Wie erkenne ich, ob ich Propaganda unterliege oder verbreite?

@Misanthrop68
Jetzt passt es schon eher zu Kant…

Du denkst das, weil vergleichende Werbung hier zu Lande noch nicht lange und auch nicht so intensiv betrieben wird.
Aber denk doch daran was vermittelt wird…
Made in Germany. Deutsche Autos. Nur die sind gut.
Denk mal an Wahlwerbungen.
Schon mal eine Werbung der Bundeswehr gesehen? Oder auch mal der Army?
Denk mal an technische Produkte, die vermitteln sollen, dass jemand besonders schlau ist. Kunden der Konkurrenz dumm.
In welches Preis Segment würdest du diese Produkte einordnen?
Achte mal darauf wie oft dir grüne Produkte über den Weg laufen (fahren).
Werbung ist nicht nur Kauf ein Produkt. Werbung kann auch Werte und Moral beeinflussen.
Ziel der Machtgewinnung und/oder Machtfestigung.
Macht kann nicht nur von einer Partei, einem Diktator oder sonst was aus der Richtung ausgehen. Dessen bist du dir schon bewusst?
 
Mit Werbung wird etwas Angepriesen und der Kunde soll zu ein Kauf motiviert werden.
Propaganda dient der Manipulation und hat das Ziel der Machtgewinnung und/oder Machtfestigung.
Werbung ist ja auch Propaganda. Eben für ein bestimmtes Produkt.
Wer Werbung für Süßigkeiten macht und das besonders für Kinder anpreist, manipuliert sie und für mich ist das schon Propaganda. Nur eben keine politische.
 
Wo kommt denn nun Neid her? Ich sprach von Missgunst. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Während ich keine Achtung vor Leuten habe, die ihr Geld ohne Einsatz verdienen, vielleicht auch gerade deshalb, beneide ich solche Personen nicht. Das eine schließt das andere ja aus.
Ich tu mich allerdings schon immer sehr schwer damit zu verstehen, wann jemand neidisch ist und wann nicht. Neid bedeutet doch, dass der neidische es auch so will wie der, den er beneidet, oder nicht?
Hmm.... ich tue mich schwer mit den Begrifflichkeiten Neid und Missgunst.
Tatsächlich kenne ich das kaum und schon gar nicht bezogen auf materielle Dinge, das ist mir recht egal.
Neid ist tatsächlich wohl "ich will das genau so wie der Andere"
und Missgunst wohl eher "der hat das gar nicht verdient".
Ohne die Person persönlich zu kennen, ist die Missgunst da sehr tricky.
Nur weil "ich" es ihm nicht gönne, kann es ja sein, dass das überwiegende Umfeld der Person ihr das gönnt oder es sogar begründete Ursachen hat, dass er diese Dinge oder Eigenschaften hat. Da kann man wohl sehr schnell ins falsche Fahrwasser kommen.
Neid ist da "klarer", weil es sicherlich Dinge geben mag, die man selber gerne hätte.
Das Thema hier ist wie erkenne ich Propaganda und wie vermeide ich die Weitergabe!
Werbung ist keine Propaganda und der Vergleich hingt schon sehr Stark.
Sehe ich nicht so, bzw. wie @Threshold
Werbung erfüllt den weltanschaulichen Punkt der modernen Definition für Propaganda.
Wenn man es nur auf Politik beziehen möchte, muss man die Definition von Propaganda ändern/einschränken.
 
Werbung ist eine Form der Propaganda, wie sie früher (bis zu den Weltkriegen) bezeichnet worden ist. Heutzutage meint Propaganda das ekelhafte Gefasel von Diktatoren und dergleichen. Mir scheint es aber zunehmend Übereinstimmungen zu geben, wenn bspw. die Werbung für KI einer politischen Strömung folgt. Für dieses Thema könnten wir uns auf politische Propaganda inkl. politisch relevanter Werbung beschränken, sonst wird es zu weitläufig.
 
Nicht die Deutung verdrehen. In der heutiger Gebrauch für Propaganda wird des öfteren der Begriff Werbung genutzt. Das heutige Propaganda als Werbung bezeichnet wird liegt an der Methodik die bei der Propaganda angewendet wird. Die Zielsetzung von Beiden unterscheiden sich und haben auch eine andere Motivation.

Edit

Nach dem ich jetzt noch etwas weiter über Propaganda gelesen haben. Räume ich ein das die heutige Auslegung von Propaganda auch Werbung einbezieht.
So könnte man jetzt auch den Begriff auf Unterricht, Kunst und Wissenschaft anwenden.
Ich finde aber das der Begriff enger und klarer abgegrenzt werden sollte. Durch diese wässrige Definition wird nicht mehr die Motive und Konsequenzen von Propaganda klar erkennbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich finde aber das der Begriff enger und klarer abgegrenzt werden sollte. Durch diese wässrige Definition wird nicht mehr die Motive und Konsequenzen von Propaganda klar erkennbar.
Kann man machen.
Der Themenautor könnte ja auch ganz einfach die Überschrift in "politische Propaganda" umändern.
Dann müsste ich nicht beim Urknall anfangen und unser @RyzA kann wieder tiefenentspannt und gepflegt über die AfD herziehen. :)
 
Ich möchte es eigentlich gar nicht so eng fassen. Sofern hier stets ein politischer Bezug gewährleistet wird, bin ich damit fein. Der Eingangsbeitrag setzt ja auch bereits den Schwerpunkt auf politische Themen.
 
Ich denke auch, dass es dem Thema nicht dienlich wäre es enger zu fassen. Denn Propaganda ist in der Gegenwart sehr individuell und ich denke dessen sind sich die wenigsten bewusst. Aus diesem Grund möchte ich gern einige Informationen zu Propaganda teilen, die hier noch nicht oder nicht in der Form aufgezeigt wurden, um das Thema möglichst umfassend zu beleuchten.

Zusatz zur bisherigen Definition: "Propaganda ist Kommunikation die in erster Linie dazu dient, ein Publikum zu beeinflussen oder zu überzeugen, eine Agenda voranzutreiben, die möglicherweise nicht objektiv ist und selektiv Fakten präsentiert, um eine bestimmte Synthese oder Wahrnehmung zu fördern, oder verwendet geladene Sprache um auf die präsentierten Informationen eher eine emotionale als eine rationale Reaktion hervorzurufen."

Positive Propaganda: Bewusste Propaganda für die eigene Überzeugung wird oft mit dem guten Zweck begründet oder entschuldigt. Das gilt für die so genannte „positive Propaganda“ oder politische Öffentlichkeitsarbeit, die sich nicht nur in allen totalitären Systemen, sondern auch in Demokratien findet."

"Mit Propaganda wird nicht nur in Diktaturen Stimmung gemacht. Auch in Demokratien versuchen Politik und Lobbyisten die Menschen zu manipulieren."

Welche Propaganda wird heute eingesetzt? "Im 21. Jahrhundert wird Propaganda vor allem über Nachrichten, das Internet und soziale Medien wie Twitter verbreitet. Moderne Propaganda bedient sich nach wie vor klassischer Taktiken wie Beschimpfungen und Mitläufertum, um das Publikum für oder gegen eine bestimmte Überzeugung zu gewinnen. Stücke „traditioneller“ Propaganda werden typischerweise von größeren Einrichtungen oder Organisationen erstellt und verbreitet, während moderne Propaganda von einer großen Zahl von Einzelpersonen gleichzeitig online erstellt und verbreitet werden kann."

Techniken der Propaganda:
  • emotionalisierende Suggestion
  • Appell an Grundbedürfnisse, Instinkte und Urängste
  • Instrumentalisierung von Werten, Mythen und Traditionen einer Gesellschaft
  • mangelnder Bezug zur Realität
  • Vereinfachung, Verkürzung oder Auslassung von Fakten und Sachverhalten und deren Kontexten
  • Mängel rationaler Analyse, mangelhafte Logik, schwache Kohärenz
  • Vermeidung oder Ausschaltung von Multiperspektivität, Pluralismus, Widerspruch, Zweifel und Diskurs
  • Anwendung des Freund-Feind-Schemas auf Meinungen, Informationen, Personen, Tabuisierung anderer Meinungen
  • Anspruch auf allgemeine Geltung, dogmatische Ausschließlichkeit
  • Glaubhafte Abstreitbarkeit

Das Propaganda-Modell oder die 5 Filter der Propaganda: "Das Propagandamodell besteht aus fünf Filtern, die beschreiben, wie positive Informationen durch die Filter gelangen, um in den Nachrichten zu erscheinen, und wie verhindert wird, dass Informationen, die Interessen bedrohen, die Öffentlichkeit erreichen. Das Filtermodell stellt folglich ein Propagandamodell der Massenmedien dar. Während es in autoritär regierten, undemokratischen Ländern eine sehr offensichtliche Funktionalisierung der Medien gebe, sei diese Funktionalisierung in westlichen Ländern subtiler, meist ohne äußeren Zwang, und daher weitaus schwieriger zu erkennen. Die fünf Filter sind: Eigentum, Werbung, offizielle Quellen, Flak und Marginalisierung abweichender Meinungen

Auslandspropaganda: Für die Außendarstellung von Demokratien und Diktaturen auf der internationalen Bühne setzt sich der Begriff der Public Diplomacy mehr und mehr durch. Er umfasst alle Maßnahmen, die ein Staat oder ein Staatenverbund ergreift, um die eigenen Sicherheitsbedürfnisse, strategischen Interessen und ökonomischen Ziele international zu kommunizieren. Hierzu gehören die Auslandskulturarbeit nebst Sprachunterricht genauso wie fremdsprachige Radio- oder Fernsehsendungen und das Lobbying bei ausländischen Regierungen.

politische Propaganda in Demokratien: durch geplante persuasive Kommunikation ausgetragene politische Meinungsstreit, vor allem in Wahlkampfzeiten. Er bezeichnet strategische Formen des Werbens um Zustimmung, die unter den Konkurrenzbedingungen des Meinungspluralismus stattfinden und dem Publikum die Zuordnung einer bestimmten Botschaft zu den partialen Interessen einer Gruppe oder Partei erlauben

Auszug der Propaganda-Meilensteine der jüngsten Vergangenheit:
1964-1975Vietnam-Krieg. Das US-Militär zeigt eine bislang unbekannte Offenheit im Umgang mit den Medien, deren Bewegungsspielraum kaum eingeengt wird. Der Krieg gilt als erster TV-War. Nachträglich zieht das Militär daraus den Schluss, die Freiheit der Berichterstattung in künftigen Kriegen einzuengen.
1971Die „New York Times” publiziert die „Pentagon Papers”, welche die Lügen der amerikanischen Regierung im Hinblick auf die Ziele, die Situation und die Strategie des Kriegs in Vietnam enthüllen. Dies inspiriert Hannah Arendt zu ihrem Essay „Die Lüge in der Politik”.
1983Invasion der USA in Grenada. Nachdem die Presse erst gar keinen Zugang zum Schlachtfeld bekommt, wird am dritten Tag der Invasion der erste Pool der Mediengeschichte etabliert.
Dezember 1989US-Invasion in Panama. Das amerikanische Militär führt für Journalisten verbindlich das Pool-Prinzip ein.
1991Golfkrieg um Kuwait. Die USA verfeinern das Pool-System und zensieren alle Bilder vom Kriegsschauplatz radikal. Die Medien werden mit klinisch sauberen Kampfbildern versorgt, die vom US-Militär erstellt werden. Die Folge ist eine jahrelange Debatte über das Verhältnis von Medien und Militär.
Der Kollaps der Sowjetunion beendet siebzig Jahre der marxistisch-leninistischen Propagandapraxis des Agitprops.
1999Kosovo-Krieg. Die Bundesrepublik Deutschland führt ihren ersten Krieg seit 1945. Die Medienarbeit besorgt aber überwiegend das Nato-Hauptquartier mit seinem Sprecher Jamie Shea.
2001Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. In der Folge beschleunigen die USA die Modernisierung ihres Apparats für Auslandspropaganda, um im Rahmen eines „erweiterten Sicherheitsbegriffs” um Empathie in der arabischen Welt zu werben.
2003Irak-Krieg. Vor allem im Vorfeld des Kriegs wird die Öffentlichkeit von amerikanischen Politikern über das Potenzial an Massenvernichtungswaffen des Iraks massiv getäuscht. Während des Einmarschs im Irak kommen zahlreiche Techniken des Psychological Warfare zum Einsatz.
Ab 2005China. Die wirtschaftliche Öffnung des Landes verstärkt auch den Ruf nach Medienfreiheit. Die politische Führung hält mit technischer Abschottung vor allem des World Wide Web und mit massiven Propagandakampagnen dagegen.
2010Die Plattform Wikileaks enthüllt zahlreiche US-amerikanische Geheimdokumente, die auch einen Einblick in die weltweiten Propaganda- und Public-Affairs-Aktivitäten der USA erlauben. Dies führt zu breiten Diskussionen um das Propaganda-Engagement der Amerikaner.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Propaganda-Modell oder die 5 Filter der Propaganda: "Das Propagandamodell besteht aus fünf Filtern, die beschreiben, wie positive Informationen durch die Filter gelangen, um in den Nachrichten zu erscheinen, und wie verhindert wird, dass Informationen, die Interessen bedrohen, die Öffentlichkeit erreichen. Das Filtermodell stellt folglich ein Propagandamodell der Massenmedien dar.
Bezieht sich rein auf die durch und durch kommerzialisierten bzw. vom staatlichen Zuschüssen abhängigen Medien der USA. Kein Vergleich zur Ausgestaltung bei uns statthaft.

Während es in autoritär regierten, undemokratischen Ländern eine sehr offensichtliche Funktionalisierung der Medien gebe, sei diese Funktionalisierung in westlichen Ländern subtiler, meist ohne äußeren Zwang, und daher weitaus schwieriger zu erkennen. Die fünf Filter sind: Eigentum, Werbung, offizielle Quellen, Flak und Marginalisierung abweichender Meinungen
In Diktaturen wie Russland, Belarus etc. haben die Medien nur den Zweck das zu senden, was der Führer will. Beim Rest deiner Ausführung geht wieder nur um den US Medienmarkt und westl. Länder, wo es keine öffentlichen Medien gibt.
 
Bezieht sich rein auf die durch und durch kommerzialisierten bzw. vom staatlichen Zuschüssen abhängigen Medien der USA. Kein Vergleich zur Ausgestaltung bei uns statthaft.


In Diktaturen wie Russland, Belarus etc. haben die Medien nur den Zweck das zu senden, was der Führer will. Beim Rest deiner Ausführung geht wieder nur um den US Medienmarkt und westl. Länder, wo es keine öffentlichen Medien gibt.
Nein.
Proganda ist auch Propaganda, wenn sie einem in den Kram passt.
Auch wenn nicht ganz so subtil:

https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-949037.html

siehe:
sei diese Funktionalisierung in westlichen Ländern subtiler, meist ohne äußeren Zwang, und daher weitaus schwieriger zu erkennen. Die fünf Filter sind: Eigentum, Werbung, offizielle Quellen, Flak und Marginalisierung abweichender Meinungen

BIn Diktaturen wie Russland, Belarus etc. haben die Medien nur den Zweck das zu senden, was der Führer will. Beim Rest deiner Ausführung geht wieder nur um den US Medienmarkt und westl. Länder, wo es keine öffentlichen Medien gibt.
Das ist nicht nur ein Problem der Diktaturen.
Als offensichtliches Beispiel darf man sich mal Nachrichten der Staatssender der Türkei ansehen. Auch wenn da die Gewaltenteilung eingeschränkter ist.
Funktioniert auch ohne Sprachkenntnis.
Nicht nur mir würde dabei die Idee für ein effektives Trinkspiel kommen.
 
Bezieht sich rein auf die durch und durch kommerzialisierten bzw. vom staatlichen Zuschüssen abhängigen Medien der USA. Kein Vergleich zur Ausgestaltung bei uns statthaft.
"Das Propagandamodell geht davon aus, dass bereits die Struktur der heutigen Massenmedien in kapitalistischen Gesellschaften eine objektive Berichterstattung von vornherein verhindere, insofern private Medien, die in Konkurrenz zueinander stehen und auf Werbeeinnahmen oder staatliche Teilfinanzierung angewiesen sind, in einem Interessenskonflikt stehen. Das primäre Interesse privater Massenmedien könne nicht darin bestehen, die Bevölkerung möglichst umfassend und objektiv zu informieren. Stattdessen seien Medien als Unternehmen anzusehen, die ihren Lesern oder Zuschauern Nachrichten als Ware verkaufen müssen. Weiterhin würden auch die Leser oder Zuschauer selbst an die Werbekunden der Zeitung „verkauft“, da sich die Einnahmen für Werbung nach der Zahl der Rezipienten bemessen."
In Diktaturen wie Russland, Belarus etc. haben die Medien nur den Zweck das zu senden, was der Führer will. Beim Rest deiner Ausführung geht wieder nur um den US Medienmarkt und westl. Länder, wo es keine öffentlichen Medien gibt.
... die europäische Medienlandschaft besteht nicht nur aus öffentlichen Medien. Bei uns gibt es genauso wie in den USA große Medienkonzerne.
 
Ich möchte es eigentlich gar nicht so eng fassen. Sofern hier stets ein politischer Bezug gewährleistet wird, bin ich damit fein. Der Eingangsbeitrag setzt ja auch bereits den Schwerpunkt auf politische Themen.
Ich finde das fraglich, denn wenn jemandem nicht klar ist wann er selbst Propaganda verbreitet, er/sie das also nicht wahrnimmt, wie soll diese Person denn dann einschätzen, ob sie politischer Propaganda unterliegt, oder nicht?
Im allgemeinen denke ich, dass kaum jemand der sich nicht aktiv um politische Themen bemüht, in Deutschland überhaupt Opfer politischer Propaganda sein kann.
Zwar spielen Medien zwar das runter, was die Parteien ihnen zur Verfügung stellen, aber es scheint mir leicht zu sein, sich eine Meinung aus den verschiedensten Quellen bilden zu können und zu hinterfragen was man präsentiert bekommt.
 
Den Link und darin enthaltenen Text seiner These hast aber schon gelesen?

... die europäische Medienlandschaft besteht nicht nur aus öffentlichen Medien. Bei uns gibt es genauso wie in den USA große Medienkonzerne.
Diese Differenzierung wird aber gar nicht erst erwähnt, sondern von dir der Anschein erweckt, als wäre deine Darstellung allgemeingültig.
 
Ich finde das fraglich, denn wenn jemandem nicht klar ist wann er selbst Propaganda verbreitet, er/sie das also nicht wahrnimmt, wie soll diese Person denn dann einschätzen, ob sie politischer Propaganda unterliegt, oder nicht?
Ja, ich denke auch, dass eine Person die Beeinflußung am ehesten über die Reflexion der eigenen Äußerungen wahrnehmen kann: Sehe ich der Propaganda zugeschriebene Attribute in meinen Äußerungen? Diese Frage stellt man sich jedoch im Altag eher selten bzw. eher dann, wenn es dazu einen Anlass gibt, einen unbehaglichen Zweifel, welcher wirksam ist, um sich vom eigenen Verhalten zu distanzieren.
Nach dieser willentlichen Hürde liegt die Hürde der kompetenten Einschätzung. Wer diese Attribute der Propaganda nicht kennt, kann sie auch nicht erkennen.

Nein.
Proganda ist auch Propaganda, wenn sie einem in den Kram passt.
Auch wenn nicht ganz so subtil:

https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-949037.html
Das Video (Die Meinung von Sarah Frühauf, MDR, zur Solidarität von Impf-Gegnern) hat deutliche propagandistische Anzeichen, triggert derart überspitzt aber auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit. Der Humor trägt die Information.


Neben der Unterschiedung von schwarzer, weißer und grauer Propaganda könnte auch eine pluralistische, 'bunte' Propaganda beachtet werden, wie sie Jay Black beschrieb:

Dieses Kapitel will nicht behaupten, dass die Notwendigkeit, die Realität zu vermitteln und Ideen, Waren und Dienstleistungen zu vermarkten, zwangsläufig in Propaganda mündet: ganz im Gegenteil. Wir behaupten jedoch, dass, wenn ein Verhaltensmuster seitens der Teilnehmer am Kommunikationsaustausch wiederholt darin besteht, dogmatisch vorschnelle Schlüsse zu ziehen, Autorität in unangemessener Weise zu missbrauchen, Annahmen auf fehlerhaften Prämissen zu gründen und sich sonstwie semantisch unangemessen zu verhalten, man dann sagen kann, sie betrieben Propaganda. Sie tun das möglicherweise unbewusst. Sie mögen nicht versuchen, zu propagandieren, oder sich nicht bewusst sein, dass ihre Bemühungen als propagandistisch angesehen werden können, oder wissen, dass sie der Propaganda zum Opfer fallen. Es kann schlicht sein, dass ihr Weltbild, ihre Glaubenssysteme, ihre persönlichen und institutionellen Loyalitäten und ihr semantisches Verhalten propagandistisch sind.

Das entschuldigt sie jedoch nicht.

[...]
In einer politisch wettbewerbsorientierten Demokratie und einem kommerziell wettbewerbsfähigen System freier Marktwirtschaft funktionieren moderne Medien am besten, wenn sie eine Arena des Wettbewerbs ermöglichen, in der die Fürsprecher aller Positionen miteinander ringen können. Was viele Propaganda nennen, wird daher Teil jenes offenen Marktplatzes der Ideen; es ist nicht nur unvermeidlich, sondern möglicherweise wünschenswert, dass es in einer demokratischen Gesellschaft offen erkennbare und konkurrierende Propagandakampagnen gibt — Propaganden, die uns alle, Produzenten wie Konsumenten, herausfordern, klug zu prüfen und zu unterscheiden.

Eine voll funktionsfähige demokratische Gesellschaft benötigt Pluralismus in ihren Überzeugungs- und Informationsangeboten und nicht die engstirnige, eigennützige Propaganda, die einige Kommunikatoren — wissentlich oder unwissentlich — in ihre Kommunikation einfließen lassen und die, so scheint es, viel zu viele Medienkonsumenten unbewusst und unkritisch aufnehmen. Offenheit und Massenkommunikation müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.

Jay Black: The Ethics of Propaganda and the Propaganda of Ethics, in: The Routledge Handbook of Mass Media Ethics.
https://ebrary.net/275095/psychology/propaganda_reframed#527
Übersetzung mit ChatGPT
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke nicht, dass die Debatte hier übersichtlicher wird, wenn man auch noch zwischen "guter", "schlechter" und "mäßiger" Propaganda zu unterscheiden versucht. Jeder, der Propaganda aus der Taufe hebt, verbreitet seine Sichtweise mit illegitimen Methoden. Ob dabei der Zweck die Mittel heiligt, ist eine rein subjektive Frage der eigenen Position und hat rein gar nichts mit den Methoden zu tun. Um die Strecke zu Godwin abzukürzen: Selbst bei Hitler kann man schwer konstruieren, dass er seine Narrative aus Eigeninteresse verbreitet hätte. Der war ohne Zweifel spätestens Anfang der 30er Jahre an einem Punkt angelangt, an dem Sein privates Leben und sein persönliches Umfeld durch weitere Aktivitäten nicht mehr besser, sondern nur arbeitsintensiver und nervenaufreibender hätte werden konnte und es wurde beides. Seine weitere Propaganda diente aus Sicht seines eigenen Idealismus einem ""guten Zweck"" und es waren "die anderen", die ""böse"" waren und ""falsch lagen"".


Hierzulande sehe ich gegenwärtig keine Anzeichen von Propaganda, die von unserer Regierung ausgeht - aber ich sehe deutliche Hinweise, dass wir Propaganda aus anderen Staaten ausgesetzt sind, insbesondere USA und Russland. Je nach dem, wie sich die Dinge entwickeln, könnte auch unsere Regierung dazu übergehen, die Verfügbarkeit von Informationen für die breite Masse zunehmenend zu regulieren, um unsere mentale Kriegstauglichkeit zu entwickeln.

Ich sehe bei uns aktuell keine Propaganda, die sich öffentlichen Einrichtungen bedient. (Auch wenn es imho einen mittelbaren Zusammenhang zwischen Spar- und Quotenzwängen von der Politik an die ÖR und der steten Abnahme der Informationsvermittlung durch letztere gibt)
Aber unsere Politiker, gerade auch die derzeit an der Regierung befindlichen, verbreiten in erheblichem Ausmaß verzerrte Narrative, um eigene Agenden zu unterstützen. Putin & Co sind zwar ein anderes Kaliber und nutzen eben einen Staatsaparat zur Verbreitung von exakt einer Perspektive. Aber Merz ist in meinen Augen kein Bisschen besser, als die USA unter Biden, Spahn eine Spur schlechter und Söder vergesse ich lieber gleich wieder. Ein gewichtiger Unterschied ist, dass es in Deutschland noch Reste einer diversifizierten Medienlandschaft und einer politischen Opposition gibt. Wenn bei uns ein Politiker Schrott labert, gibt es oft jemandem, der ihm widerspricht und immer wieder ein paar Medien, die diesen Widerspruch auch aufgreifen. Dadurch kann die ursprüngliche Aussage, die imho alle Aspekte von Propaganda erfüllt, nicht alleinstehend wirken, sondern ist in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Ändert aber nichts daran, dass es Propaganda ist.

Meine Fragen bezogen sich also auf die bereits bestehenden Propagandaeinflüsse aus Russland und den USA mit ihren eigenen Absichten, und diesen potenziellen dritten. Ein vierter Einfluss ("die KI") ist mMn noch nicht als eigenständiger Agent zu betrachten.

Absichten muss man erstmal belegen. Putin hat ein Propagandaministerium, ja. Aber Trump hat nur eine Pressesprecherin und den Finger auf den US-Medien. Was bei uns von ihm ankommt, wird nicht von einem Propagandaapparat verbreitet, sondern von den gleichen unabhängigen, kommerziellen Akteuren, die auch den restlichen Informationsfluss in den Händen halten. Da gibt es keinen Unterschied zu z.B. den Narrativen deutscher Politiker, außer dass die Primärquelle halt ein Stück dreister lügt.

Somit:
  • Werde ich selber Propaganda ausgesetzt?
  • Wie beeinflusst dies ggf. mein Fühlen, Denken und Handeln?
  • Wie kann ich Propaganda im Jahr 2025 ff. erkennen?
  • Wie kann ich mich davor schützen?
  • Wie kann ich es vermeiden, selber Propaganda zu verbreiten?

Misstrauen und Logik.
Die meisten scheitern leider schon daran, zwischen Bewertung (insbesondere Meinung) und Faktenaussagen zu trennen. (Und innerhalb der Faktenaussagen noch "neu" oder "bestätigt" von "nur wiederholt") In zweiter Stufe ist zwingend zu prüfen, ob eine Quelle die Fakten in der suggerierten Art und Weise überhaupt wissen kann und in dritter Stufe, nachdem man den leider oft ziemlich kleinen Teil an Information aus einem Beitrag extrahiert hat, kann man die eigene Extrapolationsfähigkeit mal kreisen lassen und sich überlegen, was damit alles an alternativen Deutungen vereinbar wäre. Und dann muss man halt im Gegenteil entweder in Schritt vier weitere Quellen zur Füllung der Lücken suchen oder akzeptieren, dass der eigene Informationsstand Spielraum für eine ganze Menge lässt.

Aber warum glaubst du, die meisten Leute, die Propaganda verbreiten, tun dies bewusst? Das erklärt man ja nicht mit: ich kenne jemanden und hier machen das auch welche, sondern mit Darstellungen, die auch größere Fallmengen beachten.

Bei den hiesigen Fällen kann man das sehr klar beobachten:
Einige Forenteilnehmer verbreiten seit Jahren immer wieder die gleichen fragwürdigen Narrative. "Fragwürdig" als harmloseste Bezeichnung, denn die frei erfundenen Märchen wurden natürlich schon beim ersten Mal (und beim zweiten und beim dritten und ab dem vierten dann langsam abnehmend mit weniger Elan) attackiert und widerlegt. Selbst wenn die Verbreiter ursprünglich komplett naiv und entsprechend voll überzeugt waren, wissen sie also mittlerweile, dass ihre Geschichten hochumstritten sind und ihnen wurden auch reihenweise unabhängige(re) und belastbare(re) Quellen vorgelegt, die in jedem an der Wahrheit Interessierten gesundes Misstrauen (s.o.) nähren sollten. Denn umgekehrt wurden die Einwände nie entkräftet.

Trotzdem werden weiterhin die immer gleichen Versatzstrücke angesprochen, gänzlich ungeachtet der im Raum stehenden Widersprüche und mit zum Teil reichlich merkwürdigen Konstruktionen, da ein und dasselbe Narrativ natürlich nur schwerlich in diverse, sich weiterentwickelnde Themen passen kann, sondern mit Gewalt reingewürgt werden müssen. Und werden. Dieses Verhalten trägt 0 Hinweise auf eine Person, die an Wahrheiten oder gegenseitigem lernen interessiert wäre und absolut alle Anzeichen einer Person, die ganz bewusst und mit zielgerichteten Aufwand Storyelemente verbreiten will, von der sie selbst weiß, dass diese keine Wahrheit widerspiegeln. Also Propagandisten in Reinkultur gemäß der mehrfach genannten, diktatorischen Vorbilder.


Das ist eben Einbildung, an verifizierte objektive Informationen zu kommen, ist nach wie vor ein Profigeschäft.
Amateuere bilden sich nur ein, über das Internet an "unvorgekaute Informationen" zu kommen.
Eine Tragik unserer Zeit!

Siehe oben: Logik. Die funktioniert auch vom Sessel aus. Und während die Tagesthemen noch liefen, als ich diesen Thread aufgerufen habe, hat die Tagesschau heute zwei glasklare Fälle von verfälschender Darstellung abgeliefert:
1. "Hamas dehnt Macht nach Israel-Rückzug trotz Trumpplan aus". Implikation: "Vertragsbruch". Logik: Wenn die Besatzer abziehen ist der zweitstärkste Akteuer in der Region logischerweise das, was übrig bleibt. Und solange Trump Phase 2 und 3 seines Plans nicht ausgearbeitet und vorgelegt, geschweige denn von allen Beteiligten abgesegnet bekommen hat, gibt es in Gaza sowie nur "Hamas", "schlimmer als Hamas" und "kriminelle Banden".
2. "Pistorius lässt Wehrpflicht-Einigung platzen". Implikation: Es hat eine Einigung zwischen "der SPD" und Merz/Spahn gegeben, dass Zwangswehrpflichtige per Los bestimmt werden sollen. Logik (& Vorwissen): "Die SPD" braucht normalerweise Wochen, um Mitgliederentscheidungen einzuholen, selbst die Fraktion mehrere Tage, gerade wenn es um Beschlüsse entgegen der bisherigen Parteilinie gilt. Somit kann es wohl maximal eine Einigung zwischen einem kleinen von Verhandlern gewesen sein und die ist, in einer Demokratie, eben erstmal nur eine Grundlage für weitere Schritte. (Und dass diese Schritte scheitern könnten, wenn es gegen die Verfassung geht, kann man sich auch dazu denken. Muss man leider auch, denn die Tagesschau hat sich zwar die Zeit für Einzelpersonendarstellungen genommen, aber auf sachbezogene Fakten wie "die Wehrpflicht ist ausgesetzt weil das Bundesverfassungsgericht fortgesetzte Wehrungerechtigkeit nicht duldet" verzichtet.)

Anm.: Diese Beispiele heißen nicht, dass "Lügenpresse"-Brüller irgend eine Grundlage haben. Bislang ist mir der Begriff jedenfalls nur von Leuten begegnet, die noch weitaus offensichtlicher und häufiger und absichtlicher Falschaussagen verbreitende Medien zitieren. Aber das heißt halt nicht, dass keine Fehler bei den etablierten Medien erkennbar wären.


Das Volk konnte aktiv nichts dagegen tun. In einem sozialistischen Regime wäre die Person weg gesperrt worden und hätte jeglichen Status verloren als Verräter am Volk.

Wer in einem Regime weggesperrt und wer nicht, hängt nicht davon ab, wer Fehler macht oder sich selbst bereichert, sondern wer in welchem Verhältnis zur Regimeführung steht. Das ist beinahe die Definition von Regime. Umgekehrt kann man in einer Demokratie sehr wohl Schuldige zur Rechenschaft ziehen, muss der Wähler nur wollen. Aber irgendwie werden bei uns regelmäßig Parteien und zum Teil sogar Politiker wiedergewählt, die Blankochecks verteilt haben, denn: Die Verantwortlichen schaffen es, in unseren postfaktischen Seiten subjektiv immer häufiger, teils sogar komplettes Versagen, totale Urteilsunfähigkeit und glasklare Korruptheit schönzureden. Spahns Masken, Merz' Fähnchen im Wind, Scholz' Bankenbeziehungen - solange sowas gewählt wird, braucht man sich über einschlägige Fehlschläge nicht zu wundern.


Was ist wenn man die Wahrheit kennt, aber dann auch mit ihr unzufrieden ist?

Dann muss man daran arbeiten, dass die Realität eine bessere wird.
In Zeiten vor asocialmedia hat man das "Fortschritt" genannt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke nicht, dass die Debatte hier übersichtlicher wird, wenn man auch noch zwischen "guter", "schlechter" und "mäßiger" Propaganda zu unterscheiden versucht. Jeder, der Propaganda aus der Taufe hebt, verbreitet seine Sichtweise mit illegitimen Methoden. Ob dabei der Zweck die Mittel heiligt, ist eine rein subjektive Frage der eigenen Position und hat rein gar nichts mit den Methoden zu tun.
Mir geht es dabei auch um (vermeintlich?) harmlose Sachen. Wenn man sich vor ein paar Jahren eine Doku über Prepper angeschaut hat, gab es eigentlich immer ein gewisses Framing: "Ja, alles schön & gut, aber doch irgendwie seltsam und über's Ziel hinaus." Inzwischen fällt dieses Framing weg. (Quellen müsste ich zeitintensiv rauskramen.) Eine dritte Art der Darstellung wäre diese hier, welche ein eher rationales und pragmatisches Framing mitbringen. Den ganzen Clickbait-Käse und Merchandise-Mist lasse ich mal außen vor.

Mit Blick auf die im Startbeitrag genannten Äußerungen ("Wir müssen kriegstüchtig werden" und "Wir sind nicht mehr im Frieden") betrachte ich auch das aktuelle Anliegen des Innenministers Dobrindt, Krisen- und Kriegsvorsorge in die Schulen zu bringen.
Man kann es nennen wie man will (Propaganda, weiße Propaganda, Parteipolitik, Meinungsäußerung, whatever), aber ich denke, dass hier was im Busch ist, dass man - offensichtlich - etwas mit der Bevölkerung vorhat, und dass man gewisse Veränderungen nicht den subjektiven Sichtweisen überlassen will, nachdem wir uns über Jahrzehnte abgewöhnt haben, 'für den Winter vorzusorgen'.

Es besteht also durchaus der Versuch, die Bevölkerung in eine Richtung zu lenken - wobei dies allerdings eher transparent und nachvollziehbar verbreitet wird. Es ist also nicht die Art von Propaganda, die man in russischen Schulbüchern zu lesen hat (Stichwort Mauerfall), aber es ist auch nicht mehr nur die Bereitstellung einer freiwillig zu lesenden Lektüre zur Krisenvorsorge, die seinerzeit für viel Aufregung und Verunsicherung gesorgt hatte.

Welchen Begriff schlägst du vor?
 
Mit Blick auf die im Startbeitrag genannten Äußerungen ("Wir müssen kriegstüchtig werden" und "Wir sind nicht mehr im Frieden") betrachte ich auch das aktuelle Anliegen des Innenministers Dobrindt, Krisen- und Kriegsvorsorge in die Schulen zu bringen.
Man kann es nennen wie man will (Propaganda, weiße Propaganda, Parteipolitik, Meinungsäußerung, whatever), aber ich denke, dass hier was im Busch ist, dass man - offensichtlich - etwas mit der Bevölkerung vorhat, und dass man gewisse Veränderungen nicht den subjektiven Sichtweisen überlassen will, nachdem wir uns über Jahrzehnte abgewöhnt haben, 'für den Winter vorzusorgen'.

Es besteht also durchaus der Versuch, die Bevölkerung in eine Richtung zu lenken - wobei dies allerdings eher transparent und nachvollziehbar verbreitet wird. Es ist also nicht die Art von Propaganda, die man in russischen Schulbüchern zu lesen hat (Stichwort Mauerfall), aber es ist auch nicht mehr nur die Bereitstellung einer freiwillig zu lesenden Lektüre zur Krisenvorsorge, die seinerzeit für viel Aufregung und Verunsicherung gesorgt hatte.
Naja, Olaf Scholz hatte die Bundesbürger ja schon auf eine "Zeitenwende" eingestimmt. Für mich ist das keine Propaganda. Die Zeiten haben sich ja wirklich geändert und auf diese Veränderungen muss reagiert werden.
 
Mir geht es dabei auch um (vermeintlich?) harmlose Sachen. Wenn man sich vor ein paar Jahren eine Doku über Prepper angeschaut hat, gab es eigentlich immer ein gewisses Framing: "Ja, alles schön & gut, aber doch irgendwie seltsam und über's Ziel hinaus." Inzwischen fällt dieses Framing weg. (Quellen müsste ich zeitintensiv rauskramen.) Eine dritte Art der Darstellung wäre diese hier, welche ein eher rationales und pragmatisches Framing mitbringen. Den ganzen Clickbait-Käse und Merchandise-Mist lasse ich mal außen vor.

Mit Blick auf die im Startbeitrag genannten Äußerungen ("Wir müssen kriegstüchtig werden" und "Wir sind nicht mehr im Frieden") betrachte ich auch das aktuelle Anliegen des Innenministers Dobrindt, Krisen- und Kriegsvorsorge in die Schulen zu bringen.
Man kann es nennen wie man will (Propaganda, weiße Propaganda, Parteipolitik, Meinungsäußerung, whatever), aber ich denke, dass hier was im Busch ist, dass man - offensichtlich - etwas mit der Bevölkerung vorhat, und dass man gewisse Veränderungen nicht den subjektiven Sichtweisen überlassen will, nachdem wir uns über Jahrzehnte abgewöhnt haben, 'für den Winter vorzusorgen'.

Es besteht also durchaus der Versuch, die Bevölkerung in eine Richtung zu lenken - wobei dies allerdings eher transparent und nachvollziehbar verbreitet wird. Es ist also nicht die Art von Propaganda, die man in russischen Schulbüchern zu lesen hat (Stichwort Mauerfall), aber es ist auch nicht mehr nur die Bereitstellung einer freiwillig zu lesenden Lektüre zur Krisenvorsorge, die seinerzeit für viel Aufregung und Verunsicherung gesorgt hatte.

Welchen Begriff schlägst du vor?

Schwer zu sagen, da du sehr diffus sehr viel in einen Topf wirfst. Am ehesten dürfte "Populismus" passen, denn du nennst als Beispiele ausschließlich Schlagworte und Slogans. Die haben explizit nur die Aufgabe, knapp und griffig zu sein und die emotionale Sichtweise des Äußernden zu transportieren. Man könnte auch sagen: Inhaltslose Stimmungsmache.

Für Propaganda bräuchte es mehr. Propaganda gibt vor, Informatinen über einen Sachverhalt zu vermitteln. In aller Regel werden sogar "alle Informationen", "alle wichtigen Informationen" oder zumindest "eine neutrale Gegenüberstellung wichtiger Informationen" suggeriert. Real steckt bei Propaganda aber eine stark einseitige bis inhaltlich komplett falsche Schilderung dahinter. Diese Definition können die von dir genanten Einzelphrasen nicht erfüllen, weil da halt gar kein Anspruch auf Informationsvermittlung drinsteckt.

"Wir müssen kriegstüchtig werden" ist nur eine Zielsetzung. "Wir müssen X, Y und Z machen weil Putin A und B gemacht hat", das könnte Propaganda sein. Zum Beispiel wenn nur A oder nur B zutreffen oder wenn A und B nur X, nur Y oder nur Z rechtfertigen könnten, aber nicht alle drei. Aber so komplexe Aussagen machen unsere Politiker entweder gar nicht mehr, oder sie finden in der postfaktischen Medienlandschaft zumindest keine Verbreitung. Sowas begegnet mir eigentlich nur noch, wenn hier jemand aus einschlägigen Rechtspostillen zitiert, da werden dann in längeren Artikeln einschlägige Narrative mit bunt aus Zusammenhängen gerissene Fakten, einseitig emotionalisierte Perspektiven oder komplett Erfundenem "belegt". Sowas kann man als Propaganda betrachten oder eben die hier regelmäßig geposteten Darstellungen zur Unschuldigkeit Putins, der kurz vor dem Endsieg stehenden russischen Armee (die dafür quasi gar keinen Krieg, insbesondere nicht gegen Zivilisten, führen muss!) oder deren überragende Technik.

Aber unsere Politiker? Selbst die AFD hält sich mit vorgetäuschten Sachargumenten ziemlich zurück. Und Merz & Co haben nicht einmal die Hartz-IV-Debatte mit ""Details""/Märchen angereichert, sondern einfach frei von der Leber weg Milliardeneinsparungen behauptet, ohne auch Pseudo-Erklärung auch nur für nötig zu halten, welche diese Versprecher argumentativ mit den geplanten Bürokratiemonstern verknüpfen würde. Genau das gleiche bei der "Stadtbilddebatte": Ein Propagandist hätte sich hingestellt und die Lüge verbreitet "in unseren Innenstädten sieht es so-und-so-übel aus wegen Bevölkerungsgruppe so-und-so". Aber das machen Merz und Spahn nicht. Von denen kommt nur wir hätten "ein Problem" und "fragen sie mal ihre Töchter". Das ist keien Propaganda, das ist pure populistische, postfaktische Suggestion. Niemand weiß, was ""das Problem"" sein soll und das wird absichtlich so belassen: Ein Propagandist versucht möglichst die Mehrheit auf seine Meinung zu bringen, in dem er die krassesten Behauptungen zu deren Untermauerung raushaut, mit denen er glaubt, noch durchzukommen. Ein Populist dagegen arbeitet mit möglichst diffusen, unklaren Suggestionen, um bei nahezu allen anschlussfähig zu sein. Ein älterer Herr, dem im Bus kein Sitzplatz angeboten wird, fühlt sich genauso angesprochen, wie junge Partygängerinnen mit Angst vor (ggf. vermeintlich-)potentiellen Vergewaltigern. Ein Rassisst mit osteuropäischen Wurzeln versteht darunter ""Islamisten"", was für ihn alle Personen dunkler Hautfarbe einschließt; ein hier geborener 2nd gen Migrationshintergründler mit Vorfahren aus Lybien versteht darunter ""Nazis"", was für ihn alle östlich der Elbe geborenen einschließt.
 
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