hoffgang
BIOS-Overclocker(in)
Wenn man die Fixierung entlang von Straßen betrachtet ist Finnland '39 gar nicht soweit weg.Es ist ja auch ehr verwunderlich.
Man gewinnt schon fast etwas den Eindruck man hätte da die von Stalin durch alle Ränge hindurch gesäuberte Sovjetarmee des Finnlandkrieges '39 vor sich, so stümperhaft läuft das da in Teilen in der Ukraine ab.
Sie zu erkennen ist das eine und objektiv möglich, diese zu erklären wird tief ins Spekulative abgleiten müssen. Ich würde zudem nicht ausschließen, dass wir hier eine Mischung aus nicht zutreffenden Annahmen (z.b. über die Abwehrbereitschaft der Ukrainer) und äußeren Einflüssen haben welche die russische Invasion maßgeblich beeinflusst haben.Diese Stümperhaftigkeit aber ist definitiv nicht ausschließlich damit zu erklären das Putin die oberen militärischen Führungsriegen gegen loyale Nichtmilitärs ausgetauscht hat, davon waren ja die unteren Grade nicht wesentlich betroffen, aber selbst dort scheint es doch seit Beginn des Krieges mehr wie bei einem Haufen kopfloser Hühner abzulaufen, als wie bei einer Armee die weiß was sie da eigentlich macht...
Beispiel: Die Russen sind so darauf fixiert entlang von festen Straßen vorzustoßen dass es für eine moderne Armee schon fast ins unfassbare grenzt. Gründe dafür könnten die schlechte Wartungsmoral sein die in sozialen Medien kolportiert wird, aber, auch der Faktor, dass die Bodenbeschaffenheit mittlerweile deutlich schlechter ist als noch vor ein paar Wochen. Ich hab vor Wochen eine Bewertung gelesen, dass Russland China nicht ans Bein pinkeln will und während der Olympiade nicht angreifen wird (was ja am Ende auch so passiert ist, ob der Grund zutreffend war oder nicht) - was den massiven Nachteil hatte, dass man von gefrorenem, festen Boden zu Schlamm gewechselt hat, letzteres offensichtlich ein riesen Problem für die Russen, das führt zur Fokussierung auf Straßen, das zu massiver Anfälligkeit der logistischen Kette und auch dazu, dass im Grunde keine Schlagkraft entwickelt werden kann. Dadurch werden z.b. auch einfachere Panzerabwehrwaffen deutlich effektiver.
Anderes Beispiel: Teilweise komplette Vernachlässigung sämtlicher taktischen Grundsätze, wie die Landung bei Hostomel am ersten Kriegstag gezeigt hat. Klar kann man Luftlandetruppen in der Tiefe des Raumes anlanden lassen, das ist kein Thema. Das in unmittelbarer Nähe zu einer Millionenstadt & einem Verteidigungsschwerpunkt der Ukrainer zu tun, ohne auch nur den Hauch einer Chance diese Truppe irgendwann zeitnah zu entsetzen ist...
kreativ? Dabei muss beachtet werden, die Kämpfe bei Tschernobyl wurden NACH der Landung gemeldet. D.h. die Truppe die am ehesten geeignet war, die Luftlande zu entsetzen war 130km entfernt in Kämpfe um eine Engstelle verwickelt. Warum man auch über den Prypjat angreifen will erschließt sich mir nicht. Marschengebiet, nur zwei Übergange über den Fluss, kaum Möglichkeiten Brücken zu schlagen, ein Atomkraftwerk in der Nähe... Wenn Tschernobyl das Zwischenziel des Angriffs war, ok. Aber dann klappt halt keine Raum-Zeit Berechnung für die Luftlandung in Hostomel.
Beispiel ausbleibende Angriffe: Was ist mit der Truppenkonzentration die immer an der Grenze Belarus-Polen gezeigt wurde, wenn diese gen Süden angreift zieht das Verteidiger auseinander. Nicht passiert. Die Landung bei Odessa, nicht passiert. Eine Offensive aus den besetzten Gebieten, nicht passiert.
Die Russen hatten westlich des Dnjepr genau EINE Angriffsachse gen Süden, eben jene die Tschernobyl nehmen sollte und dann gen Kiew vorstoßen soll. Kann man machen, lässt halt sehr sehr sehr viel Raum für die Ukrainer um Truppen zu verlegen bzw. aus anderen Gebieten - von denen man ausgegangen ist, diese verteidigen zu müssen - abzuziehen. Ggf. ist das geschuldet der logistischen Versorgung und damit Teil des Plans, jede Angriffsachse will versorgt werden und wenn man sich schon mit dem schwertut was man hat, dann muss man sich nicht überladen. Dann kassiert man halt die anderen Nachteile.
Möglicherweise - ich spekuliere hier - wurde dem eigenen Narrativ zu viel Beachtung geschenkt und man hat wirklich geglaubt große Teile der Bevölkerung von einem Regime zu befreien. Dann wurde man recht schnell von der Realität eingeholt und jetzt macht Russland das was es in Tschetschenien & Syrien gelernt hat.
Indeed. Es wird eine Mischung aus all diesen Komponenten sein.Ja es wird interessant werden welche Gründe sich für dieses massive versagen der russischen Armee da in der nachträglichen Analyse rauskristalisieren werden, wobei ich denke das man Material im Grunde schon von Anfang an ausklammern kann, was man da aus der Ukraine zu sehen bekommen hat sah das so aus der Weite betachet nicht nach einer größeren Baustelle aus.
Die Fehler müssen also im einzelnen irgendwo in der taktischen, logistischen und politischen Struktur, sowie der Moral der Truppe, zu suchen sein.


