Wenn du es nicht kapieren willst, nicht mein Problem, die Ukraine hätte in 10-15 Jahren sehr viel Gas nach Europa exportieren können, mit einer vorhandenen und ausgebauten Infrastruktur!
Die Ukraine hat aber keine vorhandene geschweige denn ausgebaute Infrastruktur und man zieht in 10-15 Jahren auch keine Erdgasförderung von Bedeutung für den Weltmarkt hoch. Erst recht nicht ausgehend von einem Land, dass bis dato große Mengen Gas selbst importieren und somit erstmal den heimischen Bedarf decken muss. Ein Land, dass so ganz nebenbei wegen eines laufenden Bürgerkriegs und bestehender internationaler Gebietsstreitigkeiten fest auf der Blacklist sämtlicher potentieller Investoren stand und selbst bei jedem Cent abwägen musste, ob es den in die Wirtschaft oder in die Rüstung steckt.
Wer hätte dadurch massive finanzielle Einbußen gehabt oder sein ganzes Geschäftsmodell wäre bedroht gewesen?!
Alldiejenigen, deren Gestehungskosten höher sind als die der in deinem Szenario vermutlich in Europa einkaufenden Ukrainern. Also Norwegen, UK, USA, Kanada. Aber nicht die Preisdumper aus Russland. Auf deren Geschäft ein teurerer Konkurrent mit einem Bruchteil ihrer Kapazitäten, komplett ohne Exportinfrastruktur und hohem Eigenbedarf, praktisch keinen Einfluss gehabt. Das einzige, was in Russland gelitten hätte, wäre das Geschäft mit der Ukraine selbst. Und das war vor allem ein Machtinstrument, in guten Zeiten stark rabattiert und entsprechend arm an Gewinnen.
Du hast anscheinend immer noch nicht begriffen, das die RU ohne westliche Technologie nichts ist. Ihre vollmundigen Ankündigungen jetzt Pipelines nach China und Indien zu bauen, sind genauso heiße Luft, wie ihre militärischen Hochglanzprospekte.
Was ich von Russlands heutigen Möglichkeiten halte, habe ich oft genug hier im Thread geschildert. Wenn du unwillens bist, dass zu lesen: Dein Problem. Aber unterstell mir nichts, was ich nicht gesagt habe, nur weil du scheinbar nicht begreifst, dass Russland bis Kriegsbeginn ein extrem gutes Geschäft mit Europa einschließlich Zugriff auf Technologie hatte und das die Möglichkeiten der Ukraine wirtschaftlich ein Fliegenschiss dagegen waren und sind. Selinksy könnte morgen die weiße Fahne hießen und alle Ukrainer sich freiwillig zur Zwangsarbeit im neuen Zarenreich melden, die NATO sämtliche militärischen Verluste Russlands gratis ersetzen, aber Putin würde selbst dann, wenn nur die teils lächerlichen Subventionen aufrecht erhalten blieben und die Kehrtwende in der Energiepolitik Bestand hat, auf mindestens ein Jahrzehnt unter das wirtschaftliche Vorkriegsniveau zurückfallen. Er konnte selbst im Best-Case nicht mit kurz oder mittelfristigem finanziellem Gewinn aus diesem Konflikt hervorgehen, selbst im Best Case nicht. Das kann also auch nicht seine Motivation dafür gewesen sein. (Auch wenn er sicherlich mit weitaus weniger Verlusten geplant hat.)
Nicht zwingend, sofern der eigentliche Bau am Ende an China und Indien hängen bleibt und das würde er (aktuell) in so einem Fall, wäre aber realisierbar.
China wäre möglich, aber Indien verlässt sich da seinerseits eher auf die Russen.
Zumindest ersteres ist ziemlich wahrscheinlich (von letzterem habe ich keine Ahnung^^). Wer hat die ganzen Röhren gebaut, beispielsweise die Nordstreams? Im wesentlichen eine Firma namens "Europipe" in Mühlheim. Mit welchem Material? Deutscher sauergasbeständiger Spezialstahl von Thyssen und Dillinger. Das Know-How zum Bau und Inbetriebnahme, Materialtestung, Coating, usw.? Weitgehend "westliche" Technik und Ingenieure. Und der Betrieb an sich? Spätestens nach der Farce mit der Turbine vor nem Jahr ist eh klar, dass die Technik in den Druckstationen von Siemens stammt...
Ich will damit nicht behaupten, dass die Russen das auf gar keinen Fall selber können - aber es ist doch sehr sehr wahrscheinlich, dass sie sich dafür sehr strecken müssen und das Ergebnis trotzdem weit hinter dem zurückbleibt was bisher da gebaut wurde. Oder anders gesagt - ich vermute, dass sie mittelfristig mit den Pipelines und Anlagen klarkommen müssen, die schon da sind, weil neue bauen (und die bestehenden warten?) können sie alleine vermutlich nicht.
Hat Russland bzw. die Sowjetunion nicht große Teile der Netze im Land selbst gebaut? Ich glaube, nur die großen internationalen Exporttrassen sind mit westlicher Hilfe entstanden. Klar, der eigene Kram ist nicht so leistungsfähig wie Nordstream und vor allem kann man froh sein, wenn 50-60% des Gases am anderen Ende ankommt, aber wenn man sehr viel überschüssiges Gas hat, eine heimische Industrie die nach Aufträgen jeglicher Art giert und Kunden, denen außer dem Endpreis alles egal ist: Why not?
So läuft das bei und mit Putin und seinen Oligarchen - irgendwie waren die doch gerade erst Thema hier? Ergäbe durchaus Sinn, Nachschub kommt bei denen ja angeblich auch kaum noch an.
Das die weitere Aufrüstung Wagners gestoppt wird, ging schon im letzten Sommer rum. Ungefähr im gleichen Zeitraum, in dem Putin aufgehört, den Verein als internationales Machtmittel auszuweiten, weil er alle militärischen Ressourcen daheim brauchte. Dass/Wenn man jetzt auch das bestehende Niveau ausbluten lässt, kann sich Prigoschin aber vermutlich selbst zuschreiben. Man macht die Rechnung nicht ohne den Wirt und Putin ist imho im Moment noch zu stark, um von so einem allein gestürzt zu werden. Hätte er sich mit Kadyrow zusammengetan und beide zusammen noch ein paar Monate gezeigt, dass sie wesentlich mehr als das russische Militär drauf haben, hätte das anders ausgehen können.
Aber das ist eben das System Putin: Prigoschin und Kadyrow haben ihre Job bekommen, weil sie kooperationsunfähig sind und es haben zwei derartige Leute den Job bekommen, damit man sie gegeneinander ausspielen und an einem ein Exempel statuieren kann, ohne seine volle Schlagkraft zu verlieren, wenn mal jemand aufmuckt.