Schwerer Schlag für Putin: Erst die von Spezialkräften eingenommene Bohrinsel, dann zerstörte Kriegsschiffe auf der Krim und jetzt hat die Ukraine dort auch noch weitere Luftverteidigung ausgeschaltet. Kein Zufall, sagen Experten, und sehen darin einen ausgeklügelten Plan.
Erneut hat eine heftige Explosion die von Russland illegal annektierte Halbinsel Krim erschüttert. Auf Videos von Anwohnenden war am Donnerstag eine riesige Feuersäule zu sehen, die in den Morgenstunden emporstieg. Seit Monaten nehmen die ukrainischen Angriffe auf militärische Ziele zu. Diesmal zerstörten Drohnen nach Angaben der ukrainischen Behörden ein russisches Flugabwehrsystem vom Typ S-400. Russland erklärte, auch das Patrouillenboot „Sergej Kotow“ der russischen Schwarzmeerflotte sei von Wasserdrohnen angegriffen worden.
Die Angriffe sehen für András Rácz nicht nach einem Zufall aus. Der Experte für Russlands Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik vermutet dahinter einen sehr ausgeklügelten Plan: „Zuerst haben ukrainischen Spezialeinheiten die Bohrinsel mit den russischen Radaranlagen zerstört, was die russische Luftverteidigung und die russische Marine in diesem Teil des Schwarzen Meeres blind gemacht hat“, sagt Rácz im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). So hätten die Ukrainer vor wenigen Tagen auf der Krim landen und ein Flugabwehrsystem S-400 zerstören können.
An diesem Donnerstag wurde dort nun ein weiteres Flugabwehrsystem zerstört. Der offensichtliche Plan sei: „Die Ukraine öffnet hier gerade den russischen Luftraum über der Krim für weitere Angriffe mit Storm-Shadow-Marschflugkörpern.“ Die Russen hätten kein anderes Flugabwehrsystem als das S-400, das zuverlässigen Schutz gegen „Storm Shadows“ biete.
Welchen Plan die Ukraine verfolgt
Der Plan geht allerdings noch weiter: Im nächsten Schritt sei das Ziel der Ukraine vermutlich, die Russen dazu zu bringen, ihre Flugabwehr von der Frontlinie auf die Krim zu verlagern. Das könnte den ukrainischen Streitkräften bei ihrer Gegenoffensive helfen. „Mittel- und langfristig besteht das Ziel darin, die Krim für die Russen unhaltbar zu machen“, sagt Rácz. Spätestens, wenn die USA der Ukraine ATACMS-Raketen liefern, könne das ukrainische Militär jedes Ziel auf der Krim sehr leicht treffen.
Die Ukraine hat die Zahl der Angriffe auf die Krim zuletzt erhöht und den russischen Besatzern schwere Schäden zufügen können. Die ukrainischen Streitkräfte hatten erst am Mittwoch eine Werft des russischen Militärs in Sewastopol auf der Krim mit Marschflugkörpern und Wasserdrohnen angegriffen. Einige Drohnen konnten abgefangen werden, aber nicht alle. Ein großes Landungsschiff und ein U-Boot auf den Trockendocks wurden stark beschädigt. Die Militärbesatzung auf der Krim meldete zwei Tote und 24 verletzte Arbeiter.
Die Angriffe sind laut der ukrainischen Schwarzmeer-Expertin Yevgeniya Gaber ein klares Zeichen an Russland, dass die Ukraine nicht davor zurückschrecke, Krim und Schwarzes Meer mit allen Mitteln zurückzuerobern. Den Einsatz von Wasserdrohnen führt sie als Beispiel für die kreative Art der ukrainischen Kriegsführung an. „Die Wasserdrohnen können eine Marine nicht ersetzen“, sagt die Expertin in Odessa dem RND am Telefon. „Aber in Anbetracht des Fehlens einer echten Marine helfen sie der Ukraine sehr, die Fähigkeiten der russischen Seite zu neutralisieren und die russische Marine unter Druck zu setzen.“