Bin ich eigentlich der einzige, der erst im Nachhinein mitbekommen hat, dass das Sprachrohr des Kremls dauerhafter Unterdrückung und Umerziehungslager für Ukrainer sowie explizit die Auslöschung von deren Kultur fordert? (Also all das, was Biden angeblich zu Unrecht vorgeworfen hat)
Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti hat einen Gastkommentar veröffentlicht, der zur „Entnazifizierung“ der Ukraine aufruft. Die Mehrheit der Menschen in der Ukraine seien zu Nazis geworden, gegen die man vorgehen müsse. Unterstützer der Regierung sollten vernichtet und die Bevölkerung...
www.rnd.de
Und wie soll er das wieder gutmachen, wenn er erst kürzlich die Fehleinschätzungen eingestanden hat?
Er wollte doch jetzt die Ukraine besuchen.
Ich weiß nicht. Was ist hilfreicher, wofür sich ein Politiker so einsetzen könnte:
- tatsächliche Lieferung leichter Waffen
- keine Blockade der Lieferung schwerer Waffen
- keine Verhinderung weiterreichender Handelsembargos
- Organisation internationaler Unterstützung für die Untersuchung von Kriegsverbrechen
- sowie deren Ahndung
- Shake Hands und in Anspruchnahme von Arbeitszeit, die ein Präsident im Krieg nicht übrig hat
?
Putin hat vorallem proklamiert die Russen in der Ostukraine zu schützen/retten vor angeblichen ukrainischen Nazis
Nope. Er hat die gesamte Ukraine als Brudervolk bezeichnet und in den Fällen, wo er sich auf russischstämmige Ukrainer beschränkt hat, keine zusätzlichen territorialen Einschränkungen genannt und die gesamte Nordukraine, aber auch große Teile der Küste sind zu erheblichen Teilen russisch geprägt. Gerade Odessa hat eine sehr große Community und das weiß man in Russland auch, schließlich hatte die Stadt größere Bedeutung in der eigenen politischen Geschichte.
Er wird auch nicht aufhören dort, auch wenns Monate geht denn mit leeren Händen kann er nicht zurück.
Eben. ER kann nicht aufhören und solange Russland nicht aufhört, kann es keinen frieden gibt. Also muss jemand anders als Putin für Russland aufhören.
Okay, deffiniere in dem Fall willkürlich.
"Ohne äußeren Anlass". Und somit auch ohne Möglichkeit für den Rest der Welt, derartige Anlässe zu vermeiden und sich dadurch Sicherheit zu erkaufen. Die Ukraine hat keinerlei Aggression gegenüber Russland gezeigt, lediglich totale Anbiederung verweigert, und wurde dafür teilbesetzt und in einen Krieg gestürzt, in deinem Szenario wird sie zusätzlich mit Atomwaffen verwüstet.
Dieses Schicksaal könnte auch jeden anderen Staat ereilen, der gegenüber Putin "keinerlei Aggression zeigt" und sich nicht unterwirft. Unterwerfen will sich der Rest der Welt aber nicht und er will auch nicht damit rechnen, jederzeit willkürlich in die atomare Vernichtung getrieben zu werden.
Aus Putins Sicht die er der Welt verkauft operiert er aus Verteidigersicht, also genau so wie das Statement als die deutsche Freiheit im Kunduz verteidigt wurde.
? Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Dem Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch (den ich übrigens nie gut geheißen habe), ging ein militanter Angriff auf einen engen Verbündeten vom Hindukusch aus voraus und die Bundeswehr hat keine atomare Verwüstung, sondern sogar etwas bessere Infrastruktur als vorgefunden zurückgelassen. Zudem konnte man sich gegen ihre Anwesenheit offensichtlich wirkungsvoll verteidigen.
Wie weit die USA mit ihren MiniAtombomben sind weiß ich nicht, so viel ich weiß wurden sie erst vor 2 Jahren in ihr Atomwaffenprogramm aufgenommen.
Dann bist du schlecht informiert. Je nachdem, wen man fragt, ist meist unterhalb 1-10 kt von "Mini-Nuke" die Rede. Die Standard-Freifallbombe der USA hat einen minimalen Yield von 0,3 kt. Von einer Wiedereinfuhr noch kleinerer Waffen wäre mit nichts bekannt, bis 0,011 kt kann man ohne die ganzen Nuklearscherereien mit konventionellen Waffen abdecken. Die alten min. 0,01 kt Sprengköpfe aus den 60ern und 70ern sollten aber noch in größerer Zahl eingelagert sein, falls man die gleiche Power mal in "tragbar" braucht.
Da verstehst du mich grundlegend falsch. Putins Propaganda beinhalten Botschaften, wir sollten sie lesen um auf mögliche nächste Schritte reaktionsfähig zu sein. Man muss schließlich wissen was als nächstes passiert.
Putins Propaganda will aber keine Schritte kommunizieren, sondern Stimmungen wecken. Wer Putins Propaganda glaubt, glaubt auch, dass 200000 Mann an der ukrainischen Grenze nur Manöver abhalten. Viel Spaß, wenn man dann darauf "reaktionsfähig" ist.
Es gibt nur zwei Aspekte an russischer Propaganda, die für uns interessant sind:
1. Welche Erwartungshaltung ruft sie (wie nachhaltig) in der russischen Bevölkerung hervor? Darüber definiert Putin letztlich selbst seinen politischen Handlungsspielraum
2. Welche Schwächen kommuniziert sie zur russischen Armee? Normalerweise gar keine, aber wenn selbst da was durchkommt, dann ist das die ultimative Bestätigung fragwürdiger strategische Bilanzen, die man sonst aus unsicheren urkrainischen Quellen ableiten muss. Der Umkehrschluss gilt aber nicht: Wenn Russland berichtet "wir ziehen uns aus militärischen Gründen im Norden zurück und stoßen im Osten vor", dann widerspricht der Teil mit dem Rückzug ihrem eigenen Bias und ist anzunehmen. Der zweite Teil könnte alles mögliche von einer Finte über einen Plan oder eine Hoffnung bis zu bloßer Bevölkerungsmanipulation sein.
Aber by the way erste Diplomatenregel schlecht hin: Willst du einen Feind besiegen, musst du ihn erst zu schätzen lernen.
Krieg fängt da an, wo Diplomatie aufhört. Hat ein Krieg angefangen? Eben. Da sollte man seinen Feind zwar auch respektieren, aber hinsichtlich seiner militärischen Fähigkeiten (hier liefern die Russen und die Ukrainer ja gerade ein wunderbares Beispiel ab, was passiert, wenn man seinen Gegner nicht richtig einschätzt).
Was man von seiner Person hält, ist im Krieg egal.
Und wenn du das nicht weißt, solltest du wohl aufhören, aus dieser Furcht bestimmte Handlungsforderungen abzuleiten, oder?
Mit einem Einsatz von Atombomben werden rote Linien überschritten
Aber nicht zwingend die roten Linien, hinter denen ein nuklearer Gegenschlag wartet. Die ersten drei aktiven militärischen Eskalationsstufen auf NATO-Seite dürfte die Aufnahme von Kampfhandlungen gegen russische Militäreinheiten in den exklusiven Kontrollzonen der europäischen Staaten (also 200 Meilenzone + Luftraum darüber), dann auch außerhalb und in Transitkorridoren (=> Kaliningrad...) und schließlich auch gegen militärische Versorgungs-/nicht-Kampfeinheiten in diesen Regionen sein, bevor auch nur ein (konventioneller) Schuss in Richtung russisches Territorium abgegeben wird. Aber bislang haben wir nicht einmal die passiven Optionen zur Verstärkung von Stationierungen innerhalb Europas näherungsweise ausgenutzt.
Leider. Da hätten viel klarere Signale schon lange vor dem Einmarsch kommen müssen. Vielleicht hatte das selbigen sogar verhindert, aber stattdessen ließ man Putin gewähren und der hat schon immer jede Gelegenheit ausgenutzt, die er zu sehen glaubte.
Was folgt wäre Vergeltung, aber wohl kaum ein Armageddon oder ?
Es gibt keinen "begrenzten Nuklearkrieg". Wenn eine Seite Zustand "X" als Anlass für den Einsatz von Nuklearwaffen ausreichend ansieht, dann wird sie den Zustand "X + wir haben gerade einen nuklearen Vergeltungsschlag" als ausreichend für den massiven Einsatz von Nuklearwaffen ansehen. Es gibt nur drei Stufen atomarer Konflikte:
1. Man lässt den Scheiß
2. Eine Seite lässt den Scheiß nicht, hält die Auswirkungen aber so klein, dass die andere Seite nur mit mehr konventionellen Waffen reagiert. Wenn die noch konventionell agierende Seite sich bereits in einer massiv besseren Position befindet (auch nach Abzug der nuklearen Schäden), als vor dem Krieg, kann so ggf. auch ein Waffenstillstand herbeigeführt werden. Bislang steht die Ukraine aber nicht vor Moskau.
3. Armageddon (respektive "alles was geht". Bei z.B. Nordkorea gegen Israel wäre es natürlich ganz das Ende der menschlichen Zivilisation -wenn man einer Menschheit, die sowas hervorbringt, überhaupt das Prädikat "zivilisiert" anheften möchte, aber bei Russland vs. NATO schon)
Ausnahmen sind nur durch disruptive Ereignisse möglich, wenn z.B. bei sich hochschaukelnden Schlag-Gegenschlagwellen Teile des Militärs einfach die Ausführung solcher Befehle verweigern. Man sollte sich aber nicht darauf verlasssen, dass ein russischer Soldat zum dritten Mal die Welt rettet.