Angesichts der Komplexität des gesamten Unternehmens und der damit verbundenen notwendigen Planung, erschien mir das gestern auch schon zu stümperhaft.
"Ungereinigt" muss nicht heißen, dass übereilt abgezogene False-Flagger 3 kg C4 haben am Tisch kleben lassen. "Ungereinigt" kann auch bedeuten, dass das Geschirr nicht gemacht und Schuhabdrücke an Deck waren. Und das mit Ansage, denn bei vielen Verleihern muss eine Endreinigung sowieso bezahlt werden. Der Tisch dagegen war ggf. gründlich geputzt, aber wenn die Polizei erstmal eine Spur hat, lässt sich Sprengstoff auch in verschwindend geringen Mengen nachweisen.
Verdächtig ist an der Sache etwas ganz anderes:
Wer plant eine hochkomplexe Montageaktion und teilt den Sprengstoff dann erst wenige Stunden vor der Platzierung auf? Zumal als (angeblich) direkter staatlicher, professioneller Akteur? Zu erwarten wäre eigentlich, dass an Bord nur noch fertige Sprengladungen gehandelt werden und das in einer Transportverpackung, die allenfalls mal in die Kabine gestellt oder direkt an Deck belassen wird, bis man sie ins Wasser hievt.
Was man aber nie vergessen darf: Gerade das mag auch eine absichtlich gelegte Fährte sein. Bei diesem Thema kannste eigentlich keiner Partei Glauben schenken. Jede Seite hat da ihre Eigeninteressen.
Sag ich schon seit dem Anschlag selbst: Die Umsetzung desselben ist so simpel, dass dutzende Akteure in Frage kämen. Wann immer jemand mit einer komplexen These anrückt, die auf jemanden bestimmtes weisen soll, sagt das also mehr über den Spekulierer aus, denn über die tatsächlichen Ereignisse. False Flag? So naheliegend, dass ein Akteur auch absichtlich leicht findbare Hinweise auf sich selbst und etwas schwerer erkennbare auf seinen ärgsten Widersacher legen könnte, um diesem eine False False Flag anzuhängen. Oder war es False³? Oder hat einfach jemand Stümper angeheuert, weil die für den Job reichen? Nicht bei sich, sondern wo immer sie billig waren?
Wenn man ohne Vorurteile rangeht, ist alles möglich. Nur die Ermittlungen können einen weiter bringen. (Und zwar die vollständigen, keine zu ÖR durchgesickerten Einzelelemente)
Die Logistik halte ich für gar nicht mal so schwierig. Komm mal zu mir nach Kiel im Sommer, wenn die Yachthäfen noch voll belegt sind und ein ständiges Kommen und Gehen von Leuten mit Gepäck und der Anlieferung von Versorgungsgütern mit Sprintern herrscht. Da wundert man sich auch nicht über Leute, die kein Deutsch können. Diese Häfen sind Multinational benutzt.
/sign
"Eine Gruppe von Leuten quartiert sich auf einer Charter-Yacht ein und belädt den Kahn erstmal" ist ein stink normales Ereignis. Erst recht wenn es auf eine ggf. vieltägige Tauchtour gehen soll; vielleicht noch mit ein paar tieferliegenden Wracks. Das sehr hohe Gewicht der bislang vermuteten Ladungen wäre zwar außergewöhnlich, aber wenn man es in mehreren Ladungen ranschafft, ggf. noch auf mehrere Häfen verteilt - niemand weiß Donnerstag abend in Laboe, was der Kahn Mittwochvormittag schon in Schilksee geladen hat.
Da niemand meinte, man müsse NS1 + 2 komplett 24/7 überwachen, wird es auch kaum einen geben, der da was mitbekommen hat. Wenn man dazu noch bedenkt wie krass befahren die Kadettrinne ist, dann wird einem auch sehr schnell klar, dass ein Yacht ohne Transpondersignal nicht mal sonderlich auffällt.
Selbst mit Transponder (hatten die überhaupt einen?) fällt eine größere Yacht nicht unbedingt auf. Mehrtägige Tour, über Nacht bleibt man an einer geeigneten Stelle auf Position - why not? Vor Bornholms liegen Wracks. Wer da einen langen Tech Dive plant will möglicherweise am nächsten Morgen gleich vor Ort sein und nicht erst noch eine längere Anfahrt aus einem gemütlichen Hafen in Kauf nehmen. (Weiß jemand, welcher Seegang an der vermuteten Tagen im Zielgebiet war?)
Das mag auch erklären, warum man mit "nur" zwei Tauchern auskam. Wenn die genug Zeit hatten, dann war das ein ganz entspanntes Unternehmen.
Viele Taucher machen so einen Job nicht einfacher. Wichtiger wäre eine Winde, mit der man das Material runterlässt, damit es !ein! Taucher nur noch in Position schieben muss (ggf. unter Nutzung eines Scooters). Bei Profis bleibt der zweite sowieso als Sicherung an der Oberfläche. Nächster Tauchgang umgedreht und einen Tag später ist man an der zweiten Position.
Alleine für die Ortung der Pipelines bedarf es neben sehr gutem GPS (nicht das Zeugs auf irgendeiner Yacht mit vielleicht 5 m Genauigkeit analog zum PKW) auch ein professionelles Sonar.
Für den Tauchgang in 30 m oder mehr braucht man Zeit (Druckausgleich), es müssen Profi-Taucher sein, die im militärischen Umgang mit Sprengstoff erfahren sind und vermutlich hundert andere Rahmenbedingungen erfüllen.
WTF? Lebst du in den 60ern?
Ein Fächersonar bekommst du schon fast für zweistellige Summen (
spontaner Suchtreffer). Damit reichen dann auch die 5-10 m GPS+GLONASS+BAIDU-Präzision eines üblichen Smartphones, die Feinlokalisierung kann man 70 m über dem Ziel eh nicht via Satellit machen, sondern eben mit Lot oder Kamera. (Kostet für die Tiefen etwas mehr, aber nicht unbedingt viel.
zweiter 10-Sekunden-Suchtreffer)
Und das höchstwahrscheinlich genau so zweistufig vorgegangen wurde, ist ja nun schon seit Monaten bekannt. Ein Hochpräzises GPS hätte nämlich, im Gegensatz zu einer nach grober GPS-Positionierung eingesetzten akustischen oder optischen Methode, die beiden Stränge von NS2 bei Platzierung der vierten Ladung unterscheiden können. Offensichtlich war man aber nur grob über der richtigen Trasse und hat dann das erst beste Rohr attackiert, dass man dort vorgefunden hat.
Bei der Zeit sehe ich auch kein Problem 10 min Grundzeit (2-3 davon eher Abtauchzeit) bei 63 m (tiefer geht Deco 2000 nicht) bedeuten weitere 23 min zum Auftauchen. Wenn unter Wasser nur die Platzierung erfolgt und eben keine Sprengstoffrelevanten Operationen (für die der Taucher dann auch nicht ausgebildet sein muss), dann reicht das locker. Und eigentlich sollte in solchen Tiefen niemand mehr mit 78% N2 unterwegs sein, sondern für ein paar Euro mehr die Dekophase noch einmal deutlich verkürzen.
Ich bin ja nur Schönwetterhobbytaucher im Urlaub und habe mal mitgeholfen, eine über Bord gegangene Kiste aus unter 20 m Tiefe zu bergen.
Ja holla, die Waldfee, da waren Profis mit dabei und das hat Stunden gedauert.
Man kann sich auch anstellen

Und die Wassertiefe hat auf die Arbeit an sich jedenfalls keinen Einfluss, nur auf die Dauer des Rückwegs (überschaubar, s.o.). Ein Objekt an bekannter Position auf Grund zu belegen sollte eigentlich nach 1-2 Minuten gegessen sein. Für die Platzierung eines herabgelassen würde ich umgekehrt vielleicht 5 Minuten einplanen, je nach dem wie kompetent Windenführer und Steuermann sind.
(Sind sie wirklich gut und hat jemand an einen verauslösbaren Haken gedacht, liegt die Tauchzeit sogar bei 0 Minuten: Mine 2-3 m langsam mit Video-Feed über Grund schleppen und ausklinken, sobald man die Pipeline kreuzt. Ins Wasser muss nur jemand, wenn es schief gelaufen ist und man den Kram wieder einsammeln will.)
Jetzt karre erst mal 2 to Sprengstoff durch diverse Länder unbemerkt bis zur Yacht.
Das "durch diverse Länder" ist in der Tat nicht ohne Risiko, aber der "bis zur Yacht-Teil" wird dann relativ überschaubar. Und wenn ein feindlicher Staat dahinter steckt, ist es keineswegs unwahrscheinlich, dass seine Geheimdienste schon Sprengstoffdepots im Ausland unterhalten. Da sich viermal 500 kg recht gut mit PKW transportieren lassen, muss man innerhalb der EU nur noch aufpassen, keine typischen Drogenschmugglerrouten zu nehmen. Ich bin seit Schengen noch nie durchsucht worden.