Das mag schon sein und will ich gar nicht in Abrede stellen.
Aber, faktisch befinden wir uns im Krieg mit Russland, einem Wirtschaftskrieg, auch wenn es keiner laut aussprechen will.
Und wie immer geht es vornehmlich in einem Krieg darum,
den Gegner so weit wie möglich zu schaden und die eigene Position zu verbessern.
Wir, der Westen funktionieren dann, wenn die Wirtschaft funktioniert.
Was läge näher, uns genau in diesem Punkt massiv zu schaden auch zu dem Preis, dass das Gas schlichtweg über der Taiga schnöde abgefackelt wird.
Wie bereits geschrieben: Nichts läge näher, aber den Gashahn zuzudrehen würde in der aktuellen Situation eben nicht massiv schaden. Im November wäre das eine Katastrophe gewesen, ja. Und es bleibt abzuwarten, ob wir bis zum Herbst besser dastehen (und auch, wie Putin bis dahin in vielerlei anderer Hinsicht dasteht). Aber abgesehen von geBILDeter Panik in der Bevölkerung oder an den Börsen sind beim aktuellen Speicherstand, den laufenden anderen Versorgungswegen und dem zu erwartenden Bedarf der nächsten Monate einfach keine aktuen Probleme zu befürchten.
Es kursieren unterschiedliche Meinungen hierzu im Netz.
Es ist für mich nahezu unmöglich abzuschätzen...
Wenn das für dich unmöglich bist und Experten sich sicher sind, wieso hälst du dich dann nicht einfach an die Meinung der Experten?
Klar kann man das. Es ist Krieg. Schieber zur EU zu, Schieber zu China auf (beides dauert mehrere Tage) und alles was nicht passt und nicht speicherbar ist bis die Produktion gesenkt ist in einer riesigen Flamme über Russland abfackeln (oder ohne abfackeln in die Luft damit, ballert noch besser beim Treibhauseffekt). Greta freut sich.
Abfackeln macht man auch nicht direkt an einem aufgedrehten Ventil und ein permanenter, nicht brennender Gasaustritt in großem Umfang ist bekanntermaßen extrem gefährlich. Die Produktion laufen zu lassen und nur die Abgabe zu stoppen wäre tatsächlich kein einfacher Schritt. Und die Produktion auch zu stoppen, wie beschrieben, bei einem mehrwöchigen Stopp, ebenfalls nicht ohne Folgeschäden. Richtung China umleiten geht mangels Abnahmekapazitäten ebenfalls nur schlecht.
Die haben Wirtschaftsverträge, die sind mit $ und € als Zahlungsmittel abgemacht. Wenn die Russen das einseitg ändern, dann werden sie vertragsbrüchig. Ziehen sie das dann trotzdem durch, dann wird man sie über Jahrzehnte - auch über den aktuellen Konflik hinaus - als Wirtschaftsparia behandeln.
Es gibt nicht "die Russen". Es gibt den russischen Staat, der gesetztlichen Bedingungen für Zahlungen ändert und es gibt Verträge mit russischen Firmen, die in $/€ gehalten sind. Was aus diesen Verträgen wird, wenn sie ohne verschulden der Vertragsteilnehmer nicht mehr erfüllt werden können, könnte jeweils im Kleingedruckten oder in komplett anderen Gesetzen geregelt sein. Paria sind ungeachtet dessen sowieso und vor allem mit den russischen Energiekonzernen will jeder nur noch so kurz Geschäfte machen, wie es absolut unvermeidbar ist. Von daher ist das Risiko auf deren Seite überschaubar - die Einnahmen von ein paar Jahren. Aber das gilt auch für die ebenso überschaubare Wirkung und Devisen werden in Russland von Tag zu Tag wertvoller und werden das im Zuge der Wirtschaftskrise auch nach einem Ende des Konflikts bleiben.
Dann hat man entweder Ausstände in $/€ für etwas, dass man sowieso irgendwie loswerden musste. Oder nicht.
Für mich sieht es so aus, dass beide Seiten
Das wird vermutlich aber auch Russland machen, denn russisches Vermögen wurde auch eingefroren bei EU-Banken.
Eingefroren wurde auf Seiten der Ukraine-Unterstützer Vermögen des russischen Staates als Führer eines Angriffskrieges sowie einiger Einzelpersonen, die sich höchstselbst persönlich durch Unterstützung von Verstößen gegen internationales Recht auf die Sanktionsliste gebracht haben. Aber kein privater Besitz im Allgemeinen.
Russland dagegen einfach Flugzeuge von Unternehmen beschlagnahmt, die in keinem Bezug zum Konflikt stehen aus Ländern, die sich an sämtliche Rechstabkommen halten. Das ist nicht im geringsten vergleichbar: Auf der einen Seite "wenn du selbst dich an Menschrechtsverbrechen beteiligst, ist dein Vermögen erstmal blockiert" vs. "wenn du kein Russe bist, ist dein Vermögen weg".
Ein vergleichbarer Schuh wird erst daraus, wenn man bei uns das eingefrorene Oligarchenvermögen anzuzapfen beginnt. Das wird aber nicht so schnell passieren, weil wir keine billigen Strauchdiebe sind.
Nein, selbst dann wird kein Schuh draus, denn die Oligarchen haben selbst Dreck am Stecken. Eine vergleichbare Maßnahme wäre es, z.B. von serbischen Oppositionellen kontrollierte Flugzeuge einzukassieren (die in Russland beschlagnahmten sind afaik z.T. nicht mal in EU-Staaten registriert, wegen der üblichen Steuervermeidungstricks), weil sich Serbien an die Seite Russlands gestellt hat.
So einen Schuh zieht sich im Westen aber keiner an. Nur Putin tanzt auf den Zehen anderer.