisten Russen werden behaupten, dass es ihnen jetzt deutlich besser geht als vor 20 Jahren und das Putin daran seinen Anteil hat.
Meinst du vor 30 Jahren? Vor 20 Jahren war Putin schon eine zeitlang an der Macht, genoss europäische Unterstützung und Russland prosperierte. Vor 30 Jahren war man eher im Tal.
Aber so tief, dass "von einer Maschinengewehrsalve in Bachmut zerfetzt werden" demgegenüber ein Fortschritt wäre...
Ich weiß ja nicht. Denken die wirklich so oder liegt ihr Weltbild vielleicht doch näher an Putins Propaganda denn an der Realität?
Über etwas Bescheid wissen bedingt (leider) nicht, dass man auch die eigentlich zu erwartenden Handlungen daraus ableitet.
Siehe oben: Russland hat u.A. ein großes Minderwertigkeitsproblem und Putin bedient es mit seiner aggressiven Politik.
Außerdem: Wer denn sonst? Putin hat die Opposition Stück für Stück kalt gemacht und dem Volk vor Augen geführt, wohin Auflehnung führt: z.B. An offene Fenster in oberen Stockwerken
Man kann nicht im Alleingang 50% seiner Bevölkerung aus oberen Stockwerken werfen (vor allem nicht in einem Land mit vielen 1-stöckigen Dörfern!). Schon zur totalen Unterdrückung einer deutlich kleineren Minderheit braucht man einen ziemlich großen Machtapparat, der einem treu ergeben ist - siehe DDR, 3. Reich, China,... Aber wenn man die Berichte über ausgeprägte Korruption bis in die höchsten Instanzen russischen Institutionen (Behörden, Militär, Justiz,...) bedenkt, die regelmäßig sowohl gegen Putins Interessen als auch gegen die herrschende Rechtslage gehen, dann kann es mit der treuen Ergebenheit nicht weit her sein. Ganz im Gegenteil sieht es eher so aus, als würde der Zar nur ein paar Zügel lose in der Hand halten und damit den Willen einer großen Masse in die von ihm gewünschten Bahnen lenken. Oder anders gesagt: Am Regime Putin machen sehr viele Leute bereitwillig mit, da reicht ein kleiner Stups in die richtige Richtung.
Ich kann von hier aus nicht sagen, wieviel davon direkte Propagandahörigkeit ist und wieviel die Zuversicht, von einem überlegenen System Putin persönlich zu profitieren. Aber beides belegt ein gewisses Informationsdefizit/einen gewissen Realitätsverlust und im Falle des russischen Militärs haben wir das schwarz auf weiß durch hohe Verluste bestätigt bekommen. Von NATO-Sicht wäre es daher höchst fahrlässig, sich darauf zu verlassen, dass jetzt auf einmal alle Personen mit Entscheidungsgewalt im russischen Militär sowohl hochrational als auch vollständig über die reale Situation auf beiden Seiten der Grenze informiert wären. Man braucht nicht in Panik zu verfallen, dass das genaue Gegenteil der Fall ist, aber wenn man das Risiko klein halten möchte, dass es bei der nächsten Fehleinschätzung keine Drohne über dem schwarzen Meer, sondern eine Kaserne in Estland erwischt, sollte man überflüssig Anlässe für Fehleinschätzungen minimieren.