Wenige Tage vor der Bundestagswahl wird erneut von einem Hackerangriff des russischen Militärgeheimdienstes GRU gewarnt. Laut "Bild"-Informationen deuten Hinweise auf eine Verwendung der Daten nach der Wahl, möglicherweise bereits während der Koalitionsverhandlungen hin.
Wie die Zeitung berichtete, sollen sich die Cyberattacken vor allem auf Alltagskorrespondenzen konzentrieren, wie
E-Mails der Abgeordneten untereinander, handeln. In genau diesen Gesprächen dürfte sich derzeit viel über den politischen Gegner und mögliche Verhandlungen ausgetauscht werden. "Russland versucht massiv, Passwörter zu erbeuten, um belastbares oder diskreditierendes Material über Mitarbeiter in sensiblen Bereichen zu bekommen", sagte der Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses, Patrick Sensburg (
CDU) der "Bild". Ziel sei "das Sammeln von Kompromat."
Der Zeitung liegt dabei sogar eine konkrete Mail der Bundestagsverwaltung vor, die Ende August einen Bundestagsabgeordneten vor "Phishing-Angriffen eines staatlichen Akteurs" warnten - bereits zum zweiten Mal. Ende Juni sei bereits ein Schreiben an die gesamte Fraktion geschickt worden. "Nach Informationslage des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist folgende E-Mail-Adresse Ihres Büros von der Kampagne betroffen", heißt es in dem Schreiben.
Schon vor einigen Wochen hatte das Außenministerium die Cyberangriffe als inakzeptabel und Gefahr für Deutschland beschrieben. "Der Bundesregierung liegen verlässliche Erkenntnisse vor, aufgrund derer die Ghostwriter-Aktivitäten Cyberakteuren des russischen Staates und konkret dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet werden können", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in
Berlin laut der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings gibt es in Sicherheitskreisen auch Hinweise darauf, dass die konkreten Attacken bezahlten Hackern zugeschrieben sein könnten. "Das ist eine seit Jahren bekannte Methode der Russen, zusammen mit kriminellen Hackergruppen zu agieren", sagte Gerhard Schindler, ehemaliger Chef des Bundesnachrichtendienstes, der "Bild". Denn Geheimdienste und Militär
in Russland hätten noch nicht ausreichend eigene Kapazitäten.
Für die Bundestagswahl bereiten sich die Behörden derzeit auf weitere Cyberangriffe vor. "Wir bereiten uns auf Störaktionen insgesamt vor, wir sind vorbereitet in der IT-Sicherheit. Aber selbstverständlich verfolgen wir auch Fake News, die hinsichtlich des Wahlverfahrens eingestreut werden, permanent und reagieren dann entsprechend," sagte Bundeswahlleiter Georg Thiel der "Bild".