Mir würde auch noch eine Frage einfallen. Wir haben ja schon vieles durchgekaut, allerdings noch nicht das Thema Dirkete Demokratie.
Wie steht ihr zu dem Thema? Ist das in euren Augen etwas, was die zukünftige Bundesregierung forcieren sollte? Oder seht ihr es eher als Gefahr?
Direkte Demokratie funktioniert in kleinen Rahmen unter Menschen mit identischer Betroffenheit, die sich noch gegenseitig in die Augen sehen müssen und idealerweise einen vergleichbaren Grad an Bildung, Einsicht und gesellschaftlicher Integrität haben. Parlamentarismus ist nicht perfekt, aber er sorgt für Moderation.
Ansonsten werden es tausend Dumme es immer schaffen, hundert Kluge zu überstimmen. Tausend Leute, die den Nutzen haben, werden immer 100 überstimmen, welche die Lasten dafür tragen müssen - ohne einen Ausgleich dafür schaffen zu müssen.
Zudem ist direkte Demokratie anfällig für Populismus. Wer eine starke Medienmacht besitzt oder die Mittel, diese Medienmacht einzuspannen, würde es leicht fallen, Uninteressierte zu mobilisieren (Was auch gut Seiten haben kann ...), oder auch Unbetroffene einzuspannen (Was dann schon kritischer wird ...) oder Unwissende zu manipulieren (Was dann garantiert nach hinten losgeht ...).
Wenn es also beispielsweise den Standort der deutschen Endlagerstätten geht, sind Faktoren abzuwägen, die große Teile der Bevölkerung bereits in der Sache nicht verstehen. Und selbst wenn sie diese verstehen, möchten sie das Endlager nicht vor der Haustür haben und dann braucht man keinen Volksentscheid abhalten, um zu wissen, dass das Endlager 1.) nicht unbedingt dort entstehen wird, wo es technisch am sinnvollsten wäre und 2.) nicht unbedingt in Regionen, in denen viele Leute eine Direktstimme in der Sache haben. Also entsteht es am Ende dort, wo die wenigsten Leute dagegen sein können und wo die BILD fand, dass es hingehört - nur nicht dort, wo es sinnvoll wäre.