Wenn die Russen wie vor ein paar Wochen (?) in der Lage sind mit einem grossangelegten Raketenangriff mal eben die halbe Stromversorgung der Ukraine zu beschädigen gegen die von Don so gelobten westlichen Luftabwehrsysteme offensichtlich nicht viel ausrichten konnten, dann frage ich mich aber mittlerweile schon was die möglicherweise anstellen könnten wenn sie wollten.
Meine Fangfrage richtete sich explizit an Tschetan.
Ich selbst gehe durchaus davon aus, dass einige russische Wafffen Präzisionen im untersten 2-stelligen bis 1-stelligen Meterbereich erreichen. Aber unser Chef-Putinversteher hatte bislang immer behauptet, dass tausende getöter, unschuldiger Zivilisten einfach nur das Pech hatten, zu nah an einer militärischen Installation zu stehen und das Raketen halt auch mal knapp neben dem Ziel einschlagen können. Das Putin aber nie, niemals, gar nicht absichtlich auf zivile Ziele feuern würde.
Das ist ein offensichtlicher Widerspruch zu der jetzt von ihm getätigten Behauptung, russische Waffen wären hochpräzise.
Zu deiner Frage: Außer Iris-T, dass es nur einmal im Raum Kiew gibt, hat die Ukraine bislang keine Abwehrsysteme, die gegen schnelle balistische Raketen wie Kinshal helfen würden. Bei den Waffen, gegen die es eine passende Luftabwehr gibt, reklamieren die Ukrainer regelmäßig Abschussquoten von über 80%. Nicht zwingend weil die Abwehrsysteme so schlecht sind, dass sie knapp 20% durchlassen, aber es gibt einfach nicht genug für das gesamte Land und ein Teil fliegt Ziele an, die schlicht unverteidigt sind. Bei Salven von 20-30-40 teils 80+ Flugkörpern resultiert auch aus diesen Ausnahmen reichlich Schaden, selbst wenn Russland teilweise 2-3-4 Schuss braucht, ehe in bestimmtes Ziel mal direkt getroffen wird. Das sind ganz klassische Sättigungstaktiken.
Offen ist derzeit aber, wie groß Russlands Lagerbestände an solchen Waffen sind - aus laufender Raketenproduktion können sie diese Angriffe jedenfalls nicht dauerhaft aufrechterhalten, sondern bestenfalls ein paar Mal im Quartal mit voller Kraft angreifen. Einzig die iranischen Drohnen sind billig und simpel genug, um sie regelmäßig in richtig großen Stückzahlen loszuschicken. (Jedenfalls solange mutmaßlich China die Steuersysteme liefert.) Aber die sind auch so primitiv, dass sie teils mit manuell bedienten Rohrwaffen erfolgreich abgefangen werden, ""moderne"" Systeme wie Jahrzehnte Jahre alte Gepards erzielen Abschussquoten von praktisch 100%. Diesen Spam kann Russland also nur gegen Ziele in komplett unverteidigten Gebieten einsetzen. (Wovon es natürlich nicht gerade wenige gibt, die Ukraine ist groß.)
Meiner Meinung nach ist damit der UKR und Russland durch die NATO jegliche Option zur De-Eskalation des Krieges genommen worden. Die UKR muss der NATO-Vorgabe entsprechen und wirklich "bis zum letzten Ukrainer/in kämpfen" oder sie ist raus und Russland darf das Erreichen der NATO-Vorgabe nicht zulassen, sonst haben sie einen NATO-Staat direkt an ihrer Grenze.
Häh? Hast deine eigene Quelle überhaupt gelesen geschweige denn verstanden?
WENN die Ukraine Mitglied werden WILL, dann muss sie die genannten Voraussetzungen erfüllen. Das ist nun wirklich nichts neues, genausowenig wie dass man als wanna-be-NATO-Mitglied a) demokratisch sein sollte und b) keine laufende Konflikte haben darf. Es ist also vollkommen klar, dass eine gegen Putin verlierende, in Folge fremdregierte Ukraine ebensowenig in die NATO eintreten dürfte, wie eine noch gegen Putin kämpfende.
Das heißt aber nicht, dass irgendwer der Ukraine umgekehrt vorschreiben würde, überhaupt eintreten WOLLEN zu müssen. Wenn die Ukrainer sich entschließen, lieber in freundschaftlich-militärischer Kooperation mit Russland zu leben und der NATO fern zu bleiben, können sie tun und lassen, was sie wollen. Das ist Stoltenberg dann herzlich egal. Es sieht nur derzeit nicht so aus, als wollten die Ukrainer das. Woran ein gewisser Oberrusse seinen Anteil hat.
Das einzige, was in Stoltenbergsaussage neu ist:
Dass die Ukraine überhaupt eine CHANCE auf einen Beitritt hat. Als sie das letzte Mal als demokratischer, in Frieden lebender, souveräner Staat darum gebeten hat, mitzumachen, wurde sie nämlich ausgeschlossen. Weil ein Nicht-NATO-nicht-Ukraine-Staat sich beschwert hatte. Diese, das Selbstbestimmungsrecht von Ukraine und von NATO-Staaten verletztende, Sperre wurde jetzt als Fehler erkannt und aufgehoben. Ab sofort wird keine Rücksicht mehr auf Putins genommen, der muss mit seiner Paranoia wieder zum Psychater gehen.
Oder zB Aufklärungsflugzeuge, Drohnen und Satelliten, welche an seiner Grenze fliegen und Daten an die Ukraine liefern, abschiesst ?
Russland hat schon eine US-Drohne aus internationalem Luftraum geholt, falls du das absichtlich vergessen haben solltest.
Passiert ist - außer einer diplomatischen Beschwerde - nichts. Und mehr ist da auch nicht zu erwarten. Die USA haben 70 Jahre Erfahrung in Aufeinandertreffen militärischen Geräts mit Gegenstücken aus Russland/russische geführten Nationen und umgekehrt. Quer durch alle Vorkommnisse gilt dabei: Wenn "Unglücke" passieren, weil sich jemand an einem Ort befand, für den er noch weniger einen plausiblen Grund nennen kann, als derjenige andere, der "zufällig" auch da war, dann kann man sich darüber beschweren. Aber mehr als den "Unfall" zu "bedauern", wird dabei nicht rumkommen.
Und derartige "Unfälle" beinhalteten in der Vergangenheit sogar schon den Abschuss von Luftfahrzeugen mit unklaren Absichten über eigenem Territorium (auch in der jüngeren Vergangenheit, wenn man den Blick auf ein paar andere Nationen z.B. rund um Syrien weitet). Solange niemand auf fremdes Territorium vordringt und dort offensiv Waffen einsetzt, sind das keine neuen Eskalationsstufen.
(Und wenn das einer macht, startet er halt klipp und klar einen Angriffskrieg.)