deutlich geringere Karrierechancen, weil es im Osten - außerhalb Berlins - kaum bzw. gar keine größeren Unternehmen gibt.
Das ist aber kein Ostding und betrifft das gesamte Land!
Du hast einige Zentren mit vielen Unternehmen und entsprechenden Zulieferern samt Menschen im Speckgürtel um diese Zentren. Stelle dir mal die Gegend um Wolfsburg ohne VW vor. Da wäre nix, und das wäre noch zu viel. Wenn man Westdeutschland wie du betrachten würde, dann wäre das Bild bis auf wenige Regionen ziemlich ähnlich. Fahre doch mal durch S-H oder NS. Da sieht es abseits der paar wenigen größeren Städte wie in M-P und BB aus.
Außerdem stellst du das falsch dar. Berlin ist nun mal Hauptstadt und zudem riesig. Dass in deren Einflussbereich auch entsprechend was geht, sollte klar sein. Du unterschlägst aber Metropolen wie Leipzig, Dresden, Magdeburg und Co.
Man konnte zudem doch nicht erwarten, dass die damals echt grottig marode 50er Jahre Industrie einfach mal so auf neuesten Stand gebracht wird, um eine Industriedichte wie in der BRD zu erhalten. Die DDR fuhr noch massiver auf Verschleiß, als das aktuell in der BRD der Fall ist. Da half nach einer ersten, erschreckenden Inventur nur noch abwickeln und renaturieren.
Vielleicht hätte man seitens des Staates noch mehr Anreize für Westunternehmen bieten sollen, sodass sie sich mehr im Osten ansiedeln. Damalige Großunternehmen wie Bayer oder BASF, die verfrachten nämlich nicht einfach so Produktionsstandorte samt tausenden von Arbeitsplätzen für viele, viele Milliarden in eine ungewisse Zukunft. Aber die BRD hatte mit der DDR und deren in die Sozialsysteme zu integrierenden Bürgern einen kräftigen Posten auf der Ausgabenseite bekommen. Für alles war eben kein Geld da. Man tat, was man meinte, zu können.
Mein Eindruck ist allerdings auch ein bisschen, dass man mit der Wende im Osten nicht zu 100 % verstand, dass zu der Veränderung in der Politik und Wirtschaft eben auch eine persönliche Veränderung der Einstellung zum eigenen Wirken inkludiert war. Über dreißig Jahre später ist man ernüchtert, weil man im Vergleich zum Rest der Republik noch immer hinterherhinkt. Schuld ist daran die Politik. Die da oben! Aber man selber in mal mehr, mal weniger großen Teilen nicht auch? Politik kann nur Rahmenbedingungen schaffen. Aus dem Quark muss man sich noch immer selber ziehen.
Ist es vielleicht genau dieses Unverständnis darüber, was die Menschen im Osten in so großer Zahl dazu bewegt, sich wieder eine starke Hand, den einen Führer zu wünschen? Freiheit aufgeben, damit man selber nicht mehr zu 100 % selbst für sich und sein Leben die Verantwortung übernehmen muss, wie damals in der DDR? Könnte zumindest ein Erklärungsansatz sein.