Ich habe es heute durch bekommen. Story und Charaktere sind schon gut und in meinen Augen ein großes Plus des Spiels.
Durch die riesige Welt und die daraus resultierenden teils ewigen Wege zu den einzelnen Quests verliert die Story aber gerade am Ende immer wieder etwas Dynamik und Spannung. So nach dem Motto:
Ewiger Ritt > Questgeber offenbart Storyfetzen > Quest > ewiger Ritt usw.
Durch eine kleinere Welt und kürzere Wege hätte die Story deutlich dichter und packender sein können als mit diesen andauernden extremen Rhythmuswechseln.
Aber das ist halt so ein Problem von den heutigen gigantischen Openworld Games im Allgemeinen.
Etwas schade ist, dass die Abläufe der Quests sich zu einem Großteil doch immer sehr ähnlich sind. Jemand hat einen Plan, der Plan geht schief, also gibt es eine große Schießerei. Da fehlt etwas die Abwechslung und es ist sehr vorhersehbar.
Jetzt muss ich der Vollständigheit halber doch nochmal meinen Senf dazu abgeben.
Dass ich das Spiel als überbewertet bezeichnet habe, kann ich so nicht stehen lassen. Aber gut, ich sagte ja, dass ich nicht abschließend urteilen will...
Wie auch immer. Ich bin jetzt ENDLICH im Epilog und muss sagen WOW.
Die Story und dessen Inszenierung ist ab der Hälfte des Spiels, aber insbesondere gegen Ende was wirklich feines...
Ich glaube, in der Form hab ich das in noch keinem Spiel gesehen. Das ist einfach Filmreif. Man merkt, dass da Leute am Werk waren, die wirklich Geschmack und Ahnung haben, was die Umsetzung betrifft.
Hätte ich so nicht erwartet. Die Story ist letzten endes wirklich die Stärke des Spiels und mich hat sie dann auch wirklich gepackt und entschädigt mich dann auch für das Träge gameplay, obwohl ich selbst das nach etwa der Hälfte des Spiels irgendwie zu schätzen lernte...
Trotzdem muss ich bei meiner anfänglichen Kritik bleiben. Das erste Drittel des Spiels ist viel zu langatmig und uninteressant, da den Spieler nicht richtig klar gemacht wird, was ihn erwartet. Selbst die Landschaft wirkt im Vergleich zum Rest der Map irgendwie langweilig. Es ist schon ziemlich mutig, von Rockstar, dem Spieler anfänglich so wenig zu bieten und darauf zu vertrauen, dass der Spieler drannbleibt, das wiederspricht eigentlich total dem Mainstream...
Das Game macht es einem echt nicht leicht, es zu mögen, aber wie gesagt, drannbleiben hat sich hier wirklich gelohnt. Das Spiel blüht ab der Hälfte richtig auf.
Jetzt verstehe ich auch, warum RDR2 so viele Preise abgesahnt hat. Rockstar hat in vielerlei Hinsicht Mut bewiesen und ein Game geschaffen, das ich in der Form und Umsetzung noch nicht gesehen habe. Es ist halt wirklich das komplette gegenteil zu z.B. einem Assassins Creed...
Keine Sammelitems, keine Icons auf der Map, die man abgrast, kein Loot, den man sammelt und verwaltet, keine Aussenposten, die man übernehmen muss. Fast alles, was man von aktuellen Open World Spielen kennt, wird hier .... einfach nicht gemacht, weil Rockstar weiß, dass das Mist ist. Das führt eben dazu, dass das Spiel nicht daraus besteht, sich mit dem Gameplay zu beschäftigen, wie z.B. bessere Ausrüstung zu farmen, 100te Items zu verwalten und sammeln, oder das Kampfsystem zu meistern, sondern man beschäftigt sich letzten endes nur mit Dingen, die im Kontext der Story und des täglichen ingame lebens passieren. Und das finde ich so besonders.
Das Spiel ist eben nicht „just another openworld game“ es ist ein Spiel, an das ich mich sicher noch lange erinnern werde und eines der wenige Spiele in letzter Zeit, die ich nicht mit dem Gefühl beendet habe, im sinne von „war ganz gut, abgehakt, nächstes Spiel bitte“, Ne, das hier war anders. Das Spiel hat Seele. Chapeau Rockstar Games!