Neue Bundesregierung 2021 Diskussionsthread

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Im Grunde hat man die Wende in der BRD dazu genutzt jedem ein Pöstchen im Osten zuzuschranzen, der gerade in Westdeutschland leer ausgegangen ist.
Wusste nicht, dass es noch immer so ist. Zu Beginn war das ja noch plausibel, weil man ein deutlich anderes Wirtschafts- wie Verwaltungssystem hatte, aber dass man auch heute noch Wessis in leitende Positionen im Osten steckt, das ist mir dann doch etwas suspekt.
 
Wusste nicht, dass es noch immer so ist. Zu Beginn war das ja noch plausibel, weil man ein deutlich anderes Wirtschafts- wie Verwaltungssystem hatte, aber dass man auch heute noch Wessis in leitende Positionen im Osten steckt, das ist mir dann doch etwas suspekt.
Auch zu Beginn war das nicht (überall) plausibel, oder welche verwaltungstechnischen Qualitäten braucht z.B. der Intendant einer Oper, der zwingend jemanden aus den Westen auf der Position erfordert hätte?
 
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Ist hier bei mir auch kein Thema.
Da wird auch niemand als Ossi bezeichnet.
Im Gegenteil dazu wurde ich das letzte Mal von Freunden Verwandtschaft in Sachsen gleich als Wessi abgestempelt.
Diese ganze Ossi/Wessi Thema ist mittlerweile auch nur ein Ossithema bzw. eher ein Problem.

Meine Frau ist aus Niedersachsen, ich selbst bin aus Sachsen. Natürlich unterhalte ich mich mit ihr und ihrer Familie auch Mal über den Osten, die Sprache und die Geschichte. Aber dieses Ost/West Thema ist im Westen deutlich weniger präsent als die Ossis denken.

WIr lassen aber auch nichts unversucht um unser Image wieder einem negativen Touch zu verleihen. Schön in die ostdeutsche Opferrolle schlüpfen und brav Faschisten wählen weil wir ja so klug sind. Mittlerweile bin ich selbst an dem Punkt an dem ich sage "diese dämlichen Ossis".

Vielleicht weil ich mir so einen Bullshit als Ostdeutscher (die letzten 30 Jahre) viel zu oft anhören durfte und daher einfach nur noch äußerst genervt darauf reagiere?
Und da ist sie, die Opferrolle.
 
Meine Frau ist aus Niedersachsen, ich selbst bin aus Sachsen. Natürlich unterhalte ich mich mit ihr und ihrer Familie auch Mal über den Osten, die Sprache und die Geschichte. Aber dieses Ost/West Thema ist im Westen deutlich weniger präsent als die Ossis denken.
Ist es vielleicht auch eine Frage des Alters und der damit verbundenen Prägung?

Wir haben ein befreundetes Ehepaar. Beide um die 1980 geboren, Wende und die Zeit danach als Kinder/Jugendliche mitbekommen. Sie aus MP, er aus Berlin-Ost. Man merkt beiden an, dass sie einen Hauch anders ticken. Nicht im negativen Sinne. Mehr von der Art, wie man ans Leben herangeht. Wobei man bei ihr sagen kann, dass sie open-minded ist, sich den Lebensrealitäten echt gut anpassen kann, während er von Jahr zu Jahr immer konservativer und auch reaktionärer wird. Das spiegelt sich auch in der Bewertung der eigenen Kinder- bzw. Jugendzeit wieder. Sie hat den Wandel gut verarbeitet und ist weder Ossi noch Wessi. Er wird aber immer mehr zum jammernden, die alten Zeiten verklärende Ossi.

"diese dämlichen Ossis".
Ich persönlich erwische mich auch dabei, dass ich so manches Mal "dämlicher Ossi" denke. Aber weniger, weil man aus dem Osten des Landes kommt, sondern weil ich damit einige Charakterzüge verbinde, die man als "Ossi" vermutlich eher einem "Wessi" unterstellt. Das wären so Sachen wie TEAM aka toll ein anderer machts oder auch vom Stamme Nimm zu sein. In meiner Wahrnehmung sind das so Sachen, die ich mit Menschen aus dem Osten des Landes erlebt habe und auch immer wieder erlebe. Wobei ich nur Ossis for real kenne, die in den Westen rübergemacht haben. Vielleicht tue ich da den Menschen im Osten des Landes unrecht, wenn ich diese Denke pauschal auf alle auskippe.

Auch zu Beginn war das nicht (überall) plausibel, oder welche verwaltungstechnischen Qualitäten braucht z.B. der Intendant einer Opa, der zwingend jemanden aus den Westen auf der Position erfordert hätte?
Im Prinzip nicht. Die Frage ist: War das Voraussetzung? Intendanten werden ja üblicherweise gewählt.
 
Und da ist sie, die Opferrolle.
Und es ging auch nicht dadrum ob es gerechtfertig ist Rechte zu wählen, ist es nie, sondern dadrum wer immer noch (durch die Wende) "Profiteur und Verlierer" im Osten ist, aber hey, ist auch nicht so als hätte ich überhaupt erwartet das du da dazu in der Lage wärst das zu verstehen, also alles gut. :schief:

Im Prinzip nicht. Die Frage ist: War das Voraussetzung? Intendanten werden ja üblicherweise gewählt.
Das kann ich dir auch nicht sagen, zum einen weil ich nicht in der Matiere stecke und zum anderen weil das 30 Jahre später natürlich auch als Laie nur noch schwerlich nachvollziehbar ist.
 
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Es hilft halt wenig, das so pauschal abzutun. Als "Ostdeutscher" hast du nun einmal einen krassen Standortnachteil: Du hast idR kein Vermögen, du verdienst idR deutlich weniger als in Westdeutschland und du hast idR deutlich geringere Karrierechancen, weil es im Osten - außerhalb Berlins - kaum bzw. gar keine größeren Unternehmen gibt. Aufgrund der wirtschaftlichen Lebensrealität ist damit auch deine tatsächliche und soziale Mobilität deutlich stärker eingeschränkt. Es gibt schon gute Gründe, warum der Ostbeauftragte vorgeschlagen hat, jedem ein "Startguthaben" von 10k EUR zu geben.
 
Ist es vielleicht auch eine Frage des Alters und der damit verbundenen Prägung?
Definitiv. Aber irgendwann sollte auch jeder man erwachsen werden und begreifen, dass die Wiedervereinigung für alle Ostdeutschen etwas gutes gewesen ist. Natürlich war es in den 90ern für viele eine herausfordernde Zeit aber ohne die Wiedervereinigung wäre es noch viel schlimmer genommen und zwar deutlich langfristiger.

die in den Westen rübergemacht haben.
:D ja, wir "machen" alles. Wir machen rüber, wir machen los.
Die Komik dahinter habe ich aber auch erst durch meine Frau gelernt :lol:

weil es im Osten - außerhalb Berlins - kaum bzw. gar keine größeren Unternehmen gibt.
Ich habe den Vorteil, dass ich der Nähe von Leipzig wohne. Hier ist die Situation entspannter. Und wenn dann mal ein großes Unternehmen im Osten einen Standort plant, wird dennoch gemotzt.
 
Definitiv. Aber irgendwann sollte auch jeder man erwachsen werden und begreifen, dass die Wiedervereinigung für alle Ostdeutschen etwas gutes gewesen ist.
Und du solltest vielleicht mal lernen das dies aber auch keine Entschuldigung dafür ist welche strukturellen und personellen Entscheidungen man mit der Wende die letzten 30 Jahre getroffen hat, nur weil es dadruch nicht noch schlimmer war, als ohne die Wiedervereinigung.

Weil das es ja alles noch viel schlimmer sein könnte und man daher zufrieden sein sollte wie es ist, ist man auch schon in der SED immer nicht Müde geworden zu erzählen (den Polen geht es ja noch schlechter als uns in der DDR).

War auch keine Lösung für die Probleme in der DDR und dass es nun nicht noch schlechter ist als ohne die BRD ist auch keine Lösung für die Menschen im Osten.
 
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Hat der nicht auch gesagt: "Wir holen uns die Demokratie zurück?"
Das sagt jeder Populist. Das macht Aiwanger auch.
Höcke tut aber so, dass er Ostdeutscher wäre, was er aber nicht ist.
Der einzige Ostdeutsche in der Führungsebene der Afd ist Chrupalla und von dem bezweifle ich, dass er aktiv die DDR mit niedergerungen hat.
 
Populismus halt. Die Leute glauben ihn das aber. Ossis halt. ;)
Das nicht mal mehr Populismus, das einfach nur eine klar erfundene Lüge von ihm (wenn er das so geäußert hat).

Populismus beruht ja zumindest noch auf einen Kern von "wahren" Inhalten, die aber in extremer Oposition zu gängigen gesellschaftlichen Ansichten gesetzt werden und komplexe Zusammenhänge stark simplifizieren, um zu polarisieren.
 
deutlich geringere Karrierechancen, weil es im Osten - außerhalb Berlins - kaum bzw. gar keine größeren Unternehmen gibt.
Das ist aber kein Ostding und betrifft das gesamte Land!

Du hast einige Zentren mit vielen Unternehmen und entsprechenden Zulieferern samt Menschen im Speckgürtel um diese Zentren. Stelle dir mal die Gegend um Wolfsburg ohne VW vor. Da wäre nix, und das wäre noch zu viel. Wenn man Westdeutschland wie du betrachten würde, dann wäre das Bild bis auf wenige Regionen ziemlich ähnlich. Fahre doch mal durch S-H oder NS. Da sieht es abseits der paar wenigen größeren Städte wie in M-P und BB aus.

Außerdem stellst du das falsch dar. Berlin ist nun mal Hauptstadt und zudem riesig. Dass in deren Einflussbereich auch entsprechend was geht, sollte klar sein. Du unterschlägst aber Metropolen wie Leipzig, Dresden, Magdeburg und Co.

Man konnte zudem doch nicht erwarten, dass die damals echt grottig marode 50er Jahre Industrie einfach mal so auf neuesten Stand gebracht wird, um eine Industriedichte wie in der BRD zu erhalten. Die DDR fuhr noch massiver auf Verschleiß, als das aktuell in der BRD der Fall ist. Da half nach einer ersten, erschreckenden Inventur nur noch abwickeln und renaturieren.

Vielleicht hätte man seitens des Staates noch mehr Anreize für Westunternehmen bieten sollen, sodass sie sich mehr im Osten ansiedeln. Damalige Großunternehmen wie Bayer oder BASF, die verfrachten nämlich nicht einfach so Produktionsstandorte samt tausenden von Arbeitsplätzen für viele, viele Milliarden in eine ungewisse Zukunft. Aber die BRD hatte mit der DDR und deren in die Sozialsysteme zu integrierenden Bürgern einen kräftigen Posten auf der Ausgabenseite bekommen. Für alles war eben kein Geld da. Man tat, was man meinte, zu können.

Mein Eindruck ist allerdings auch ein bisschen, dass man mit der Wende im Osten nicht zu 100 % verstand, dass zu der Veränderung in der Politik und Wirtschaft eben auch eine persönliche Veränderung der Einstellung zum eigenen Wirken inkludiert war. Über dreißig Jahre später ist man ernüchtert, weil man im Vergleich zum Rest der Republik noch immer hinterherhinkt. Schuld ist daran die Politik. Die da oben! Aber man selber in mal mehr, mal weniger großen Teilen nicht auch? Politik kann nur Rahmenbedingungen schaffen. Aus dem Quark muss man sich noch immer selber ziehen.

Ist es vielleicht genau dieses Unverständnis darüber, was die Menschen im Osten in so großer Zahl dazu bewegt, sich wieder eine starke Hand, den einen Führer zu wünschen? Freiheit aufgeben, damit man selber nicht mehr zu 100 % selbst für sich und sein Leben die Verantwortung übernehmen muss, wie damals in der DDR? Könnte zumindest ein Erklärungsansatz sein.
 
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