Sind die Sozialleistungen in Deutschland wirklich so schlecht?
Die Preise steigen zu schnell. Als Hartz IV eingeführt wurde, war es ausreichend. Die Preise haben sich inzwischen aber massiv verändert und entsprechend der Warenkorb. Ernähre dich einfach mal von 137,-€ im Monat, sowas gebe ich alleine für einmal Essengehen aus, wenn es man wieder ein 7 Gängemenüe mit Weinbegleitung wird.
Ich habe 2002 einen Test gemacht und jetzt wieder. Immer mit Freunden zusammen, mit denen ich auch zum wild campen und überleben in der Wildnis fahre. Wenn man sieht, dass es ein kg Getreide für 20 Cent gibt, dann entspricht der Regelsatz von 4,54 pro Tag gut 20kg Getreide pro Tag und Person. Erkläre dann Menschen, die von der sprichwörtlichen
"Handvoll Reis am Tag" leben, dass 20kg Getreide zu wenig sind. Das ist natürlich Kokolores und hat nichts mit der Realität des Einkaufens im Laden zu tun.
Und ja, es geht weiterhin, im Vergleich zu 2002, als es ein satter Essenskorb war, ist es heute zum Überleben ausreichend. Dazu benötigt man aber noch etwas Wissen, um eine günstige und gesunde Ernährung zu bekommen. Und daran scheitert es oft, nicht daran, den Regelsatz zu erhöhen. So als Beispiel sind 500kg Rollmöpse für 1,39,-€ zu nennen, da deckt man seinen täglichen Eiweisbedarf billig und gut mit ab. So ein Glas mit sieben Rollmöpsen reicht dann für eine Woche. Spaß macht das alles nicht, wenn man an frischem Obst und Gemüse vorbeigehen muss und mit festem Willen zum Sparen das kauft, was gerade ganz billig ist, aktuell z.B. Weißkohl und Steckrüben. Und auch Rote Beete gibt es nachgeschmissen. Einfach mal auf dem Wochenmarkt die Reste zum
"Ich nehm alles für die Hälfte" kaufen.
Und dann schau Dir die anderen Bereiche an. 1,-€ im Monat für Bildung ist eine Verhöhnung. Und dann lass ein technische Gerät defekt werden. Stell Dir vor, Du hast Kinder, deren Regelsatz noch tiefer ist etc. Als Resümee sage ich dazu immer, man kann davon leben, aber man wird sichtbar arm und krank. Es ist ein Hungerlohn. Lösungen sind komplex, schaut man auf Menschen am Mindestlohn, die als Gesamtpaket auch nicht mehr als der Hartz IV Empfänger bekommen, dafür aber 40h arbeiten müssen. Ich bin darum für ein mehrstufiges System.
1. Anhebung des Mindestlohn
2. Abschaffung von Hartz IV und Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens in Höhe von 800,-€
800,-€ ist merklich weniger als der aktuelle Hartz IV Satz, insbesondere, wenn man bedenkt, das sämtliche Verwaltungskosten entfallen, Außerdem werden Gemeinden entlastet, weil das Grundeinkommen vom Bund finanziert werden müsste. Zu finanzieren ist da gar nichts, weil entsprechend die Steuern steigen können. Denn wer verdient, kann seine 800,-€ Grundeinkommen einfach wieder wegbesteuert bekommen. Es würde aber die soziale Gerechtigkeit am unteren Ende massiv erhöhen.
800,-€ reichen nicht für eine kleine Wohnung in München, wenn man aber der Meinung ist, gesund und kräftig nicht arbeiten zu wollen, muss man Kompromisse eingehen. Im Wendland und in Brandenburd verweisen ganze Dörfer, da bekommt man billigen Wohnraum mit Grundstück für Hühner und Schweine und kann sich seine Auszeit nehmen, wenn man das für angemessen hält; ohne Druck und ohne Gängelung. Oder man arbeitet etwas nebenbei, wenn man "Luxus" wie frisches Obst möchte. 800,-€ reichen aber im Studium oder der Ausbildung mit kleinem WG Zimmer. Kranke bekommen entsprechend mehr, wenn sie nicht zuarbeiten könnenm, damit sie zumindest etwas über dem aktuellen Hartz IV satz liegen.
Das wäre so meine grobe und nicht ausformulierte Richtung, die ich einschlagen würde. Betteln bräuchte dann niemand mehr. Das Grundeinkommen müsste mit anderen aktuellen Zahlungen wie Renten oder Arbeitslosengeld verrechnet werden. Da müsste man im Detail drauf schauen.
Quelle:
§ 7 des RBEG