Nach dem Terroranschlag von Halle haben Politiker der anderen Parteien die AfD scharf angegriffen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warf der Partei Heuchelei vor. "Ich glaube die Betroffenheit, die an einigen Stellen geheuchelt wird, nicht", sagte Söder beim Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken.
"Die AfD ist nicht auf dem Weg, eine bessere und ehrlichere CDU zu werden. Die AfD ist auf dem Weg, die wahre NPD in Deutschland zu sein." Die AfD sei "alles, aber sie ist nicht bürgerlich", sagte der CSU-Chef. Sie wolle "nicht zurück in die 80er und 90er - ein Teil ihrer Funktionäre will zurück in die 30er".
Beobachtung durch Verfassungsschutz gefordert
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte der "Passauer Neuen Presse", die AfD beschreite einen Weg, "der geradezu Nährboden ist für rechtsradikale Umtriebe: Die Parteiführung lässt wohl ganz bewusst Elemente an radikalem und antisemitischem Gedankengut zu."
Dobrindt sprach sich für eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz aus. "Ich hielte es für richtig, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Man muss bei AfD-Parteigliederungen wie dem sogenannten Flügel genau hinschauen, ob sie sich noch auf dem Boden der Verfassung bewegen." Manche Vertreter der AfD hätten längst die gedanklichen Grenzen zum Rechtsextremismus überschritten.
Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil plädierte dafür, die AfD durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen. "Das ist eine verfassungsfeindliche Partei", sagte er auf dem Parteitag der baden-württembergischen SPD in Heidenheim. "Die Brandstifter, die mitverantwortlich sind, die sitzen heute auch in den Parlamenten. Die AfD ist die Partei, die dafür sorgt, dass wir ein solches gesellschaftliches Klima haben." Der Täter von Halle sei kein Einzeltäter gewesen. "Das war vielleicht einer, der geschossen hat. Aber das waren ganz viele, die ihn munitioniert haben."
Michael Roth, einer der Bewerber um den SPD-Vorsitz, kritisierte in der "Welt": "Im Deutschen Bundestag und in den Landtagen sitzt der politische Arm des Rechtsterrorismus. Und das ist die AfD." Das gelte sicher nicht für alle Mitglieder. "Aber die Partei muss ihr Verhältnis klären zu denjenigen, die durch Hass und Hetze solchen furchtbaren Taten den Boden bereiten. Der Verfassungsschutz muss den Laden verstärkt beobachten", verlangte Roth.
Herrmann: "AfD in unverschämter Weise aufgefallen"
Roths Mitbewerber Karl Lauterbach hatte bereits am Donnerstag getwittert, es sei die "Hetze der AfD, die dem Rechtsextremismus eine politische Stimme gab". Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verurteilte im Bayerischen Rundfunk die "geistigen Brandstifter" und sagte: "Da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen."
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Freitag in der ZDF-Sendung "Was nun?" mit Blick auf die AfD gesagt, bei einzelnen Personen und Reden laufe ihm ein Schauer über den Rücken. "Deshalb wäre die AfD gut beraten, sich von solchen Reden und von solchen Personen klar zu distanzieren. Das erwarte ich als Bundesinnenminister."