AW: Schummel-Vorwürfe gegen Intel: Benchmarks lassen AMD anscheinend bewusst schlecht dastehen
@PCGH_Torsten
Gromacs ist aber in diesem Fall nur die Oberflaeche des Problemes. Worueber sich die HPC'ler eher aufregen/lustig machen ist die komplett bewusste Falschdarstellung der Total Cost of Ownership, sowie die nahezu gegen rechtkraeftige Urteile verstossende Weglassung des Hinweises dass der Intel Compiler zum Teil gegen AMD Prozessoren diskriminiert. Hierzu gab es ein FTC Urteil, welches Intel einzuhalten hat und was sie hinter einer langen Reihe von Links verstecken und somit nahezu nicht mehr einhalten, weil es spezifisch im Marketingmaterial enthalten sein muss..
Gromacs ist der (einzige) Aufhänger für den öffentlichen Shitstorm; mit TCO hat sich hier im Forum niemand auch nur beschäftigt. Beim Intel Compiler bin ich nicht ganz auf dem aktuellen Stand – vor einigen Jahren war er aber auch für AMD-Prozessoren die im Schnitt beste Wahl. Das Problem ist halt, dass AMD keinen Cent in Software-Entwicklung investiert, während Intel zu den treibenden Kräften gehört, insbesondere was die Implementation neuer Befehlssätze betrifft. Wenn man die aktuell mögliche Praxisleistung demonstrieren will, ist der Intel-Compiler dann schnell die beste Wahl.
Dann ändern wir das Wort Manipulation in "Fehler" was sicher nicht den Testern anlastet, sondern dem Performance-Strategieteam die solche Ergebnisse für einen Kundenvorteil ausschlachten. Man muß sich aber eingestehen - das die Fehlerquote bei Intel massiv steigt - ob das dem Image das man mit solchen Testszenarien abbilden will zuträglich ist, bleibt zu bezweifeln. Letztlich geht es um Kunden - die dieses System kaufen sollen, aber sicher nicht auf Basis von Ergebnissen die auf veralteter Software beruhen - glauben es wäre sinnvoll. Ich vermute das der Kundenstamm da jetzt noch viel genauer darauf achtet und hinsieht. Ganz zuletzt schießt sich Intel damit selbst ins Knie.
Natürlich wird AMD jetzt mit gleicher Extravaganz antworten.
Mit dieser Veröffentlichung hat sich Intel ganz sicher mehr geschadet als genützt. Die breite Endkundenmasse hat nichts mitbekommen und bei technisch interessierten Endkunden steht jetzt ein "Intel betrügt" im Kopf, auch wenn das falsch ist. Bei der eigentlichen Zielgruppe dieser Präsentation wiederum dürfte durch die Diskussion das Bewusstsein für die Selektivität der Benchmarks derart geschärft worden sein, dass deren eigentliche Aussage gar keine Beachtung mehr findet. Und dass das Ganze jetzt auch noch auf ein Typo in einem C&P-Abschnitt zurückgeht ...
Manche Geschichten kann man sich nicht ausdenken.
Eine Firma sucht sich Rückzugspunkte wo man gut dasteht, das ist normal.
AMD hat Bulldozer damals auch im GPU Limit gebencht und so sucht man sich eben Szenarien wo man schneller arbeitet.
Da nehmen sich beide Unternehmen absolut nichts.
AMDs Marketing-Benches erfolgen bis heute größtenteils im partiellen GPU-Limit. Man nimmt die schnellste stock-Karte aus eigenem Hause und mindestens 1080p, um Benchmarks mit den populärsten Spielen zu veröffentlichen, die meist wenig CPU-lastig sind. Deswegen gibt es in AMD-Präsentationen meist auch einen getrennten Bereich für den Vergleich mit der eigenen, deutlich schwächeren Vorgängergeneration, in dem aber keine Spiele auftauchen. Sonst würde man nämlich sehen, dass der 3800X genauso wenig/viel Rückstand auf Intel-Sechskerner hat, wie der 1800X seinerzeit, es also "laut AMD" gar keinen Fortschritt gibt.
Da kommt aber wieder dein Image/Anspruch zum tragen - wie blöd kann man sein und dann gegnerische CPUs in Powerlimit rennen zu lassen und zu glauben - die Leute die mir diese Hardware dann abkaufen sollen - würden sowas nicht merken. Die Marketingheinis des Perfromance-Strategieteam sind einfach Anfänger.
AMD hat im Vergleich Zen2 --> i9 9900k zwar genauso die TDP nicht auf 95Watt gesenkt (weil sie es bei Standardeinstellungen ließen), aber die CPU rannte nirgends ins Powerlimit.
Für mich ist das klar ein Imageschaden für Intel - den sie selbst - (Torsten beschreibt es ziemlich gut) aus eigenem Dilettantentum verursacht haben. Ich glaube das zieht noch Kreise. Von Intel erwartet man klar mehr.
AMD nutzt fehlende Powerlimits systematisch, um die eigenen Produkte besser dazu stellen. In Quasi allen AMD-Präsentationen werden 9900K & Co mit den Intel-Spec-widrigen Auto-Einstellungen diverser Mainboard-Hersteller getestet. Das Ergebnis sind bis zu 100 Prozent mehr Stromverbrauch bei wenigen Prozent mehr Rechenleistung, was AMD dann bei der Perf/Watt-Betrachtung reichlich ausschlachtet.
Danke für das sachliche, informative, klärende und vor allem unaufgeregte Posting.
(Man könnte fast schon von einer "Intervention" sprechen.)
Für diese vereinzelten - von euch Redakteuren viel zu selten zu lesende - Nachrichten
ist es die Mühe wert, den halben Fake-, Hass- und Hetzdreck durchzublättern.
Keep on going Thorsten.
Nicht jeder hat soviel Interesse an Foren wie ich und investiert soviel (Frei-)Zeit. Aber ich weiß genau, was von einschlägigen Fans die nächsten 20 Jahre verbreitet werden wird und mache mir die Hoffnung, dass eine frühe Gegendarstellung zumindest für etwas Widerspruch sorgen wird. Wir sind schon genug Märchen über die Stabilität von Sockel-A-CPUs, den Stromverbrauch von Netburst, verschiedene Multi-Core-Bauarten, TLB-Bugs, Intels OEM-Verträge und vieles mehr in Umlauf.
Hat man das moralische nicht auch bei AMDs Boost Problem hier im Forum abgeleitet? Von daher will ich das mal gar nicht bewerten. Da ist jeder Seite immer sehr schnell damit, da brauchen wir uns nicht vor machen.
Das Problem ist bei allen Fans weit verbreitet, ja. Intel liefert in letzter Zeit nur mehr Steilvorlagen ab.
Mir ist es aber ehrlich gesagt egal, woher Hate kommt – alles, was inhaltliche Diskussionen über Technik unmöglich macht, ist ein Problem.
O M G
Du vergleichst den 9900KS nicht mit einer Voyager Sonde, oder?
Hey: Voyager müsste für circa 250 W elektrische Leistungsaufnahme konzipiert sein, basierte auf einem 5 Jahre alten Elektronik-Design und wurde in Schilderungen der Entwickler in geradezu astralen Sphären gehoben, während sie für Normalsterbliche unerreichbar bleibt.
Zugegeben: Bei 6 gegen 8 Kernen und 67 gegen 20 MB Speicher endet die Vergleichbarkeit. (Zählen 69 KB Solid-State-Speicher gegen 64 KB L1 pro Kern?)