Wie ich ja bereits schrieb: Das Hauptproblem der SPD besteht darin, dass sie weder bei ihren Absichten noch bei ihren Möglichkeiten mehr anbieten kann als andere.
Sie profitiert derzeit - ich überspitze mal ein wenig - von der Verwirrung der politisch eher mittig orientierten Teutonen, die vor lauter Verzweiflung über die Skandale und Skandälchen der Union nach einem Kreuzchenempfänger sucht, der nicht zu links, nicht zu rechts und vorzugsweise auch nicht zu grün ist. Und da landen natürlich etliche bei der SPD, zumindest historisch immer noch "die andere große Volkspartei", die Sicherheit und Orientierung verspricht und zuletzt nichts falsch gemacht hat, weil sie gar nichts gemacht hat, außer irgendwie Koalitionspartner zu sein.
Und dann hat die SPD auch noch einen Kanzlerkandidaten, der massiv vom kurzen öffentlichen Gedächtnis profitiert. Frühere Verstrickungen sind komplett vergessen, denn immerhin hat er kein Buch geschrieben und dabei falsch zitiert, kein Weihnachtsgeld vergessen anzugeben und auch nicht im Krisengebiet gelacht. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte und wenn Dreck geworfen wird, gilt man schon dann als Saubermann, wenn man dabei einen Schritt zurück getreten ist, damit die Schuhe sauber bleiben und andeutungsweise die Ärmel hochgekrempelt hat, als würde man anschließend putzen wollen (was man dann allerdings nicht macht, aber das sieht der Wähler ja nicht mehr).
So traurig es auch ist, im Moment sehe ich den politischen Wert der SPD allein darin, in Koalition mit den Grünen und getragen vom Nimbus vergangener Tage ein paar Wähler anzusprechen, denen die Grünen alleine noch zu experimentell sind. Damit könnte ich sogar leben, wenn ich sicher wäre, dass die SPD sich mit zunehmend besseren Umfragewerten nicht vielleicht doch noch auf eine weitere schwarz-rote Sadomaso-Session einlässt, "weil der Wähler das ja so wünscht".