AW: Wakü reinigen wie?
@JackTheTripper: Was auf der Packung steht muss einen nicht weiter kümmern, wenn man weiß was man tut
Der C-B Kraftreiniger Kalk&Schmutz oder ähnlich zusammengesetzte Produkte sind zum Reinigen von Kupfer- und Messing-Komponenten bestens geeignet, da sie die dort störenden Oxidschichten (i. d. R. dünne bräunliche oder dunkle Beläge) mit Hilfe der enthaltenen Salzsäure auflösen. Das Einzige was dabei vermieden werden sollte sind lange Einwirkzeiten bei hohen Konzentrationen. Nachdem die Oxidschicht aufgelöst ist, kommt nämlich das Kupfer an die Reihe. Salzsäure macht da keinen Unterschied. Allerdings dauert es wesentlich länger bis die blanke Kupferoberfläche wirklich detektierbar angegriffen wird, als bei der Oxidschicht. Diese ist bei 100% Cillit-Bang Konzentration normalerweise innerhalb von wenigen Sekunden aufgelöst. Die Reaktionszeit macht man sich zu Nutze. Wenn man das betreffende Bauteil nach Auflösung der störenden Oxidschicht innerhalb von 30 sek. bis einer Minute mit Wasser spült bleibt der Grundwerkstoff unbehelligt. Gleiches gilt für Messing und Nickel - wobei es bei denen noch unkritischer ist, was die Zeiten anbelangt.
Man macht sich hier also genau den Effekt zunutze, vor dem der Hersteller warnt - lustigerweise aber damit wirbt

(Fernsehwerbung -> oxidiertes Cent-Stück zum säubern in C-B tauchen).
Ganz anders sieht es jedoch bei Aluminium aus. Wakü-Komponenten aus Aluminium sind immer eloxiert. Das bedeutet sie haben eine absichtlich hergestellte relativ dicke Oxidschicht (mehrere µm), deren Poren geschlossen wurden (evtl. auch mit eingelagerten Eloxalfarben). Diese Oxidschicht ist hier nicht wie beim elektrochemisch edlen Kupfer störend, sondern absolut notwendig, um den Grundwerkstoff Aluminium vor korrosivem Angriff zu schützen. Da Alu recht unedel ist, zieht es gegenüber allen anderen Metallen die einer Wakü üblicherweise vorkommen den kürzeren und korrodiert sehr schnell, wenn keine Oxid-/Eloxalschicht vorhanden ist.
Die Säure im C-B Kraftreiniger macht aber keinen Unterschied zwischen Kupferoxid und Eloxalschichten. Wie beim Kupfer, wo das der gewünschte Effekt ist, löst die Säure auch beim Alu die Oxidschicht sehr schnell an und trotz der größeren Dicke auch recht schnell auf bzw. macht sie bei kleinen Einwirkzeiten zumindest wieder porös. Damit ist der Korrosion des Alu-Grundwerkstoffs im Betrieb dann Tür und Tor geöffnet. Ergo ist zumindest der Kraftreiniger für Alu absolut Tabu!
Für Kupfer, Messing und Nickel gibt´es hingegen nur wenige Mittel sie so effizient und, verglichen mit purer Säure in der gleichen Konzentration, schonend die Oberflächen von störenden Oxidschichten befreien. Ich benutze selbst schon langen C-B und ähnliche Produkte um meine Wakü-Komponenten aus Kupfer zu reinigen und bin damit immer sehr gut gefahren. Andere Methoden (Zirtonesäure, Essig) haben sich bei mir lang nicht so bewährt.
Wenn es aber z.B um die Reinigung von Radiatoren (insbesondere von neuen) geht, ist sogar die Anwendung zweier Mittel sinnvoll. Zuerst sollte eine potenter Fettlöser eingesetzt werden (da gibt´s Verschiedene - u.A. auch C-B mit grünem Deckel). Der ist nötig, um Ziehfettreste aus der Produktion der Flach- oder Rundrohre heraus zu waschen. Danach kommt dann wieder ein säurehaltiger Reiniger zum Einsatz, der die Oxidschichten entfernt. Diese Prozedur kann man auch mehrmals mit verdünnten Reinigern wiederholen, wenn man Angst vor Anwendung in der vollen Konzentration hat. Ein so gereinigter Radiator spült dann auch nicht im Laufe der Zeit immer wieder irgendwelchen Dreck in den Kreislauf. Das ist btw. häufig ein Grund für Schlieren in Schläuchen und Ablagerungen - auch wenn viele gern andere Ursachen ausmachen, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie bei der obligatorischen Grundreinigung der Komponenten vor dem Einbau geschlampt haben oder sie gar nicht durchgeführt haben. In Wirklichkeit sind es dann oft schlicht die Produktionsrückstände aus dem Radiator die den Kreislauf versiffen. Jedenfalls tritt sowas für gewöhnlich in ordentlich gereinigten Kreisläufen nicht auf

.
Kalk wird man btw. in einer Wakü, die nicht gerade mit Leitungswasser betreiben wird, nie in Mengen vorfinden die zu Ablagerungen führen könnten. Schon allein die geringe Wassermenge würde schlicht nicht ausreichen, um selbst bei sehr hartem Wasser großflächig sichtbare Kalkablagerungen in Schläuchen und Bauteilen zu hinterlassen. Auch billiges sog. destilliertes Wasser aus dem Baumarkt enthält im Übrigen keinen Kalk

.
Zu rein sollte Wasser aber so oder so nicht sein

. Ein Blick auf den Aufwand der für Reinstwasserkreisläufe in der Chipfertigung getrieben werden muss, offenbart wie aggressiv Wasser sein kann wenn es wirklich keine Fremdstoffe mehr enthält. Insbesondere Metallteile aller Art werden dann oberflächlich aufgrund des hohen Dampfdrucks vom Reinstwasser einfach absorbiert und sukzessive aufgelöst. Völlig fremdstofffreies Wasser wird man daher auch nirgends antreffen wo es in einem Behälter gelagert wird, der nicht gerade aus einem sehr zersetzungsresistenten Kunststoff gefertigt ist. Reinstwasserkreisläfe müssen daher ständig aufbereitet werden.
- aber das nur am Rande ...