Je nach Schule und Lehrer. Ich denke jeder dürfte in seiner Schulzeit mindestens einen kennengelernt haben, bei dem offensichtlich war, dass seine Arbeitslast eher gering ausfällt.
Als Schulsozialarbeiter an mehreren Schulen (und auch wegen einigen Fortbildungen) habe ich bisher viele Lehrer kennenlernen dürfen. Mein Eindruck war bisher, dass die meisten eigentlich schon recht bemüht sind und es auch aus Leidenschaft machen, weil sie gerne Wissen an Kids vermitteln.
Faule Äpfel gibt es dagegen auch, aber das verhält sich ja genauso wie in jeder anderen Berufsgruppe, würde ich mal behaupten.
Leider ist das System Schule in ihrer jetzigen Form aber auch ein sehr starres und auch teils ein überfordertes System.
Man nehme hierbei Inklusion als meines Erachtens deutlichstes Beispiel:
Während meines erziehungswissenschaftlichen Studiums wurde die Inklusion von den meisten Profs. als absolut erstrebenswert angesehen — und ja, der Grundgedanke, alle zu inkludieren ist ja auch per se an sich lobenswert — das eigentliche Problem wurde mir nur mehr als deutlich, als ich dann selber in Schulen als Fachkraft stand, die sich aus ihrer eigenen fachspezifischen Logik heraus eher mit Herausforderungen an Schulen beschäftigt, und dort dann bitter feststellen musste, dass sowohl Lehrkräfte, als auch Schülerinnen und Schüler oft derbe überfordert sind, aufgrund der hochgelobten Inklusion.
Um es jetzt ganz plastisch zu machen: Du stehst heute als Lehrer in einer Klasse von 27 Kindern, was selbst mit normal entwickelten Kindern schon super anstrengend ist. Davon waren dann 5 nie an einer Kita, sodass sie basale soziale Formen und schulische Vorkenntnisse, wie Stift halten, mal ruhig sitzen bleiben etc., nicht beherrschen. 10 Kinder haben dann einen Förderbedarf, im Bereich Lernen, geistige Entwicklung und emotional-soziales Verhalten (das sind die Kinder, die sonst an Förderschulen ehemals Sonderschulen professionell von Sonderpädagogen betreut worden sind). Sonderpädagogen sind Mangelware und teilen sich daher an Schulen auf verschiedene Klassen auf, die dann für paar Std in der Woche die jeweiligen Förderbedarf-Kinder noch mal zieldifferenziert beschulen.
Dann sprechen manche Kinder gar kein Deutsch, weil sie neu in Deutschland leben, die dann auch wieder aus den Klassen für paar Std entfernt werden, um in Deutsch nochmal mehr Förderung zu erhalten.
So und dann gibt es natürlich noch die andere Breite an Verhaltensauffälligkeiten, die unsere Zeit halt so mit sich bringt, wenn Kinder von ihren Eltern aus Überforderung heraus vor den Smartphones und Tablets parken, die dort dann leider sehr viel altersunangemessenes und verstörendes Zeugs sehen, weil kein bisschen Bewusstsein für kindsgerechten Medienkonsum vorhanden ist.
An solchen Schulen betreiben Lehrer oft nur noch Schadensbegrenzung, woran sie selber leiden, da es ihrem eigenen Anspruch nicht genügt. Sie müssen sich dann entscheiden, wem sie mehr Aufmerksamkeit geben und wem weniger und das ist allein moralisch schon eine sehr schwere Sache. Die Frage lautet dann oft "Unterstütze ich die Schwachen mehr, dafür lernen die mit Potential weniger, oder widme ich mehr den Kindern mit Potential, damit sie aufblühen, und schleife die Schwachen dann einfach nur mit."
Also im Rahmen dessen, wie krass chaotisch heute Schule abläuft, muss ich gerade nochmal konstatieren, dass viele Lehrer einen wirklich schweren Job haben. Ich für meinen Teil, bin auf jeden Fall froh, dass mein NC nicht gereicht hat, für das eigentlich geplante Lehramt in Deutsch und Englisch.