Ich halte auch weiterhin nichts von der Behauptung, dass die Löhne und Lohnnebenkosten in Deutschland angeblich zu hoch seien, dass man selbst einfache Produktionstätigkeiten nicht angemessen entlohnen kann und man ja angeblich gezwungen sei, diese ins Ausland zu verlagern. Denn es bleibt die Frage, warum sich z.B. Trigema bis heute halten kann, obwohl von Weberei über Färberei bis hin zu Näherei alles in Deutschland erfolgt und, wenn die Angaben stimmen, selbst die Näherin dort nicht nur mehr als den Mindestlohn bekommt, sondern einen Lohn in der Höhe, dass sie später auch von der Rente leben kann. Und wenn man die Preise dann mit denen von irgendwelchen Marken (oder solchen die vorgeben eine zu sein) vergleicht, die in Fernost unter teils zweifelhaften Bedingungen produzieren lassen, so sind sie nicht teurer sondern häufig sogar günstiger.
Als das Trigema jemals am unteren Ende der Preisskala liegt, wäre mir noch nie aufgefallen. Im Gegenteil. Aber ich sage auch nicht, dass man in Deutschland nicht mehr zahlen könnte und "gezwungen" wäre, ins Ausland zu gehen. Natürlich kann man auch einfach die Gewinnspanne reduzieren oder die Preise anheben (wie Trigema) und damit den Umsatz reduzieren. Aber ersteres macht niemand und letzteres kaum jemand. Die meisten Produzenten gehen ins Ausland und es gibt keine Möglichkeit, sie davon abzuhalten. (Der Umkehrschluss, dass die in Fernost produzierten Produkte dann billig sein müssen, gilt übrigens nicht. Sie sind in der Regel nur billiger als einschließlich Marketing und Ruf vergleichbares. Es gibt haufenweise billig Schund, der zu einer "Marke" aufgebaut überteuert verkauft wird. Aber auch das zeigt nur, wie gierig Hersteller sind und dass sie nicht einfach beliebig hohe Löhne zahlen.)
Und nicht-Produzenten, die die Arbeit nicht auslagern können sparen Arbeitsplätze und -qualität ein, wenn sie den Mindestlohn nicht ganz umgehen können.
Sorry aber Sozialismus ist per Definition schon nicht möglich, da er voraussetzt, dass alle Menschen gleich sind, was Bulls**t ist.
Du musst im Sozialismus die Leute quasi zur Gleichheit zwingen, notfalls mit Gewalt und im Land einsperren, sonst gehen die Leistungsträger und der "Rest" bleibt bis nichts mehr übrig ist, was man verteilen könnte.
Korrektur: Nicht "gleich", sondern "gleichberechtigt", "gleich wichtig", etc.. Im realexistierenden Sozialismus gab es zwar auch die Tendenz, die Menschen gleich machen zu wollen, aber das fällt eher in Kategorie "absolutistische Regime" oder "Planwirtschaft ohne die nötigen Vorraussetzungen für komplexe Pläne". Der Sozialismus als solcher ermöglicht durchaus Individualität, solange sich niemand über den anderen stellt.
(Was aber ebenfalls bedeutet, dass Sozialismus mit DIESER Menschheit nicht praktikabel ist, da schon sehr wenige, die sich zu Lasten anderer bereichern, ausreichen, um das ganze System zum Einsturz zu bringen. Und das mit Zwangsmaßnahmen zu verhindern ist nicht nur ethisch hochproblematisch, sondern schlicht unpraktikabel, wie der real existierende Sozialismus bewiesen hat.)
Durch die Anhebung des Hartz IV Regelsatzes bekommen aber auch nicht mehr Menschen Arbeit.
Nö. Das ist ja auch gar nicht das/mein Ziel. "Arbeit" gibt es sowieso immer genug, die liegt (z.T. wortwörtlich) auf der Straße. Woran es fehlt und worum es geht: Dass die Leute ein (angemessenes) Einkommen bekommen. Und das lässt sich über erhöhte Regelsätze und entschärfte Anrechnungsregeln bewerkstelligen.
Außerdem fallen dann mehr Menschen "in das Raster" und müssen sich auch vor dem Staat total offen legen und haben dann auch weniger Privilegien.
Offenlegen: Ja, zumindest was die finanzielle Situation angeht. Das halte ich aber in diesem Rahmen für vertretbar (wer fast nichts hat, verrät da auch praktisch nichts, denn die laufenden Einnahmen kennt der Staat so oder so) und der Aufwand hält sich bei Folgeanträgen bereits sehr in Grenzen, wäre leicht auf null reduzierbar.
Privilegien: Wüsste nicht, was du meinst.?
Eben! Da scheint es ja wunderbar zu funktionieren.
Gesucht ist nicht etwas, dass funktioniert, wenn sich einer Mühe gibt, sondern etwas, das immer funktioniert, auch wenn Leute aktiv dagegen sind.
Auch wurde damals immer wieder gesagt das wegen dem Mindestlohn viele Betriebe Beschäftigte entlassen müssen. Dies ist nicht der Fall. Selbst kleinere Betriebe können das stemmen.
Wie bereits dargelegt: Der Mindestlohn so, wie er im Moment stattfindet, ist voller Ausnahmen oder wird umgangen. Wirken tut er nur wenigen Fällen und da waren die Gehälter oftmals gar nicht soviel niedriger.
Entsprechend gab es auch nur wenige Fälle, in denen Betriebe Stellen desswegen Stellen abbauen könnten. Aber innerhalb dieses beschränkten Rahmens haben sie es leider auch gemacht und der jetzt geforderte (und für die Zielsetzung "gut leben" auch nötige) Mindestlohn von 12 € stellt eine weitaus drastischere Erhöhung dar, als der 7,50-auf-8,30-""Sprung"" des ursprünglich eingeführten, der seitdem auch nur wenig mehr als Inflationsausgleiche erhalten hat.
Guck dir mal an, was z.B. Erntehelfer aktuell tatsächlich am Ende des Monats erhalten. Das sind diversen Berichten zu Folge nicht selten unter 500 € für Leute, die de facot 5-6 Tage die Wochen 10 h und mehr am Tag auf dem Feld verbracht haben. "12 € Mindestlohn"? Wenn man das da durchsetzen würde, wäre das eine Lohnerhöhung um wenigstens 300%. Wäre das verdient? NA KLAR. Aber würde es funktionieren? Nie im Leben. Es funktioniert ja jetzt schon nicht.