Gibt es heutzutage überhaupt eine illegale Downloadquelle für alle Inhalte? Ich dachte eigentlich, die Zeit der großen Filesharing-Netzwerke mit Suchfunktion wäre lange vorbei. Mit normalen Suchmaschinen einen noch funktionierenden Link zu einem One-Click-Hoster zu finden, hinter dem sich am Ende auch tatsächlich das gewünschte Dokument verbirgt, ist jedenfalls schon bei semi-legalen Inhalten* oftmals alles andere als flott. Und dann sollte das Dokument entweder klein sein (bei Videos in annehmbarer Qualität wohl nie der Fall) oder man braucht bezahlpflichtige Premium-Accounts bei dutzenden Download-Anbietern, wenn man nicht tagelang downloaden möchte.
*: Inhalte, die vermutlich ohne Verbreitungsfreigabe des Rechte-Inhabers und somit formell illegal zum Download angeboten werden, die der Rechteinhaber aber auch selbst zum Nulltraif anbietet, wenn man nachfragt und Zeit mitbringt. In meinem letzten Fall z.B. die Anleitung eines Autos als PDF – über Serviceanfrage binnen drei Wochen zu bekommen, auf anderem Wege binnen drei Minuten, wenn man Glück hat, oder auch binnen drei Tagen nicht, wenn man vergeblich sucht.
Wenn ich mich nicht irre, bot z.B. Netflix vor 10 Jahren weder BBC-Inhalte noch Sport noch Anime in größerem Umfang, kaum Eigenproduktionen und erst recht nicht die von Amazon oder Disney extra für VoD produzierten Inhalte. Dieser Content wird erst seit einigen Jahren zusätzlich von Streaming-Diensten angeboten und das man für zusätzliches zusätzlich zahlen muss, stellt doch keine Entwertung des ursprünglichen Angebotes dar.
Musikstudios haben übrigens in erster Linie gelernt, kleine Brötchen zu backen. Das Künstler bis vor zwei Jahren in der Regel mehr Tourneen zu höheren Preisen als in den 90ern gemacht haben und jetzt, je nach Größe, durchaus Probleme haben, liegt nicht zuletzt daran, dass man mit Alben kaum noch Geld verdient. Das lohnt sich noch für die Topacts (aber auch da weniger als früher), aber für viele kleinere Gruppierungen sind die Veröffentlichung eher eine Art Werbemittel für Live-Auftritte, von denen man dann leben muss. Dabei hat die Musikindustrie noch den großen Vorteil, dass es lokal unterschiedliche Geschmäcker gibt und zum Beispiel nie jemand deutsche Volksmusik vor illegalen Downloads in Indien schützen musste. AA(A)-Filme werden dagegen seit jeher global vermarktet und benötigen zu ihrer Refinanzierung sowohl die Zielgruppe von 80 Millionen Deutschen, die sich mehrheitlich eine DVD für 10 Euro leisten könnten, aber genauso 1.300 Millionen Inder, deren Limit im Schnitt eher bei 50 Cent liegt.