AW: Die Qual der Wahl: Wir suchen die legendärste Grafikkarte aller Zeiten
Ich will ja jetzt nicht als Kind des Fernsehns dastehen, aber kennst du zufällig die neue Mars Werbung? Am Schluss kommt der Spruch: "Mars, eine Legende"
Jeder kann in Laden gehen un sich n Mars kaufen, bleibt trotzdem ne Legende... Geschmacklich
D.h. du würdest der Werbung zustimmen? "geschmackliche Legende"... - kann ich ehrlich gesagt genauso wenig nachvollziehen, wie diverse nagelneue ""Kult""-Produkte, die einem angedreht werden sollen.
"Hat niemand" ist aber nur eine der möglichen Einzigartigkeiten, auf deren Grundlage man eine Legende aufbauen kann (und diejenige, die am wenigsten alleine stehen kann, zumindest ein "wollten aber viele" muss noch dazu kommen). Alternativ können es z.B. auch Alter&Erfolg&Geheimnisskrämerei sein - Coca Cola könnte man imho notfalls als legendär bezeichnen.
Aber eine 8800GTX hat einfach gar nichts. Was unterscheidet sie von einer z.B. 9700pro? Beide haben eine neue Schnittstelle eingeführt, beide waren sehr lange zu gebrauchen, beide haben neue Rekorde bei Preis und Verlustleistung geboten, beide konnten sich vor allem deswegen abheben, weil das Produkt der Konkurrenz ein Schuss in den Ofen war. Selbst eine KyroI/II hat dagegen einen besonderen Status. (weil sie der einzige erfolgreiche Versuch der letzten 13 Jahre war, eine neue 3D-Karte neben den beiden etablierten Marken rauszubringen)
Kann man sich da sicher sein?
Hätten wir ohne einen Bill Gates überhaupt grafische Oberflächen und "Fenster"?
Sicherlich. Denn Bill Gates hat die weder erfunden noch hatte er die Idee, sie für Heimcomputer einzusetzen, noch hat er mit dem Verkauf in großem Stil begonnen. Ggf. hätte wir heute alle Macs, aber GUI gabs nun wirklich schon lange vor M$, vor allem in Anwendungen.
Vielleicht wären ohne gewisse Schlüsselreize PCs heute noch jene Apparaturen die mit weißer Schrift auf schwarzem Grund Texte, Zahlen und Tabellen verarbeiten - denn dafür waren sie gedacht. Niemand dachte damals an 3D-Spiele oder ähnliches.
So? An Spiele dachte man schon sehr, sehr früh (die ersten elektronischen Unterhaltungsgeräte gab es Jahrzehnte vor dem ersten PC). (Statische) Bilder hat man integriert, sobald sie möglich wurden und bewegte Bilder blieben auch nicht lange den Spielhallen vorbehalten. Der Schritt zu 3D wurde ebenfalls schon Jahre vor der Voodoo verzogen - denn 3D ist einfach die optimale Art, räumliche Darstellungen zu berechnen. Das einzige, was 3Dfx geliefert hat, war die 3D-Beschleunigung über seperate Karten. Das war ein Riesenfortschritt, aber wie vorrangegangene, gescheiterte Versuche zeigen, war es auch ein Thema, dass auf dem Tisch lag.
Das legendäre an der Voodoo war, dass es geklappt hat. Mit Ausnahme von Creative wäre mir kein anderer Add-On-Hersteller bekannt, der es geschafft hat, im Alleingang eine Softwareschnittstelle und Hardware zu etablieren, die ausschließlich für vollkommen neue Anwendungen zu gebrauchen sind. "Henne Ei"? Voodoo verarbeitet bekanntermaßen beides
(Creative hats mit SB16, EAX1/2 , EAX3/4/5 und ggf. OpenAL so oft gemacht, dass es schon langweilig ist

)
Aber was wahr eigentlich so toll an der Karte? Wenn sie so toll wahr wieso kam sie dann nicht auf den Markt?
"Toll" -und zwar im Sinne von "Tollhaus"- war der Ansatz. Derart Konsequent auf Masse statt Klasse gesetzt, dass Endergebniss (wäre alles nach Plan gelaufen) nicht nur ein einzigartiges Stück Hardware gewesen wäre (schon rein physisch: So lang war nie wieder eine Retail-Karte, eine so aufwendige Stromversorgung hatte keine Großserienkarte, soviele Recheneinheiten ebenfalls,...), sondern auch mit der Konkurrenz den Boden gewischt hätte.
In späteren Jahren konnte sie immer noch mit der Qualität ihres AA von sich reden machen, die bis vor kurzem unerreicht war.
(ihr aber seinerzeit nur wenig genützt hätte, da es extrem viel Leistung kostet und die hätte man in Zeiten der CRTs wesentlich sinnvoller in Auflösung investieren können)
Nicht auf den Markt gekommen ist sie, weil dieser Plan eben wahnsinnig war. 3dfx hat im Vorfeld massive Fehler bei Firmenplanung gemacht, mit der V3 u.a. deswegen nicht den gewünschten Erfolg feiern können und bei der V5 hätte vermutlich alles wie am Schnürchen laufen müssen, um den Laden gegen Nvidia und die erstarkenden Radeons halten zu können.
Praktisch war man aber nicht in der Lage, die V5 6000 zum laufen zu bringen, der Aufbau war zuweit jenseits dessen, womit man klar kam. Das ist zugleich auch der letzte Stein zur Legende 6000:
Sie ist die einzige Karte, deren Entwicklung über ein Jahr nach dem Ende ihres Herstellers (erfolgreich) abgeschlossen wurde.
und wegen der Einbauprobleme ein Problemking.
Einbauprobleme?
In den heutigen Winzgehäusen vielleicht, aber zu den Zeiten, als sie eingeführt wurde, waren full-length taugliche Gehäuse noch der Standard. Erst später gelang es den Herstellern, weniger für mehr zu verkaufen.
Dann eher ist die V5-5500 PCI eine Legende. Noch heute in einem Corei7 oder Phenom X6 Rechner einsetzbar. Wahrscheinlich auch in 10 Jahren noch "nutzbar".
Das gilt aber für alle PCI Karten (d.h.: 10 Jahre tät mich wundern, vielleicht 5), ich slebst hab immer ne RageII für Notfälle griffbereit
Normalerweise wäre ich da deiner Meinung, aber ohne Bill Gates und dessen DirectX Schnittstelle wäre der PC niemals zu solch einer Spielemaschine geworden wie es heute der Fall ist. Der Grund dafür ist DirectX selbst und die Microsoft Marktposition, denn es ist eine Schnittstellenbasis, die fast jeder PC bietet - ähnlich wie bei den Konsolen, wo sich natürlich alle einer Generation gleichen.
Der PC war eine erfolgreiche Spiele Plattform, lange bevor sich D3D gegen GLide und OpenGL durchgesetzt hat. Die Entwicklung wäre vermutlich nicht so schnell verlaufen, wenn M$ nicht in vergleichsweise kurzer Zeit DX7, 8 und 9 durchgedrückt hätte - aber da der einzige Feind des guten das bessere ist, hätte dessen ausbleiben dem PC nicht geschadet.