AW: Schwarz/Gelb, geht es jetzt mit Deutschland abwärts?
Das ist nicht richtig. Die zahlenmäßig größte Gruppe der Unternehmen mit den meisten Angestellten sind mittelständische Betriebe, die zwar wie alles andere auch von der Globalisierung betroffen sind, aber mitnichten das Land verlassen können oder Aktionäre zufriedenstellen müssen.
"mittelständische" Betriebe mit Angestelltenzahlen im 4 stelligen Bereich, z.T. auch im dreistelligen Bereich sind zwar oft noch keine Aktiengesellschaft (und damit auf kurzfristige Rendite bedacht), aber durchaus groß genug, um Teile ins europäische Ausland auszulagern. Und selbst die kleinen Unternehmen (deren Anteil an der Zahl der Gesamtarbeitsplätze afaik stetig abnimmt) können heutzutage leicht Aufgaben ins Ausland outsourcen, die nicht zum Kernbereich gehören. (Transport/Speditionsaufgaben? Werbung/Druck? Internetpräsenz? afaik auch schon Buchhaltung: Sowas muss man nicht um die Ecke beheimatet sein und Transportkosten sind noch immer lächerlich klein bzw. bei Daten inexistent)
(was nicht heißt, dass Radioaktiv in dieser Hinsicht eine nenneswerte andere Politik haben dürfte, als eine große Koalition, Fußgängerampel oder so ziemlich alles andere, was nicht die Linke als Seniorpartner hat)
Wie wäre es zum Beispiel mit mehr Ausgabendisziplin? Der Staat muß ja nicht wegen jedem Pippifax jedem dahergelaufenen Projekt/Kommune/Betrieb ein paar Millionen in den Hintern blasen, um ein völlig ungewisses Ergebnis in Kauf zu nehmen. Bestes Beispiel: Straßenbau auf dem Land bei uns daheim. Überall wird mit sicherlich hohem siebenstelligem Aufwand die Straße aufgerissen, um irgendwelche blödsinnigen Mittelstreifen zu betonieren und Kreuzungen durch Kreisverkehre zu ersetzen. Nur warum? Irgendwie war das alles viele Jahrzehnte ohne solche Schnörkel befahrbar. Ein Mehrwert ist schlicht nicht erkennbar. Das ist einfach nur perverse Geldverschwendung.
Das will ich doch mal schwer hoffen.
Dann hoffmal.
Derartige Baumaßnahmen werden nämlich nicht von der Regierung in den Sand gesetzt. Die beschließen nur eine Förderung für den ländlichen Raum/Infrastrukturmaßnahmen. Werden sie unter der Union vermutlich auch nicht einstellen.
Versaubeutelt und in sinnlose Straßen statt z.B. ÖPNV, DSL oder öffentliche Einrichtungen gesteckt wird das ganze dann z.B. auf kommunaler Ebene. Einstellung der FDP dazu: Zuständigkeiten sollen soweit unten wie möglich angesiedelt werden -> wenn nicht zufällig deutschlandweit alle Ämter mit kompetenten Leuten besetzt werden (und warum sollte das auf einmal passieren?), wird das in Zukunft noch schlimmer.
Die Gegenrichtung wäre ein durchdachte, zentrale Planung - aber es hat seine Gründe, warum heute nur noch eine Partei Planwirtschaft toll findet und die FDP ist so ziemlich das 100%ige Gegenteil.
Und nun? Lieber Job wechseln und weniger verdienen, als arbeitslos sein und nichts verdienen, oder? Ich sehe das Problem nicht. Außerdem ist es für jeden Einzelnen besser, wenn alle in Lohn und Brot weniger verdienen, als wenn viele arbeitslos sind, diejenigen, die arbeiten, aber einen großen Teil ihres Lohnes an die Arbeitslosen abtreten müssen. Unter dem Strich hat dann nämlich jeder mehr.
Vom Prinzip her würde ich zustimmen, aber es gibt leider einen sehr störenden Faktor in der Gleichung:
Der Arbeitgeber, der das maximale für sich rausschlagen will.
Ein Gruppe leicht kündbarer Arbeitgeber werden nämlich nicht das gleiche Gesamtgehalt bekommen, wie ein schwer kündbarer, sondern weniger, da sie jeder für sich leicht erpressbar sind. D.h. der Arbeitgeber hat in Gehaltsverhandlungen mehr macht als bisher und damit die Möglichkeit (die er im herrschenden Konkurrenzprinzip nutzen
muss), die Lohnkosten insgesamt zu drücken.
Im speziellen deutschen Fall kann man noch ein weiterer Schritt hinzufügen:
Wenn aus einem hochbezahlten Job zwei mittelbezahlte werden, sinkt der effektive Steuersatz und somit die Einnahmen für den Staat. Wenn aus einem geringbezahlten Arbeitsplatz zwei für geringfügig Beschäftigte werden, kommen sogar noch zusätzliche Ausgaben im sozialen Bereich oder gar ergänzendes HartzIV hinzu.
Das heißt obwohl der Staat weniger Geld für weniger Arbeitslose ausgeben muss, hat er nicht zwangsläufig eine bessere Einkommensbilanz.
Die Arbeitnehmer haben sie aufgrund der Gesamtlohnsenkung auch nicht (wenn auch eine sehr begrüßenswerte gleichmäßigere Verteilung)
Der Unternehmer macht dagegen unterm Strich plus.
Je nach den Auswirkungen auf das Konsumverhalten (Deutsche Marken überwiegend Luxusprodukte) kommen noch negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft als ganzes hinzu.
Wieso? Ein intelligentes Kind wird sich überall behaupten können. Da sehe ich kein Problem. Sicher wäre es schön, wenn das Schulsystem überall so gut wie in Bayern und Ba-Wü wäre, aber rote Versäumnisse oder Fehlplanungen in Bremen, Niedersachen, NRW, Berlin, etc. kann man der anderen Seite ja nun wirklich nicht zum Vorwurf machen.
Wenn Schulbildung nur von Intelligenz abhängen würde, wäre einiges einfacher...
Aber ein Schulwechsel ist vor allem auch mit bürokratischen Hürden verbunden. Nehmen wir z.B. das ach-so-tolle bayrische Schulsystem. Das ist nämlich u.a. in einem Fach ganz toll (glaubt es zumindest von sich selbst): Religion.
Ergebniss: Ein Kind, dass in Berlin mit nem 1,x Schnitt das Schuljahr beendet und nach Bayern zieht, wird ein Jahr zurückgestuft. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie sich das auf die Motivationshaltung und damit die weiteren schulischen Leistungen auswirkt.
Findet der Wechsel nicht passend zum Stufen- oder zumindest Schuljahrwechsel statt (was wohl eher unwahrscheinlich ist), kommen Probleme mit unterschiedlichen Stoffplänen hinzu, die Inhalte schlichtweg nicht in der gleichen Reihenfolge unterrichten.
Mag man als rationaler Erwachsener sagen: Okay, dann wird vielleicht n bissl was nachgelernt, wer schlau ist, bei dem klappt das schon.
Aber ein Jugendlicher in beginnender Pubertät, der gerade seinen gesamten Freundeskreis verloren hat und vielleicht in nem bayrischen Kaff landet, in dem sich Zerstreuungsmöglichkeiten auf Kühschubsen beschränken, sieht das vielleicht anders. Und das die Familie für die nächsten 3 Generationen sowie unter der Bezeichnung "Saupreis" läuft, braucht man eine 0-Bock-Haltung nicht wirklich überraschend kommen.
(diese Beispiel ist nicht konstruiert, sondern beobachtet. Intelligenz war definitiv gegeben und die Qualität der Schulsysteme hat sich an keiner Stelle als störend erwiesen)
Wieso? Das ist doch blanke Polemik Deinerseits. Wo wird irgendwem Geld abgenommen, wenn mehr Personen dazu gebracht werden, für ihren Lebensunterhalt auch einer Beschäftigung nachzugehen? Wir brauchen überhaupt keine "Wegnahme" von Geld bei Gering- und Normalverdienern. Wir brauchen nur eine reduzierte Wegnahme von deren Gehältern durch den Fiskus. Und dies ist zum Beispiel durch eine Entschlackung der Sozialsystem erreichbar.
Mal so eine Frage an jemanden, der scheinbar "liberale" Politik versteht:
Was ist eigetlich diese ominöse "Entschlackung", die in Sektoren gigantische Summen einsparen sollen, die ihr Geld fast ausschließlich für Menschen ausgeben, ohne dass für die Menschen weniger übrig bleibt?
Das wird sich zeigen. Rot/Grün war seinerzeit ja auch durchaus grün.
Wobei bis heute irgendwie bei 90% der Bevölkerung der SPD-Teil der Politik wahrgenommen (und den Grünen negativ angerechnet wird)
Wieso sollte das jetzt anders sein?
Im Gegensatz zu den Grünen seinerzeit hat die FDP diesmal schon 50% der möglichen Koalitionspartner im Vorfeld kategorisch ausgeschlossen. Gründe wurden zwar nicht wirklich genannt, aber zumindest die FDP-freundlichere Interpretation läuft darauf hinaus, dass es unverhandelbare Standpunkte gibt. Dies wurde auch mehrfach als einer der Pluspunkte der FDP genannt (oder alternativ der Mangel an realem Idealismus den anderen Parteien vorgehalten).
Das macht zwar noch keine offizielle Haltung, aber zumindest ich würde von einer ganzen Reihe der FDP-Wähler hier einen Aufschrei des Entsetzens, tiefste Enttäuschung (und einen Wechsel zu den Grünen

) verlangen, wenn tatsächlich ALLE Punkte verhandelbar sind.
(was mich persönlich nicht im geringsten überraschen würde

)
Aus diesem Grund wäre ich auch mehr dafür, daß Westerwelle nicht Außen-, sondern Innenminister wird. Außen- und Verteidigungsministerium können meinetwegen gerne in CDU-Hand sein, ebenso wie das Wirtschaftsministerium, vorausgesetzt Guttenberg bleibt dort, was in dem Fall aber unwahrscheinlich wäre. Wichtig wäre für die FDP meiner Meinung das Innen-, Finanz-, Verkehrs-, Justiz- und vielleicht das Familienministerium (dann wäre vdL immerhin Geschichte oder könnte keinen großen Schaden mehr anrichten, was ich sehr geil fände). In jedem anderen Ministerium kann dann auch gerne irgendeine Unions-Schranze sitzen. Da soll's mich dann mal nicht stören.)
Wir dürfen gespannt sein. Imho hat Westerwelle die Characterstärke, um eine Verlagerung des Vizekanzlerpostens durchzuboxen.
Die Frage ist aber, ob er auch den politischen Willen hat, seine Stärken (sofern die im Inneren liegen. Imho liegen sie jedenfalls nicht der Repräsentation) für die Allgemeinheit einzusetzen. Schließlich kann er schon seit Jahren nichts anderes als Populismus betreiben und verzweifelt versuchen, die nächste Karrierestufe zu erreichen. Außenminister ist da an und für sich auch ein sehr schöner Job. (man kann wenig nachweisbar falsch machen, man hat wenig große Probleme und die erstrecken sich meist eh über mehrere Amtszeiten, egal ob knallharte Positionen bezieht oder geschickt Kompromisse schließt, es wird am Ende postiv bewertet,... - und die Welt kriegt man auch noch gezeigt)
Wenn er statt dessen Wirtschafts- oder gar Finanzminister wird (Innenminister wird die Union imho gerne behalten), würde zumindest ich ihn deutlich positiver betrachten.
Von Leyen werden wir aber so oder so weiterhin regiert, das ist definitiv Unions-Heimspiel und der FDP eigentlich ziemlich Banane.
Wobei es natürlich höchst interessant wäre, wenn sich ein FDP-Minister aus einer Unions-dominierten Koalition zu z.B. Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften äußern müsste
